Würzburg

Folge 5 des True Crime Podcasts "Mordsgespräche": Der Exorzismus der Anneliese Michel

Vor gut 45 Jahren starb Anneliese Michel. Ihr Fall fesselt die Menschen bis heute. In der neuen Folge des Podcasts "Mordsgespräche" geht es um den Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft.
In der Folge 5 unseres Podcasts 'Mordsgespräche' geht es um einen Exorzimus. Erst als Anneliese Michel an den Folgen stirbt, kommt der Fall an die Öffentlichkeit - und vor Gericht.
Foto: Ivana Biscan / Stefanie Rielicke | In der Folge 5 unseres Podcasts "Mordsgespräche" geht es um einen Exorzimus. Erst als Anneliese Michel an den Folgen stirbt, kommt der Fall an die Öffentlichkeit - und vor Gericht.

Ist der tragische Fall Anneliese Michel heute noch ein Thema? Durchaus, obwohl er 45 Jahre zurückliegt. Kommt das Gespräch auf Exorzismus, dann fällt ihr Name. Manche haben sogar noch die Tondokumente, die während der 67 Exorzismen aufgenommen wurden, im Ohr - ihre Schreie, die derben Flüche, das unmenschliche Grunzen – und die Schwarz-Weiß-Fotos vor Augen, die ihre Verletzungen zeigen.

Was in den 1970er Jahren in dem pittoresken Weinort Klingenberg am Main im Landkreis Miltenberg im Haus der Familie Michel vorgeht, wissen damals nur wenige Eingeweihte. Erst als Anneliese, 23 Jahre jung, am 1. Juli 1976 an Unterernährung stirbt, kommt der Fall an die Öffentlichkeit. 2014 werden erstmals die vielen Dokumente wissenschaftlich aufgearbeitet.

Auf der Homepage wird Klingenberg am Main als 'wunderschöne kleine Stadt im Herzen der Region Unterfranken' beworben. Bekannt ist sie wegen des Weins und auch wegen der Clingenburg Festspiele.
Foto: Christine Jeske | Auf der Homepage wird Klingenberg am Main als "wunderschöne kleine Stadt im Herzen der Region Unterfranken" beworben. Bekannt ist sie wegen des Weins und auch wegen der Clingenburg Festspiele.

Sie litt unter Epilepsie, glaubte jedoch besessen zu sein. Ebenso ihre Eltern und zwei Geistliche. Pfarrer Ernst Alt überzeugte den damaligen Würzburger Bischof Josef Stangl, den Großen Exorzismus durchzuführen. Es ist ein Ritual aus Gebeten, Befragungen, Befehlen, Segnungen. Stangl beauftragte damit im September 1975 Pater Arnold Renz.

1978 standen die Eltern und die beiden Priester in Aschaffenburg vor Gericht. Ihnen wurde fahrlässiger Tötung vorgeworfen. Warum unterließen sie es ärztliche Hilfe hinzuzuziehen? Diese Frage stand im Raum. Ebenso der Konflikt, ob ein weltliches Gericht über religiöse Glaubensgrundsätze entscheiden kann.

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Wer den Friedhof in Klingenberg besucht, muss nicht lange suchen. Das Grab an der Mauer ist sehr gepflegt. Ein großes Kreuz, gelegt aus kleinen hellgrauen Steinen, ziert Anneliese Michels letzte Ruhestätte. Eine beiläufige Nachfrage bei Einheimischen, ob noch immer viele Auswärtige zum Grab pilgern, wird verneint. Anneliese Michel sei schon lange kein Thema mehr. Auch vom Sägewerk der Familie sei nichts übriggeblieben. Es wurde nach einem Brand vor acht Jahren abgetragen beziehungsweise dem Erdboden gleich gemacht. Ist damit alles aus den Augen, aus dem Sinn?

Der auffallendste Grabschmuck ist ein großes Kreuz aus hellgrauen Steinen. Links und rechts neben der Ruhestätte von Anneliese Michel auf dem Friedhof von Klingenberg am Main sind viele Gräber eingeebnet.
Foto: Christine Jeske | Der auffallendste Grabschmuck ist ein großes Kreuz aus hellgrauen Steinen. Links und rechts neben der Ruhestätte von Anneliese Michel auf dem Friedhof von Klingenberg am Main sind viele Gräber eingeebnet.

Der Bürgermeister hat sich entschlossen, offiziell keine Stellungnahme abzugeben. Klingenberg schweigt nach außen hin über den Fall, der einst weltweit für Schlagzeilen sorgte. Der die katholische Kirche zu Diskussionen über das Böse veranlasste. Der, wie ein Buchtitel suggeriert, dem Bischof das Kreuz brach.

Die Faszination für den Teufel und Dämonen ist dennoch ungebrochen. Auch in Hollywood. "Der Exorzist" kommt zurück. Der Horrorklassiker von 1973 wird neu verfilmt. Wer mehr über die Hintergründe zur weltweit wohl bekanntesten realen Teufelsaustreibung wissen möchte: Ab sofort gibt es die neue Folge des True Crime Podcasts "Mordsgespräche" der Main-Post zum "Exorzismus der Anneliese Michel" zum Anhören.

Die neueste Folge hier kostenlos anhören:

"Mordsgespräche" gibt es auch kostenlos hier:

True Crime als Podcast

Bei "Mordsgespräche", einem Podcast der Main-Post, geht es um True Crime (deutsch: wahre Verbrechen) aus Unterfranken. In jeder Folge rekonstruieren Reporterinnen und Reporter der Main-Post außergewöhnliche Kriminalfälle aus der Region und geben exklusive Einblicke in die Recherche, die Gerichtsprozesse und den Tathergang.
Der Podcast "Mordsgespräche" fasst nicht nur die detaillierte Berichterstattung, mit der die Redaktion einen solchen Fall begleitet, zusammen. Die Reporterinnen und Reporter lassen im Podcast außerdem ihre Erfahrungen und Gedanken mit einfließen, die sie während der Recherche des Falls erlebt und gedacht haben. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge kostenlos auf den bekanntesten Podcast-Plattformen wie Spotify und Co. Mehr Infos unter: mainpost.de/podcast
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