Würzburg

Festakt: Klaus Zeitler vor 50 Jahren als OB vereidigt 

Sein Wechsel von der SPD zu den Republikanern sorgte bei den Bürgern für Unverständnis. Neben viel Lob für sein Wirken gab es daher auch Kritik von OB Schuchardt.
Ehrung von Alt-OB Klaus Zeitler im Wenzelsaal: (von links) Dr. Peter Hoeres, Bürgermeister Adolf Bauer, Tochter Anne Christin Zeitler, Klaus Zeitler und OB Christian Schuchardt. Foto: Georg Wagenbrenner
| Ehrung von Alt-OB Klaus Zeitler im Wenzelsaal: (von links) Dr. Peter Hoeres, Bürgermeister Adolf Bauer, Tochter Anne Christin Zeitler, Klaus Zeitler und OB Christian Schuchardt. Foto: Georg Wagenbrenner

Am 2. Oktober jährte sich zum 50. Mal der Tag, an dem Klaus Zeitler als Oberbürgermeister der Stadt Würzburg vereidigt wurde. So begann Oberbürgermeister Christian Schuchardt seine Ansprache im Wenzelsaal des Rathauses. Er äußerte an dem Abend aber nicht nur viel Lob über den jetzigen Altoberbürgermeister, sondern griff auch gleich am Anfang kritisch die politischen"Seitensprünge" des Ehrengastes auf.

Unverständnis und Kritik unter den Bürgern

"Dass Sie sich nach Ihrer Zeit als OB einer Partei angeschlossen hatten, die zeitweise wegen rechtsextremistischer Bestrebungen vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, ist bei der großen Mehrheit der Würzburger zu Recht auf Unverständnis und Kritik gestoßen - viele sahen darin einen Widerspruch zu den bis dahin von Ihnen vertretenen Werten und Überzeugungen und dies hat Ihre Reputation - auch die Ihrer Zeit als OB - beschädigt." Zeitler hatte sich damals den Republikanern angeschlossen. "Immerhin", so der OB weiter, "korrigierten Sie formal diesen Kurs und schlossen sich der Würzburger Liste an". 

42 Jahre – allein schon die numerische Summe des Engagements in der Selbstverwaltung in der Heimatstadt Würzburg sei beeindruckend. Unter den Würzburger Oberbürgermeistern sei Zeitler seit 1945 einer von nur zwei gebürtigen Würzburgern.

Versuch einer Erfolgsanalyse

Schuchardt versuchte sich an einer Analyse des Erfolges. Da sei vor allem die Bürgernähe zu nennen. Davon zeugen die wöchentlichen Bürgersprechstunden und zahlreiche Bürgerversammlungen. Und Würzburg war im Jahr 1968 eine der ersten Städte, die ein „Büro für Bürgerhilfe“ einrichtete.

Pragmatisch sei Zeitler an die Dinge herangegangen, mit klarem Blick für das Machbare und mit großem taktischem Geschick im Stadtrat, wo er im Sinne der politischen Farbenlehre nie über eine eigene Mehrheit verfügt habe. Nahe Wegbegleiter, so Schuchardt, berichteten von einer Reihe von Eigenschaften: Disziplin und Tatkraft, Stehvermögen und Durchsetzungsfähigkeit, Gerechtigkeitssinn und Liberalität und nicht zuletzt ein "geradezu seismographisches Gespür für das, was die Bürger bewegte". Zudem hätten die städtischen Werke während der Amtszeit Zeitlers zusammen fast 1,5 Milliarden Mark in den Ausbau der Würzburger Infrastruktur investiert. 

In einem Festvortrag "1968 - Aufbruch wohin" beleuchtete Professor Peter Hoeres, Inhaber des Lehrstuhls für neueste Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität, speziell das Geschehen in diesem Jahr. 

Seine Freude über den Festakt zeigte der Alt-Oberbürgermeister deutlich. Zeitler ist vor kurzem 89 Jahre alt geworden und saß bis 2014 im Stadtrat für die Würzburger Liste mit viel Spaß an der Kommunalpolitik. Es wies gleich zu Beginn seiner Ausführungen daraufhin, dass der Wenzelsaal, in dem der Festakt stattfand, kein Raum der leeren Versprechungen sei. Immerhin konnte er in seiner langen Amtszeit alle damaligen Bundeskanzler und Bundespräsidenten in Würzburg begrüßen. Er beglückwünschte den Stadtrat zu seiner Arbeit, "denn vieles was früher angestoßen wurde, ist Wirklichkeit geworden". Die Landesgartenschau bezeichnete er als großartige Entwicklung für Würzburg, die viele Menschen noch nicht kapiert haben.

In Würzburg geboren

Zeitler wurde am 27. September 1929 in Würzburg geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er im mecklenburgischen Parchim in Potsdam und in Berlin. Er studierte an den Universtitäten  Würzburg, Köln und Dijon Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Zeitler promovierte nach dem Staatsexamen und war ab 1958 als Jurist beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes tätig. 

Seine parteipolitische Laufbahn begann Zeitler 1950 bei der SPD. Dann kam ein Schritt, den viele Genossen nicht nachvollziehen konnten. Er verließ die SPD und trat 1992 den Republikanern bei. Seine damalige Begründung: Es gebe die SPD Kurt Schuhmachers nicht mehr, die die nationalen und sozialen Interessen Deutschlands vertreten habe. Zwischenzeitlich verließ er die Partei, um dann 1996 allerdings Mitglied im Bundesvorstand der Reps zu werden. 

Sein kommunalpolitisches Wirken war lang. Von 1956 bis 1958 war er als SPD-Mann Mitglied des Würzburger Stadtrates. Dann kam 1968 seine Kandidatur als Würzburger Oberbürgermeister, die er gegen seinen CSU-Herausforderer Reinhold Vöth in der Stichwahl gewann. Zeitler behielt das Amt 22 Jahre lang. Dann kündigte er 1989 für die SPD völlig überraschend an, nicht mehr kandieren zu wollen. Von 1996 bis 2003 saß er für die für die Republikaner im Stadtrat. Dann wechselte er bis heute zur Wählervereinigung Würzburger Liste.

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