Estenfeld

Gemeindetag: Eine Frau führt jetzt die Bürgermeister an

Der Kreisverband des Gemeindetags hat seit Dienstag eine neue Vorsitzende.  Außer Wahlen gab es auch Freibier und eine Blaskapelle. Und kritische Worte.
Übergabe des Staffelstabes per Ellbogen: Landrat Thomas Eberth beglückwünscht Andrea Rothenbucher, die neue Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetages.
Foto: Jörg Rieger | Übergabe des Staffelstabes per Ellbogen: Landrat Thomas Eberth beglückwünscht Andrea Rothenbucher, die neue Kreisvorsitzende des Bayerischen Gemeindetages.

Es war das erste Aufeinandertreffen der alten und neuen Bürgermeister im Landkreis Würzburg: Am Dienstagnachmittag kam der hiesige Kreisverband des Bayerischen Gemeindetages in der Estenfelder Weißen Mühle zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. In diesem Zuge wählten die Vertreter eine neue Vorsitzende: Die Hettstadter Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher (parteilos) folgt auf Thomas Eberth (CSU), der als Landrat satzungsgemäß aus dem Amt ausschied.

In seiner Abschlussrede nannte Eberth zahlreiche Themen, die der Kreisverband in den letzten sechs Jahren behandelt hatte. Als "eine Sternstunde" bezeichnete Eberth dabei den Flüchtlingspakt, der bayernweit Beachtung gefunden hätte. "Die Verteilung war nicht unbedingt perfekt gelöst. Doch wir haben den Ausgleich zwischen den Gemeinden gut hinbekommen", erklärte der scheidende Vorsitzende.

"Am Ende muss das jemand bezahlen"
Andreas Gaß - Bayerischer Gemeindetag

Viele dieser Themen sind durch die Corona-Krise in den Hintergrund geraten. Nun sprach Eberth bereits als neuer Landrat, in dessen Amt er tags zuvor an gleicher Stelle vereidigt worden war. "Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden sich schnell bemerkbar machen", unterstrich Eberth und bot an: "Wenn’s kritisch wird, dann müssen wir schnell miteinander reden." Der Landkreis sei bereit, mit Liquidität auszuhelfen.

Gastredner Andreas Gaß, der beim Bayerischen Gemeindetag in München für Kommunalrecht und kommunales Wirtschaftsrecht zuständig ist, bezeichnete Corona später als "Stimmungskiller", ging aber dennoch wie gewünscht darauf ein. "Die steigende Staatsverschuldung treibt uns die Sorgenfalten auf die Stirn. Am Ende muss das jemand bezahlen", erklärte Gaß, der davon ausgeht, dass es heuer nicht wieder einen kommunalen Finanzausgleich in einer Größenordnung von zehn Milliarden Euro geben werden könne. Umso wichtiger sei ein kommunaler Rettungsschirm.

Das kleinste Mitglied ist die Ortschaft Chiemsee mit 211 Einwohnern

Vorher hatte der gebürtige Bad Neustädter den Bürgermeistern die Vorzüge seines Hauses als Informationsplattform, Fortbildungswerkstatt und Sprachrohr nahegebracht. "Wir brauchen unsere Kreisverbände, um unsere Belange in den Landtag, aber auch in Richtung Bund und EU zu bringen. Dann haben wir auch ein gutes Standing", sagte Gaß. So gut wie alle der mehr als 2000 bayerischen Kommunen sind Mitglied im Gemeindetag. Das kleinste Mitglied ist die Ortschaft Chiemsee mit 211 Einwohnern, das größte Neu-Ulm mit 58 707. "Das macht unsere Durchschlagskraft aus, auch wenn Kompromisse manchmal schwierig sind."

Nach der einstimmigen Entlastung des Kreisvorstands ging es an die Neuwahl

Nach der einstimmigen Entlastung des Kreisvorstands ging es an die Neuwahl. Einziger Vorschlag für den ersten Vorsitz war Andrea Rothenbucher. Die Hettstadter Bürgermeisterin wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt – genau wie ihr neuer Stellvertreter, der Reichenberger Bürgermeister Stefan Hemmerich (SPD), und die restlichen Vorstandsmitglieder. In den regionalen Planungsverband – der Zusammenschluss mit der Stadt Würzburg sowie den Landkreisen Kitzingen und Main-Spessart – wurden folgende Ortsvorsteher berufen: Alexander Knahn (Vertreter: Tobias Klembt), Konrad Schlier (Vertreter: Bernhard Weidner), Hermann Gabel (Vertreter: Edwin Fries) und Birgit Börger (Vertreter: Martina Rottmann).

Zum Abschluss verabschiedeten die Bürgermeister noch ihren Altlandrat Eberhard Nuß – mit Pauken und Trompeten. Eberth hatte zwei Fässer Bier sowie eine Blaskapelle in die Mehrzweckhalle kommen lassen. Nuß durfte das Fass anstechen und den Gerstensaft an die Bürgermeister verteilen.

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