WÜRZBURG

Gesundes Kneippen, aber: Wasser hilft nicht gegen Dummheit

Kaltes Wasser ist immer ein Wohltat für Gelenke und für die Durchblutung. Hier das kleine Becken im Kallergarten.
Foto: FOTO theresa Müller | Kaltes Wasser ist immer ein Wohltat für Gelenke und für die Durchblutung. Hier das kleine Becken im Kallergarten.

„Das Wasser hat große Wirkungen (. . .), aber wenn der Mensch nicht will, dann ist alles aus, gegen Dummheit kämpfen Götter und Wasserströme vergebens.“ Ein Satz vom altehrwürdigen Gesundheitspapst Sebastian Kneipp. Sein Name, der einmal eng mit Würzburg verbunden war, wurde in dieser Stadt nicht hoch gehalten. Es gibt zwar einen nach ihm benannten Steg und eine Büste. Seine weltweit anerkannten Methoden wie das Wasser-Kneippen werden nur noch in einer kleinen Grünanlage, dem Kallergarten auf der Frankenwarte, angewandt.

Während überall wieder kleine Kneipp-Anlagen entstehen, wie zuletzt am Main in Veitshöchheim, gibt es in Würzburg kaum Ambitionen, die Tradition Kneipp zu pflegen. Das frühere Kneipp-Paradies schlechthin, hinter dem Kneipp-Firmensitz im Steinbachtal, ist verwildert und vergammelt und braucht nicht mehr auf eine Auferstehung hoffen.

Die letzte Kneipp-Bastion ist nicht sehr weit entfernt im Steinbachtal am Johannisweg oberhalb der Hubertusschlucht – eine eingezäunte Oase mit

einem kleinen Wasser-Tretbecken, einer Unterstellhütte und einer gepflegten Wiese. Eigentümer ist der Verschönerungsverein. Der konnte aber die Pflege nicht mehr garantieren, weshalb das städtische Gartenamt eingesprungen ist. Der Name Kallergarten erinnert an Albrecht Kaller, einen städtischen Gärtner, der sich hier verdient gemacht hat.

„Das Gartenamt macht das wirklich gut“, sagt Walter Pfetscher. Er ist Nachbar am Kallergarten und liefert das Wasser für die kleine Kneipp-Anlage. Meistens sind es ältere Menschen, die die Anlage nutzen. Es gibt aber auch Familien mit Kindern, die in den kleinen Garten kommen.

Gartenamts-Chef Dieter Müller sagt, es sei eine Gruppe von 20 bis 50 Leuten, die hier regelmäßig Wasser tritt. Eine Kneipp-Anlage wie im Steinbachtal zu unterhalten, sei nicht denkbar, so hatte er schon vor Jahren erklärt, zumal dort nicht nur die Grünpflege, sondern auch der technische Unterhalt ungleich größer wäre.

Die Kneipp-Anlage hinter dem Kneipp-Zentrum im Steinbachtal war Jahrzehnte lang ein Mekka der Kneippianer. Als die Firma Kneipp sich als Mäzen zurückzog, ging es bergab. Der Würzburger Kneipp-Verein, der heute vorwiegend aus älteren Mitgliedern besteht, konnte die Anlage nicht selbst erhalten.

In Vergessenheit gerät damit auch immer mehr die Beziehung von Sebastian Anton Kneipp zu Würzburg. Der Priester, Naturheil-Philosoph und Erfinder des Wassertretens stammt zwar aus Bad Wörishofen, doch sein weltweiter Ruf wurde durch den Würzburger Apotheker Leonhard Oberhäuser begründet, der mit dem legendären Kräuterpfarrer befreundet war. Oberhäuser gründete 1891 in Würzburg die Kneipp-Werke. Seine Tochter Gisela war die Mutter von Luitpold Leusser, der nach dem Krieg Kneipp erfolgreich machte.

Heute gehören die Werke zur Stuttgarter Paul Hartmann-AG. Die Kneipp-Zentrale ist weiter der Stammsitz Steinbachtal; produziert wird unter anderem im Ochsenfurter Stadtteil Hohestadt.

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