Würzburg

Flutlicht brennt, Klage schwelt

Flyeralarm-Arena Würzburg       -  Eine Erleuchtung: Die Flyeralarm-Arena erlebt an diesem Freitag ihr erstes Drittliga-Spiel der Kickers unter Flutlicht.
Foto: Silvia Gralla | Eine Erleuchtung: Die Flyeralarm-Arena erlebt an diesem Freitag ihr erstes Drittliga-Spiel der Kickers unter Flutlicht.

„Würzburg leuchtet!“ Dieser erhellende Spruch wirbt für das erste und einzige Flutlichtspiel der Würzburger Kickers in der Hinrunde an diesem Freitag. Anpfiff der Drittligapartie gegen den Chemnitzer FC ist um 19 Uhr. Der Verein rechnet mit über 5000 Zuschauern, am Donnerstag waren bereits über 4000 Tickets verkauft.

Das Flutlicht im Kickers-Stadion, der Flyeralarm-Arena, war bei seiner Einrichtung vor knapp einem Jahr bei den Stadion-Nachbarn ein großer Aufreger – und ist noch immer ein Thema. Gegen die Genehmigung der Anlage laufen weiterhin Klagen von fünf Anwohnern sowie sieben weitere gegen den Stadionumbau.

Generell ist allerdings eine entspannte Situation am Dallenberg auszumachen. Die Befürchtungen, randalierende Fußball-Rowdies und ein Verkehrschaos würden das angrenzende Wohngebiet terrorisieren, haben sich nach den ersten Spieltagen nicht bewahrheitet. „Das passt, es ist alles ziemlich entspannt“, bilanziert Andreas Meier, der nur einen Sprung weit vom Stadion entfernt wohnt. Er spreche auch für etliche Nachbarn. Grundsätzlich habe er den Eindruck, dass die Maßnahmen zur Verkehrsregelung und -überwachung, zur Lärmminderung durch Musik und Stadionansagen sowie zur Müllentsorgung „greifen“.

E-Mail vor jedem Spiel

„Es herrscht jeweils eine entspannte Atmosphäre“, sagt er. Beim Straßenfest vergangene Woche am Mittleren Dallenbergweg habe es jedenfalls keine hitzigen Diskussionen um die Kickers gegeben. Als willkommenen Service sieht er die E-Mails, die die Kickers vor jedem Spiel an die Anwohner schicken – mit Angaben über die Zahl der erwarteten Zuschauer und die Stadionöffnungszeiten. So sei man auch über den Flutlicht-Test vergangene Woche informiert worden.

Dieser Eindruck entspricht im Großen und Ganzen auch der Wahrnehmung von Stadtbaurat Christian Baumgart. Der Fußball- und Basketball-Fan hat eine Art Moderatoren-Rolle für die Auseinandersetzung am Dallenberg übernommen. Seine Bilanz: „Ich sehe keine Missstimmung zwischen Stadt und Verein und auch nicht zwischen Stadt und Anwohnern.“ Vor der Sommerpause habe er ein „sachliches Gespräch in freundlicher Atmosphäre“ mit Vertretern der Bürgerinitiative Dallenberg – größtenteils Kläger gegen die Stadt – gehabt, bei dem die kritisierten Probleme auf den Tisch kamen. Wichtig sei gewesen, „den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen“ und auch den Verein miteinzubinden. „Ich will keine Lagerbildung“, so Baumgart.

Das nächste Gespräch bei und mit ihm ist für kommende Woche anberaumt. Doch im Vorfeld gibt's Wallung. Werner Niederdraenk, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Dallenberg, hat den Termin erst mal abgesagt, da sich die Kickers nicht gemeldet hätten. Das wertet Niederdraenk als Desinteresse am gemeinsamen Dialog.

Kickers-Vorstandsvorsitzender Michael Schlagbauer dementiert das und spricht von einem „Missverständnis“. Nach seiner Kenntnis ist Thorsten Fischer, Aufsichtsratsvorsitzender der Kickers-AG – in dieser ist der Profibereich angesiedelt – an besagtem Termin verhindert. Dies habe er einem Mitglied der BI bei einem Gespräch mitgeteilt und sei davon ausgegangen, dass dies auch Niederdraenk übermittelt würde. Falls das nicht geschehen ist, bedauere man das und sei „selbstverständlich an einem Gespräch auch mit Ihnen interessiert“, schreibt Schlagbauer an Niederdraenk. Im Übrigen befinde man sich mit zahlreichen Nachbarn „im regen Austausch“, die Rückmeldungen zum Ablauf der Heimspiele seien bislang „rundum positiv“.

Niederdraenk behauptet, ihm sei das Schreiben nicht bekannt, räumt aber ein, dass sich alles „einigermaßen eingespielt“ habe und man nicht „scharf auf Klagen“ sei. Doch nach wie vor wirft er der Stadt vor, sich vom Verein „einspannen“ zu lassen, kritisiert das bis zum Saisonende geduldete VIP-Zelt, den dem Verein von der Stadt zugesagten Zuschuss von 300 000 Euro sowie die Kickers-Geschäftsstelle in der König-Heinrich-Straße. Das sei eine gewerbliche und im Wohngebiet nicht zulässige Nutzung. Dagegen wolle man vorgehen wie auch gegen die städtische Unterstützung eines Profivereins.

Grundstückskauf in Stadionnähe

Der BI-Sprecher bringt zudem ein am Dallenberg grassierendes Gerücht ins Gespräch, wonach die Kickers AG das Nachbargrundstück eines Klägers gekauft habe, um ihn mit einer wohnwertmindernden Nutzung unter Druck zu setzen. Diese Begründung dementiert Kickers-Chef Schlagbauer. Er bestätigt indes den Grundstückskauf in Stadionnähe. Es sei eine günstige Gelegenheit gewesen. Perspektivisch könne man sich auf der Immobilie ein Internat für das Nachwuchs-Leistungszentrum des Vereins oder eine Einrichtung der vereinseigenen Hilfsorganisation „Kickers hilft e.V.“ vorstellen: „Egal, was dort einmal passiert, es wird natürlich in Abstimmung mit den Nachbarn erfolgen.“

Schlagbauer bilanziert generell ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft, um das sich der Verein bemühe. Und er freut sich, dass es bislang „keine wirklich ernsthaften Zwischenfälle“ abseits des Rasens gegeben habe.

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