Würzburg

Faulhaber-Platz: Heimatpfleger ist gegen Bebauung

Eine Postkarte von etwa 1900 zeigt den Platz als er noch von der Schrannen-Halle und dem damaligen Theater begrenzt wurde. Wo die Halle stand, beginnt heute die Spiegelstraße.
Foto: Sammlung Dürrnagel | Eine Postkarte von etwa 1900 zeigt den Platz als er noch von der Schrannen-Halle und dem damaligen Theater begrenzt wurde. Wo die Halle stand, beginnt heute die Spiegelstraße.

Das Aktionsbündnis will einen Park, Rathaus und Stadtratsmehrheit teilweise Bebauung plus Begrünung. Im Vorfeld des Bürgerentscheids über den Kardinal-Faulhaber-Platz hat die Redaktion Stadtheimatpfleger Hans Steidle um eine Stellungnahme gebeten. Der Historiker rät von einer Bebauung des Platzes ab. Steidle sieht den Platz im historischen Kontext.

Steidle schreibt: „Balthasar Neumann hat die Theaterstraße so gestaltet, dass sich Baukörper und Gärten abgewechselt hatten. Daran anschließend war die heutige Fläche des Kardinal-Faulhaber-Platzes zunächst der Park des adeligen St. Annastiftes. Dieses wurde dann zum Theater umgebaut.

Vorplatz vor dem Bahnhof

Mit dem Bau des Alten Bahnhofs auf dem Areal des heutigen Mainfranken Theaters wurde die 1855 angelegte Maxstraße vor der Schrannenhalle und dem Stadttheater aufgeweitet. Zum Alten Bahnhof hin existierte ein Vorplatz in den Ausmaßen, die weitgehend dem gegenwärtigen Vorplatz zum Mainfranken Theater entsprechen.

Nach 1945 wurde der Straßenzug Ludwig-/Spiegelstraße für die autogerechte Erschließung der Innenstadt ausgebaut. Deswegen wurden historische Baukanten aufgegeben und der neue Platz mit festen Kanten rechteckig in der Achse des Alten Bahnhofs angelegt.

Für die autogrechte Innenstadt

Der Neubau des Stadttheaters an dieser Stelle in den 1960er Jahren wurde symmetrisch auf den Faulhaber-Platz als weiten Platz vor dem Theater bezogen. Die Staffelung der Fassade mit dem Anwachsen zum Bühnenturm war auf den Platz mit seiner ganzen Weite bezogen.

Weniger öffenticher Raum

Die unentschiedene Gestaltung zwischen baumbestandenem Platz und Parkplatz, als auch das Vorherrschen der Verkehrswege ließen den Stadtraum vor dem Theatergebäude nicht als einen großzügigen, weiten Platz erkennen und erleben, sondern als einen abgetrennten, ausgeschiedenen „Abstellplatz“ für PKW. Eine Teilbebauung würde den großzügigen Platzraum reduzieren, was je nach Positionierung des Gebäudes zu einer Störung der Platzkanten führt.

Außerdem würde dies eine erhebliche Reduzierung des nicht versiegelten Bodens und des für die Allgemeinheit nutzbaren öffentlichen Raums bedeuten.

Großzügiger Platz erforderlich

Die aktuellen Umbaupläne für das Mainfranken Theater sehen eine Aufgabe der bestehenden Staffelung und eine hohe Fassade an der jetzigen Baukante vor. Kleinwüchsigeres Grün würde den Bauvolumina, die mit dem umgebauten Theater den Platz umgeben, nicht standhalten. Ein solches Bauvolumen bedarf unbedingt eines weiten und großzügigen Platzes zur Fußgängerzone.

Auch für deren Beginn scheint ein wirklich begrünter und unbebauter Platzraum dringend erforderlich. Die Attraktivität eines entsprechenden Stadtraums wird auch durch die Ansiedlung von Straßencafés im Umfeld erkennbar. Hohe Bäume mit großen Kronen schaffen eine besondere Atmosphäre.

Das Anliegen Balthasar Neumanns

Auf diese Weise könnte auch wieder der Anteil von Grünbereichen, der in der Innenstadt seit vielen Jahrzehnten rückläufig ist, erhöht werden, was bereits Neumanns Anliegen bei der Stadtumgestaltung im 18. Jahrhundert war.“

Zur Person: Hans Steidle

Hans Steidle, Jahrgang 1951, besuchte in Würzburg Schule und Universität und unterrichtet am Dag-Hammarskjöld-Gymnasium. Seit über zwei Jahrzehnten bilden Geschichte und Kultur der Stadt Würzburg den Schwerpunkt seiner Führungen, Vorträge und Publikationen.

Der Historiker ist Autor mehrerer Bücher zu Leonhard Frank und zur Würzburger Stadtgeschichte und seit 2009 ehrenamtlicher Heimatpfleger der Stadt Würzburg. Dieser berät die Stadt in Fragen der Heimat- und Denkmalpflege und der Stadtgestaltung. Ziel dieser Tätigkeit ist es, das gewachsene Bild der Heimat zu erhalten. Deutlicher als seine Vorgänger verfolgt Steidle dieses Ziel.

Seinen turnusmäßigen Bericht nutzte er mehrmals dazu, dem Stadtrat öffentlich die Leviten zu lesen und davor zu warnen, dass „die charakteristische Architektur der Altstadt leise und effizient entsorgt“ wird. Steidle positionierte sich auch beim Bürgerentscheid um die Mozartschule gegen gegen Verwaltung und Teile des Stadtrats. Was ihm von einigen Mitgliedern des Stadtrats übel genommen wurde. Seine Wiederbestellung als Stadtheimatpfleger war 2016 deshalb im Stadtrat umstritten.

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