Hausen

Gefällte Weidenbäume und Neuanpflanzung heimischer Gehölze

Bei Pflegearbeiten in der Flur hat der Bauhof der Gemeinde eine Seite des Fullenbachs in Sulzwiesen gründlich ausgeputzt. In diesem Bereich liegt ein Abwasserkanal. Das Wurzelwerk der Bäume könnte den Kanalstrang gefährden. Das Bachbett oberhalb der Quelle Schneegalle führt trotz des Entfernens der Sträucher kein Wasser.
Foto: Irene Konrad | Bei Pflegearbeiten in der Flur hat der Bauhof der Gemeinde eine Seite des Fullenbachs in Sulzwiesen gründlich ausgeputzt. In diesem Bereich liegt ein Abwasserkanal.

Einen Aufreger gab es vor zwei Jahren, im Februar 2019, in Hausen: Es ging um einen älteren Weidenbaum an einem Wassergraben, der in einem Sturm umgeknickt war. Mehrere Büsche ringsum waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie und die Weide wurden seinerzeit vom Bauhof der Gemeinde entfernt. Die Aktion geschah zwar im Zuge von Pflegemaßnahmen, die der Bauhof in den Wintermonaten regelmäßig in der Flur durchführt. Weil aber hohe Büsche entlang des landwirtschaftlichen Weges stark zurück geschnitten wurden und privat gesetzte Bäume entfernt worden sind, sprachen verärgerte Dorfbewohner seinerzeit von einem Kahlschlag.

Die Gemeinde pflanzte Ersatz. Das waren "einige Gruppen von Erlen" und "weitere Neuanpflanzungen heimischer Sträucher". So hatte es Bürgermeister Bernd Schraud damals zugesagt. Diese Pflanzen sind offensichtlich nicht angewachsen. Jetzt, nach zwei Jahren, sind sie jedenfalls nicht mehr da. Woran das lag, ist Spekulation. "Vielleicht sind sie in den heißen Sommermonaten vertrocknet", bringen einige Dorfbewohner Verständnis auf. Aber sie möchten, dass die Gemeinde für die einst gefällte Weide und die entfernten Gehölze ein zweites Mal Bäume pflanzt und sie so gut pflegt, dass sie diesmal nicht wieder eingehen.

Erneuter "Kahlschlag" entlang von Gräben und Bächen in der Flur

Unabhängig davon wird in Hausen auch in diesem Winter ein "Kahlschlag" entlang von Gräben und Bächen in der Flur angeprangert. Im Zuge der Pflegemaßnahmen haben die Bauhofmitarbeiter am Erbshausener Bach vor kurzem eine in die Breite gewachsene Kopfweide entfernt.

Ein bunter Stab markiert die Quelle Schneegalle am Fullenbach in Sulzwiesen. Bei Pflegearbeiten entlang des Bachlaufes hat der Bauhof die Sandsteinstufen um die Quelle entfernt. Die neue Einfassung der Quelle hat die Gemeinde bereits in Auftrag gegeben.
Foto: Irene Konrad | Ein bunter Stab markiert die Quelle Schneegalle am Fullenbach in Sulzwiesen. Bei Pflegearbeiten entlang des Bachlaufes hat der Bauhof die Sandsteinstufen um die Quelle entfernt.

Jahrelang habe es mit den betroffenen Grundstückseigentümern entlang des Feldweges Diskussionen um die Weiden gegeben, sagt Bürgermeister Schraud dazu. Die in den 90-er Jahren gepflanzten Weiden seien schnell gewachsen und "waren nach ihrem regelmäßigen Rückschnitten immer wieder in die Ackerflächen gewachsen".

Standort am Erbshausener Bach nicht für Weiden geeignt

"Mir und auch unserem Bauhofleiter Stefan Ziegler ist es bewusst, dass Weiden für Insekten und Vögel besonders im Frühjahr wichtige Nahrungslieferanten sind", hat der Bürgermeister Verständnis für die Reaktionen entsetzter Bürgerinnen und Bürger. Der Standort am Erbshausener Bach sei jedoch aufgrund des schmalen Grabens nicht für Weiden geeignet.

Auch hier will die Gemeinde heimische und für Bachläufe typische Gehölze neu setzen. Sie sollen mit ihrer Krone vor allem in die Höhe wachsen. Dazu zählen Pappeln, Ulmen oder Erlen. Kopfweiden könnten laut Bürgermeister Schraud "nur dort stehen bleiben, wo ausreichend Platz ist oder die anliegenden Grundstückseigentümer den schnellen Wuchs akzeptieren".

Am Wassergraben in Hausen beim früheren Wasserhaus sollen Ersatzpflanzungen für entfernte Gehölze gemacht werden.
Foto: Irene Konrad | Am Wassergraben in Hausen beim früheren Wasserhaus sollen Ersatzpflanzungen für entfernte Gehölze gemacht werden.

An einem weiteren Bach, dem Fullenbach in Sulzwiesen, entfernte der Bauhof ebenfalls Bäume und Büsche. Sie waren zum Teil in die Sole des Bachlaufes hinein gewachsen und hätten die Drainagen eines benachbarten Ackers verstopft. Der Ablauf des Baches sollte grundsätzlich gesichert werden. Die Maßnahme war mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen.

Wurzelwerk der Bäume kann für Abwasserkanal gefährlich werden

Der Bauhof der Gemeinde habe aber nicht "alle Bäume auf der einen Bachseite entfernt". Diese Pauschalierung bestimmter Dorfbewohner sei "schlicht und einfach falsch", so der Bürgermeister. Das Wurzelwerk der Bäume sei für einen Abwasserkanal gefährlich geworden. Dieser Kanal verläuft am Bach entlang von Erbshausen bis zur Kläranlage in Unterpleichfeld. Die Gemeinde musste handeln.

Bernhard Ringelmann vom Aussiedlerhof in der Nähe des Fullenbachs kann die Abholzung dennoch nicht nachvollziehen. Das Wasser im Bach fließe weiterhin sehr spärlich und aus den wohl mit Erde verstopften Drainagerohren komme nicht einmal jetzt im Winter bei der Schneeschmelze Wasser. Ihn ärgert es besonders, dass die Bauhofmitarbeiter bei ihren Pflegearbeiten die Befestigung der Quelle Schneegalle schwer beschädigten.

Quellenbefestigung am Fullenbach soll wieder in Stand gesetzt werden

"Die Gemeinde wird diese Quellenbefestigung am Fullenbach wieder in Stand setzen lassen", sichert Bürgermeister Schraud zu. Der Auftrag zur Wiederherstellung sei bereits an eine Firma weiter gegeben, aber aus Termingründen noch nicht ausgeführt worden. Bisher führten ein paar Stufen aus Sandstein hinunter zur eingefassten Quelle auf öffentlichem Grund.

Dass sich Bürgerinnen und Bürger in Privatinitiative um die Natur kümmern, Biotope anlegen und Bäume pflanzen begrüßt das Ortsoberhaupt ausdrücklich. Auch, dass sie sich für die Natur ringsum interessieren, achtsam sind und bei ihm rückfragen. Bürgermeister Schraud bittet jedoch um Verständnis und darum, dass Bäume auf öffentlichem Grund nur in Absprache mit der Gemeinde gepflanzt werden.

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