Rottenbauer

Feuerwehr Rottenbauer: Wo die Kameradschaft stimmt

Fahnenweihe im Jahr 1968 bei der Feuerwehr Rottenbauer.
Foto: Feuerwehr Rottenbauer | Fahnenweihe im Jahr 1968 bei der Feuerwehr Rottenbauer.

Wenn man Menschen ein Helfersyndrom nachsagt, ist das nicht immer nur nett gemeint. Frank Weller ist da anders, für ihn ist Helfersyndrom ein Kompliment. „Ich wollte und will anderen Menschen helfen“, sagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rottenbauer selbstbewusst. Seit er 16 Jahre alt ist, ist der 47-Jährige dabei, seit 2002 in Führungspositionen, zunächst als zweiter Kommandant, seit 2006 an vorderster Stelle. Heuer feiert die Wehr im Stadtteil ihr 120-jähriges Bestehen. Am kommenden Samstag, 2. Juni, steigt der Jubiläumsabend, zwei Wochen später gibt es ein buntes Fest (siehe Infokasten).

Stefan Orth steht Weller in Sachen Verantwortungsbewusstsein nicht nach. Auch er ist seit Teenagertagen bei der Feuerwehr, seit 2014 führt der 45-Jährige den Feuerwehrverein mit seinen 220 Mitgliedern. Weil er mit Jochen, dem Sohn des damaligen Kommandanten Heinrich Düll, gut befreundet war, sei er 1989 zur Feuerwehr gekommen. Er ist geblieben, „weil hier die Kameradschaft stimmt“, so Orth. „Und weil wir wissen“, ergänzt Weller, „wie verheerend die Folgen eines Brandes sein können“.

Gründung mit 36 Ortsbürgern

36 Ortsbürger haben die Feuerwehr Rottenbauer am 23. Januar 1898 aus der Taufe gehoben. Die Chronik erzählt von einer Handdruckspritze, die seinerzeit zum Einsatz kam. Über größere Brände ist in den Aufzeichnungen zum Glück nur wenig zu lesen: 1924 stehen die Stallungen im evangelischen Pfarrhof in Flammen, 1930 findet ein Scheunenbrand Erwähnung, für 1944 ist eine Brandstiftung im Dorf notiert.

Geht es seinerzeit allein um das Löschen von Bränden im Dorf, kommen im Lauf der Jahre neue Herausforderungen hinzu. In den 1980er Jahren wird das Zuständigkeitsgebiet um weite Teile des Heuchelhofs („wir teilen uns den Stadtteil mit den Heidingsfelder Kollegen“) erweitert, zudem ist die Wehr längst nicht nur bei Bränden und Überschwemmungen gefragt. Seit 1997 in Rottenbauer ein großes Tanklöschfahrzeug LF16 mit Spreizer und Rettungsschere stationiert ist, rücken die Floriansjünger immer häufiger auch zu Verkehrsunfällen aus. 24 solcher Einsätze zählt die Statistik für das vergangene Jahr.

Gewachsene technische Anforderungen

Fragt man Weller und Orth, wie weit sich das Feuerwehrwesen in den vergangenen drei Jahrzehnten gewandelt hat, verweisen sie vor allem auf die gewachsenen technischen Anforderungen. Allein 80 Stunden umfasst die Grundausbildung der Ehrenamtlichen. Bei der „modularen Trupp-Ausbildung“ werden praktische und theoretische Kenntnisse bei Feuer und Unfällen geschult. Zum Feuerwehr-Knowhow kommt heute Wissen in Sachen Erste Hilfe, bis hin zur Herz-Lungen-Wiederbelebung.

53 Aktive zählt die Feuerwehr derzeit. Darunter sind acht Frauen. Wobei Frank Weller das am liebsten gar nicht besonders erwähnt sieht. Zum einen seien Frauen bei der Wehr in Rottenbauer bereits seit 1979 ganz selbstverständlich dabei, zum anderen seien sie „komplett in die Mannschaften integriert“. Gebe es mancherorts rein weibliche Löschzüge, habe er solche „Extrawürste“ immer abgelehnt, sagt der Kommandant. „Frauen und Männer machen die gleichen Übungen, mit und ohne Atemschutz, und sie übernehmen im Ernstfall auch die gleichen Aufgaben.“

Jugend- und Kinderfeuerwehr

Um dauerhaft Nachwuchs zu sichern, bilden 14 Zehn- bis 16-Jährige eine Jugendfeuerwehr. Hinzu kommt als Besonderheit in Rottenbauer noch eine Kinderfeuerwehr: Alle 14 Tage freitags versammeln Melanie Eck, eine eigens ausgebildete Brandschutz-Erzieherin, und Jugendwart Norbert Beez bis zu 20 Mädchen und Jungen zu Spielenachmittagen. Die Sechs- bis Zehnjährigen dürfen zwar noch nicht ans Großgerät, dafür aber schon mal die Atmosphäre im Gerätehaus schnuppern – oder schon mal eine Kerze anzünden und löschen. Orth: „Den Kleinen zuzuschauen, macht große Freude.“

Die Aktiven von 16 bis 70 treffen sich immer dienstags. Echte Rottenbauerer sind genauso dabei wie Zugezogene in einem der Neubaugebiete im Stadtteil. Man übt gemeinsam, spricht über die letzten Einsätze, tauscht Neuigkeiten im Umgang mit kitzligen Situationen aus („etwa beim Gewässerschutz oder bei brennenden Photovoltaikanlagen“) – und pflegt die Geselligkeit. Die gute Kameradschaft komme besonders dann zum Tragen, sagt Frank Weller, „wenn die Ereignisse den Beteiligten sehr nahe gehen“. Gerade bei Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder gar Toten bräuchten insbesondere junge Kollegen oft mentale Unterstützung. „Da hilft nur reden, reden und noch einmal reden“, sagt der Kommandant. In solchen Fällen bewähre sich das gute Miteinander. Falls dieser Austausch nicht reicht, gibt es Unterstützung durch die Feuerwehrseelsorge. Weller: „Niemand bei uns wird schief angeschaut, wenn er die in Anspruch nimmt.“

Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr

Feuerwehrler im Stadtteil Rottenbauer zu sein, bedeutet auch eine enge Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Kollegen von der Berufsfeuerwehr der Stadt Würzburg. „Wir sind froh, dass es sie gibt“, sagt der Kommandant. Im Ernstfall laufe der Einsatz gemäß abgestimmter Pläne Hand in Hand. „Konkurrenz gibt es da nicht.“ Bei der Berufsfeuerwehr weiß man gleichermaßen, dass man ohne die eigenständigen Wehren in Rottenbauer, Lengfeld, Versbach, Ober- und Unterdürrbach sowie die Freiwillige Feuerwehr Würzburg mit Löschzügen in Grombühl, Zellerau, Sanderau und Heidingsfeld nicht so gut aufgestellt wäre. Immerhin kommt man so zusammen auf jährlich 500 Einsätze im Stadtgebiet.

Fragt man Frank Weller und Stefan Orth, ob sie einen Wunsch für die nächsten Jahre haben, kommt das Gespräch auf die Erweiterung des im Lauf der Zeit doch arg eng gewordenen Gerätehauses im Eibelstädter Weg. Wichtiger aber sei, so Kommandant und Vereinsvorsitzender unisono, dass Rottenbauer und die Stadt von größeren Katastrophen verschont bleiben. Helfersyndrom hin, Helfersyndrom her.

120 Jahre Feuerwehr Rottenbauer: Festprogramm

Ein Kommersabend findet am Samstag, 2. Juni, um 19 Uhr im katholischen Pfarrheim in Rottenbauer statt. Schirmherr der Jubiläumsfeiern zum 120-jährigen Bestehen der Feuerwehr ist Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Bereits um 18.30 Uhr ist eine Totenehrung am Friedhof.

Zum Auftakt der Festtage im Hof der Familie Greulich (Engelsweg 5) spielt am Freitag, 15. Juni, die Gruppe „Timeline 11“. Am Samstag, 16. Juni, geht es ab 17 Uhr weiter, für 19.30 Uhr sind die Gastwehren aus der Umgebung angekündigt. Es spielt die Musikkapelle Winterhausen.

Der Festsonntag, 17. Juni, startet um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Zelt, ab 11.30 Uhr gibt es Mittagessen. Höhepunkt ist der Festzug, der sich um 13.30 Uhr mit 40 Gruppen durch Rottenbauer schlängelt. Anschließend spielen die Dorfmusik Fuchsstadt und Sebastian Wilhelm. Am Montag, 18. Juni, gibt es ab 17 Uhr zum Festausklang Kesselfleisch, später gastieren die Kirchheimer Musikanten. (micz)

1928 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr 30-jähriges Bestehen.
Foto: Feuerwehr Rottenbauer | 1928 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr 30-jähriges Bestehen.
1968 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr 70-jähriges Bestehen.
Foto: Feuerwehr Rottenbauer | 1968 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr 70-jähriges Bestehen.
1938 feierte die Feuerwehr Rottenbauer das 40-jährige Bestehen.
Foto: Feuerwehr Rottenbauer | 1938 feierte die Feuerwehr Rottenbauer das 40-jährige Bestehen.
Kommandant Frank Weller (rechts) und Stefan Orth, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Rottenbauer, im Jubiläumsjahr 2018.
Foto: Michael Czygan | Kommandant Frank Weller (rechts) und Stefan Orth, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Rottenbauer, im Jubiläumsjahr 2018.
1908 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr zehnjähriges Bestehen.
Foto: Feuerwehr Rottenbauer | 1908 feierte die Feuerwehr Rottenbauer ihr zehnjähriges Bestehen.
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