Veitshöchheim

Garten-Tipps von Profis: Was man jetzt draußen schon tun kann

Endlich wieder in den Garten! Mag das Wetter noch so widrig sein. Die Chefin der Bayerischen Gartenakademie zeigt, wie man im Februar gut werkeln kann und was sich lohnt.
Endlich wieder gärtnern! Hier wachsen die ersten Paprikasämlinge im Topf.
Foto: Christine Scherer/Bayerische Gartenakademie | Endlich wieder gärtnern! Hier wachsen die ersten Paprikasämlinge im Topf.

Von wegen überall trist und grau! Die Gänseblümchen zeigen sich, die ersten Knospen und Blüten sprießen. Schon blühen Winterling, Schneeglöckchen und Vorfrühlings-Alpenveilchen. Und ein Duft liegt dazu in der Luft: Die cremeweißen Blüten der Winter-Heckenkirsche kitzeln zitronenartig die Nase, Chinesische Winterblüte und Winterschneebälle sind draußen zu riechen.  Wohl dem, der im Herbst nicht alles abgeschnitten hat.

Der blüht und duftet jetzt: der Winterschneeball (Viburnum bodnantense).
Foto: Christine Scherer/Bayerische Gartenakademie | Der blüht und duftet jetzt: der Winterschneeball (Viburnum bodnantense).

Zeit, ans Frühjahr zu denken! Und an die nächste Gartensaison. Angesichts von anhaltender Pandemie, Lockdown, brau-grauner Wintertristesse und bedrückender Stimmung kann es eigentlich gar nicht schnell genug gehen mit dem Herumwerkeln und Beschäftigen draußen im Garten. Was kann man im Februar schon draußen tun? Für alle, die den Frühling herbeisehnen, hat Marianne Scheu-Helgert, die Leiterin der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg), hier ein paar Tipps.

Beerensträucher richtig schneiden

"Bei trockener Witterung und die Temperaturen nicht unter minus fünf Grad liegen können Sie mit dem Rückschnitt beginnen", sagt die Gartenbauingenieurin. Hat es keinen Frost, keinen Schnee, kann man mit der Schere an Beerensträucher ran. Gerade rote Johannisbeeren beispielsweise bekämen durch einen jährlichen Schnitt "das ewige Leben", sagt Marianne Scheu-Helgert. „Doch bitte nicht unstrukturiert ein wenig an den Sträuchern herumschnippeln, das bringt nämlich gar nichts.“

Freut sich auf die nächste Gartensaison: Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim. 
Foto: Karl Josef Hildenbrand, LWG | Freut sich auf die nächste Gartensaison: Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim. 

Vielmehr sollten ganz nur drei junge, im vergangenen Jahr gewachsene, gesund aussehende und nicht allzu verzweigte Ruten stehen bleiben. Zwei oder drei der ältesten, dicken Stängel dagegen sollten dicht am Boden abgeschnitten werden, empfiehlt die Gartanakademie-Chefin. Stehen bleiben bei ihr auch die in 2019 und 2018 gewachsenen Triebe. "Ganz besonders wichtig ist der jährliche Schnitt der alten Ruten bei den Schwarzen Johannisbeeren", sagt Scheu-Helgert und kümmert sich auf diese Weise auch um die Stachelbeeren.

Bei Himbeeren ist's ein bisschen schwieriger. Da sollte der Besitzer wissen, ob er Sommer- oder Herbsthimbeeren gekauft hat, sagt Scheu-Helgert: "Ich rate ja generell eher zu Herbsthimbeeren. Bei ihnen können jetzt radikal alle Ruten ein paar Zentimeter über dem Boden abgeschnitten werden. Denn Herbsthimbeeren tragen am einjährigen Holz ihre Früchte." Wer Sommerhimbeeren im Garten hat, sollte die gut entwickelten Ruten aus dem Vorjahr stehen lassen - "weil an ihnen die Früchte wachsen". Und Brombeeren? Abwarten, sagt die Fachfrau. Brombeeren würde sie erst im April schneiden.

Obstbäume und Ziersträucher zum rechten Zeitpunkt schneiden

"Jetzt ist noch gut Zeit für einen Schnitt an Baumobst, also Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge", sagt Marianne Scheu-Helgert. Es ist sogar besser jetzt erst zu schneiden - "weil ein später Schnitt die Gehölze eher im Wachstum bremst im Vergleich zu einem frühen Schnitt schon im Dezember". Pfirsiche und Aprikosen schneide sie dann "deutlich nach der Blüte". Dafür kann man mit der Schere an Ziersträucher ran. "Forsythie schneide ich aber erst nach der Blüte. Jetzt nur einzelne Zweige für die Vase."

So macht es der Profi: Der Rebschnitt steht an.
Foto: Christine Scherer, LWG | So macht es der Profi: Der Rebschnitt steht an.

Der eigentliche Rosenschnitt steht zwar erst im März oder April an. Aber wer mag, kann jetzt dicke vergreiste Triebe von Strauchrosen, die mit Moos oder Flechten bewachsen sind, komplett oder bis auf wenige Zentimeter entfernen. "Schlafende Augen werden schon zum Austrieb angeregt."

Achtung, Gehölzschnitt: Bitte nicht zu spät!

Achtung, große Schnitteingriffe an Bäumen, Sträucher und vor allem Hecken dürfen nach dem 28. Februar nicht mehr durchgeführt werden. Dies gilt für das „auf Stock Setzen“ sowie das komplette Entfernen der Pflanzen, sagen die Profis der Landesanstalt für Gartenbau und Weinbau (LWG) in Veitshöchheim. "Das Auslichten, der fachgerechte Rückschnitt oder der Formschnittschnitt sind hingegen erlaubt." In diesem Fall solle man Hecken und Ziersträucher bis Mitte März schneiden, bevor die Vögel ihre Nester bauen. "Sie werden sonst auf der Suche nach Nistmöglichkeiten oder beim Nestbau in Hecken, Bäumen und Sträuchern gestört."

Die richtigen Pflanzen pflanzen

Ist der Boden offen, also nicht gefroren, könne man jetzt schon Sträucher, aber auch Stauden pflanzen, sagt Scheu-Helgert. "Wenns Wetter so mild bleibt ab Monatsende auch Obst- und Ziergehölzen aller Art." Über einen guten Mix freuen sich dann auch die Insekten. Der Rat von der Gartenakademie deshalb: Bei der Auswahl verstärkt zu blühenden und fruchtenden Sträuchern greifen. Die Kornelkirsche, auch Dirlitze genannt, sei für die Artenvielfalt also beispielsweise als herrlicher Frühjahrsblüher der Forsythie vorzuziehen. "Und es sollte immer mitbedacht werden, dass ganzjährig immer etwas blüht." Auch beim Blumenkauf könnten Vogel- und Insektenfreunde viel tun, wenn sie nicht zu den vollgefüllten Sorten greifen.

Bitte nur ein wenig Gartenkosmetik

Auf keinen Fall sollten Hobbygärtner jetzt schon alle verwelkten oder abgestorbenen Stauden und Gräser abschneiden. Auch für das Entfernen der Laubschicht etwa im Staudenbeet ist es jetzt noch zu früh, sagt Scheu-Helgert. Es kann noch mal richtig kalt werden, die Pflanzen müssen noch immer vor Frost und Schnee geschützt werden: "Jetzt sollte wirklich nur ein wenig Gartenkosmetik gemacht werden." Also nur abschneiden, was wirklich komplett abgeknickt ist oder gewaltig das Auge stört.

"Überall in den Pflanzen und auch im Laub überwintern Insekten, die oft auf den ersten Blick gar nicht gesehen werden", sagt die Gartenbauingenieurin. Weil sie in der Kälte kaum beweglich sind, können sich die kleinen Nützlinge vor einem Schnitt kaum retten. "Wer erst an warmen Tage im März häckselt, gibt ihnen eine Chance zur Flucht."

Rasen betreten verboten

Und Achtung, was den Boden betrifft: Gerade wer einen lehmigen Untergrund hat und Rasen, der jetzt im Winter matschig ist, sollte ihn nicht betreten, sagt Scheu-Helgert: "Wenn jetzt oft über den Rasen marschiert wird, entstehen schwere Schäden in der Bodenstruktur, die erst im Sommer sichtbar werden." Deshalb: "Rasen bitte ganz in Ruhe lassen, solange der Boden nass wie Pudding ist!" Am besten nicht einmal betreten: "Höchstens Falllaub entfernen, wenn nötig."

Frühlingsboten aus Gärtnerei und Garten

Wer Lust auf die ersten Farbtupfer hat: Beim Kauf von Primeln rät die Fachfrau zu einem Blick auf die Topfunterseite: „Spitzeln weiße Würzelchen heraus, ist das ein gutes Zeichen.“ Auch die Stelle, an der die Blätter wachsen, sollte kurz geprüft werden: Hat sich Schimmel gebildet? Die Blätter sollten saftig grün und unbeschädigt sein, sagt Scheu-Helgert. Und so hübsch die Frühlingsboten sich auch im Töpfchen in der Wohnung machen: "Wohler fühlen sie sich im frostfreien Freien."

Die Blätter von Primeln sollten beim Kauf saftig grün und unbeschädigt sein.
Foto: Getty Images | Die Blätter von Primeln sollten beim Kauf saftig grün und unbeschädigt sein.

Im Innern sollten sie zumindest einen kühlen, hellen Standort haben. "Und was sie gar nicht mögen, ist Staunässe." Auch das Wasser im Untersetzer müsse nach zehn Minuten ausgegossen werden. Scheu-Helgert rät dazu, die Primeln am besten in eine Schale mit etwas Erde vor die Haustüre oder auf den Balkon zu stellen. Bei Minusgraden müssten sie allerdings reingeholt werden. "Droht kein Frost mehr, kann man die verblühten Primeln wunderbar ins Staudenbeet pflanzen, schließlich sind sie mehrjährig."

Cinerarien mögen es hell und kühl.
Foto: Getty Images | Cinerarien mögen es hell und kühl.

Jetzt ab Februar blühen übrigens auch schon Cinerarien in ihrer ganzen fröhlichen Farbenvielfalt: An einem kühlen, hellen Standort gedeiht die Pflanze, die auch Aschenblume genannt wird, mit ihren margaritenähnlichen Blüten prächtig. Ist es zu warm, schwächeln diese einjährigen Pflanzen allerdings schnell und sind dann eine leichte Beute für Läuse. Auch Staunässe muss vermieden werden. Droht kein Frost, machen sich Cinerarien auch auf dem Balkon schön.

Einmal ordentlich durchjäten

"Ich empfehle, den Garten von vorn bis hinten mal ordentlich durchzujäten", sagt Scheu-Helgert. Aufgrund des milden Winters seien viele Arten, die vieltausendfach aussamen, fast ohne Pause durchgewachsen. "Ich weiß, Unkraut zupfen ist nicht sexy, aber wer hier seinen Garten 'sauber' hält, spart sich unendlich viel Arbeit in der Zukunft."

Die Gartenakademie-Leiterin selbst gibt im eigenen Garten die Ausbeute des Jätens dann in die Biotonne: also blühendes gemeines Kreuzkraut, Vogel-Sternmiere usw.. Ein Tipp für die Küche: "Rosetten des Behaarten Sprungkrautes lassen sich wie Kresse zum Beispiel für Kräuterquark sehr gut nutzen."

Macht keinen Sinn mehr: umgraben

Für was ist es im Garten zu spät. "Für übliches Umgraben", sagt Scheu-Helgert. Überhaupt sei es mit dem Umgraben schwierig geworden. "Es hat zwar nach wie vor Sinn, um die Frostgare  gut auszunutzen, vor allem bei schweren, lehmigen Böden." Aber man grabe im Herbst ja erst um, wenn die Böden Kühlschranktemperatur haben - "das ist jetzt im Klimawandel in Unterfranken oft erst um Weihnachten rum". Und jetzt im Februar gibt's wohl kaum noch Aussicht auf Dauerfrost, der die Böden durchfrieren lässt.

Tipp der Fachfrau: "Daher auch Gemüsebeete in Ruhe lassen, nicht betreten, außer auf den Wegen. Und dann ab März zur Aussaat nur einebnen." Wenn sie ganz verdichtet sein sollten, könne man mit der Grabgabel alle 5 bis 8 Zentimeter einstechen und lockern - "nur kurz anhebeln, nicht wenden!".

Schon mal an die Ernte denken

Und wer schon mal die nächste Ernte plant: Paprika und Chili sowie Aubergine und Artischocke haben eine lange Anzuchtdauer, deshalb kann man die Aussaat an der Fensterbank schon im Februar beginnt. Tomaten sät man erst Mitte März, Zucchini, Kürbis und Gurken noch viel später.

Für Vitamine aus eigener Zucht: Kresse in verschiedenen Entwicklungsstadien.
Foto: Marianne Scheu-Helgert/Bayerische Gartenakademie | Für Vitamine aus eigener Zucht: Kresse in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Wer Lust auf frisches Grün hat: Ganz schnell geht es mit der Aussaat von Kresse auf der Fensterbank. Nach einer Woche lassen sich die würzigen grünen Blättchen verwenden. Tipp von Marianne Scheu-Helgert: "Für ganz ungeduldige: Anzucht von Mungobohnen! Sie ergeben quasi Sojasprossen am Küchenfenster: ein Turbokultur-Salat in drei Tagen!"

"Nutzen Sie außerdem die ruhige Zeit, um in Zeitschriften, Saatgutkatalogen und Gartenbüchern zu schmökern", rät die Gartenfachfrau noch. "Machen Sie den Aussaat- und Pflanzplan für den Gemüsegarten und besorgen Sie sich das Saatgut." Am besten das ganze Gartenjahr so grob schon vorplanen: "Besonders wichtig fürs Hochbeet, wo der Platz ohnehin knapp ist."

Vogelkästen und eingemachte Reste: Für was jetzt sonst noch Zeit ist . . . 

Wer es noch nicht getan hat: Höchste Zeit ist es, die Vogelkästen zu säubern. "Mit Seifenwasser, es sind oft Rote Vogelmilben drin, die suchen jetzt schon Nistplätze", sagt Marianne Scheu-Helgert. "Und dann sollten Hobbygärtner natürlich ihre Gemüse- und Obstvorräte aus Gefriertruhe, Einmachgläser, Marmeladen zügig bis zur nächsten Ernte aufbrauchen!"

Tipps und weitere Infos der Bayerischen Gartenakademie online unter: www.lwg.bayern.de. Das Gartentelefon ist unter 0931/9801147 Montag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr erreichbar. Fragen auch per Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

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