Gelchsheim

Gelchsheim: Roland Nöth will sich von den Bürgern leiten lassen

Ohne je dem Gemeinderat angehört zu haben, ist Roland Nöth zum Gelchsheimer Bürgermeister gewählt worden. Ist diese Unerfahrenheit vielleicht sogar ein Vorteil?
Der Gelchsheimer Bürgermeister Roland Nöth vor seinem schmucken Rathaus. 
Foto: Gerhard Meißner | Der Gelchsheimer Bürgermeister Roland Nöth vor seinem schmucken Rathaus. 

"Für mich ist dieses Amt wie geschaffen", sagt Roland Nöth, nachdem er ein knappes halbes Jahr Bürgermeister in Gelchsheim ist . "Interessant, abwechslungsreich, ständig neue Herausforderungen und der Umgang mit den Bürgern" – das liege ihm. Am 1. Mai, seinem 48. Geburtstag, hat Roland Nöth das Amt mit dem Ziel angetreten, seine Heimatgemeinde als lebens- und wohnenswerten Ort zu erhalten und im Lauf der Zeit vielleicht den einen oder anderen Neubürger hinzu zu gewinnen.

Die Vorzeichen dafür stünden nicht schlecht, sagt Nöth. Gerade in jüngster Zeit erkundigten sich immer wieder Bauwillige von auswärts im Rathaus nach freien Bauplätzen und verkäuflichen Anwesen. Manche seien während einer Tour auf dem Gaubahnradweg auf Gelchsheim aufmerksam geworden, das sich dank der Dorferneuerung unter seinen Vorgängern herausgeputzt hat. Wohnungsknappheit und steigende Mieten in den Städten könnten ein Vorteil für ländliche Gemeinden sein, hofft Nöth. "Der Trend ist vorhanden, aus den Ballungsgebieten wieder in die ruhigeren Gefilde zu gehen." Im Moment zählt Gelchsheim knapp 1050 Einwohner, davon 145 in Oellingen und 73 in Osthausen.

"Es wäre der völlig falsche Weg, Baugebiete zu entwickeln, ohne den Ortskern zu entwickeln."
Roland Nöth, Bürgermeister von Gelchsheim

Zwei Baugebiete hat die Gemeinde zurzeit in Planung, eines am alten Sportplatz, ein zweites im Ortsteil Oellingen. Und auch für den kleinsten Ortsteil Osthausen denke man über eine Lösung nach. Ein Allheilmittel seien Bauplätze aber nicht. "Es wäre der völlig falsche Weg, Baugebiete zu entwickeln, ohne den Ortskern zu entwickeln", sagt der Bürgermeister. Nur mit einer lebendigen Dorfmitte könne ein Dorf insgesamt lebendig bleiben.

Von den Anliegen der Bürger leiten lassen

Vor seiner Wahl war Roland Nöth als Vorsitzender des Bürgervereins unter anderem als Betreiber der Gelchsheimer Deutschherrnhalle tätig und wisse deshalb, was die Gelchsheimer bewege. Dem Gemeinderat gehörte er nicht an. Angetreten ist Nöth deshalb mit dem Vorsatz, sich von den Bürgern und ihren Vorschlägen leiten zu lassen. "Mein Wunsch war es, schnell Bürgergespräche zu machen und die Leute mit ihren Anliegen abzuholen", sagt er. "Das war natürlich wegen Corona hinfällig, soll aber nachgeholt werden." Doch auch das habe eine gute Seite. Während des Lockdowns habe er sich ungestört in seine neue Aufgabe einarbeiten können. 

Dass ihm die kommunalpolitische Erfahrung fehlt, sei dabei kein Nachteil, meint er. Als versierter Netzwerker habe er bei Behörden schnell Gehör gefunden und enge Verbindungen zu seinen Bürgermeisterkollegen in den Nachbargemeinden aufgebaut. Dass einige von ihnen ebenfalls neu im Amt sind, begreift Roland Nöth sogar als Vorteil. "Man muss heute über den Kirchturm hinaus denken", sagt er, und dieses Denken sei bei jungen Kollegen besser verhaftet. Vor allem die drei Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Aub verstünden sich als Team. "Gemeinschaft funktioniert nur, wenn man auch Gemeinschaft denkt."

"Man muss heute über den Kirchturm hinaus denken."
Roland Nöth, Bürgermeister von Gelchsheim

Dieses gemeinsame Denken wünscht sich Roland Nöth auch für die Dorfgemeinschaft. Dass er damit in Gelchsheim bereits gut bestellt ist, zeige das hohe ehrenamtliche Engagement. Bestes Beispiel sei das Freibad, das mit hohem ehrenamtlichen Einsatz saniert wurde und betrieben wird. "Die Bürger sind sehr offen, wenn es um das Ehrenamt geht, und wir müssen dafür sorgen, dass es so bleibt."

Mit Hilfe des Internets Versorgungslücken schließen

Die nächste große Aufgabe, die Roland Nöth und seinen Gemeinderat beschäftigen wird, ist bereits fest umrissen: Das Rathaus aus dem Jahr 1666, das mit seinem Fachwerk-Erker das Ortsbild prägt, und in dem früher der deutschherrische Schultheiß residierte, muss restauriert werden. Außerdem möchte Roland Nöth die Digitalisierung voranbringen und dabei vor allem die ältere Bevölkerung  mit ins Boot holen. Nachdem es inzwischen keine Bank und keinen Laden mehr gebe, könne das Internet dabei helfen, Versorgungslücken zu schließen.

Und dann wäre da noch sein Wunsch, der als lang gezogenes Straßendorf angelegten Gemeinde eine neue Dorfmitte, einen Treffpunkt, zu geben. Das alte Bahnhofsgebäude erscheint ihm dafür geeignet. Auch deshalb, weil es vielleicht den einen oder anderen Radler auf dem vorbei führenden Gaubahnradweg neugierig macht auf das schmucke Dorf im Ochsenfurter Gau.

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