Glosse

Glosse: Wie die Bierflasche zum Nussknacker mutiert

Plötzlich über einen Haufen Walnüsse zu verfügen, ist nur die halbe Miete. Man muss auch irgendwie an die Kerne kommen. Genau da fangen die Probleme an.
Walnüsse sind ziemlich lecker, aber leider schwer zu knacken. Vor allem, wenn kein Nussknacker zur Hand ist.
Foto: Patrick Seeger, dpa | Walnüsse sind ziemlich lecker, aber leider schwer zu knacken. Vor allem, wenn kein Nussknacker zur Hand ist.

Wie schön: Die Kollegin hat eine halbe Wagenladung Walnüsse und Zwetschgen mit ins Büro gebracht. Während sich die Zwetschgen ohne Umstände verzehren lassen, zeigt sich bei den Walnüssen ein gröberes Problem: Niemand in unserer Ochsenfurter Redaktionsstube verfügt über einen Nussknacker. Also startet augenblicklich der innovative Workshop "Zweckentfremdung im Büroalltag".

Als erstes wird der Tacker einem Praxistest unterworfen. Vorgehensweise: Mit der relativ stabilen Unterseite des Tackers auf die Walnuss eindreschen. Die weniger widerstandsfähigen Nüsse geben auf, andere halten der Attacke aber stand. Etwas Härteres muss her. In der Küche steht eine leere Bierflasche. Damit lassen sich die Nüsse ganz gut knacken. Allerdings macht es keinen guten Eindruck, wenn Redakteure grimmigen Blicks an ihren Schreibtischen hocken und mit Bierflaschen auf Walnüsse einprügeln, dass die Schalen nur so fliegen (Anmerkung der Redaktion: Bei der Bierflasche handelte es sich um ein Geschenk; wir horten bei uns keine Alkoholvorräte).

Man könnte die Nüsse auch überfahren

Deutlich besser fürs Renommee ist dennoch die Verwendung einer leeren Limonadenflasche, mit der bei vergleichbarer Anwendungsweise identische Ergebnisse erzielt werden. Nicht bewährt hat sich hingegen die Verwendung einer Plastik-Wasserflasche, und zwar unabhängig vom Füllstand. Leider kann die Flaschenboden-Dreschtechnik unangenehme Folgen für den Schreibtisch zeitigen, weshalb sich eine Unterlage aus Papier empfiehlt.

Zur Schonung der Schreibtische wurden im Zweckentfremdungs-Workshop deswegen weitere Methoden zum Nüsseknacken erörtert. Erörtert, wohlgemerkt, nicht ausprobiert. Denn die Erfolgsaussichten schienen von vornherein zweifelhaft. Idee Nummer eins: Die Walnüsse mit dem Bürostuhl überfahren. Gibt erstens eine Riesen-Sauerei auf dem Teppichboden und beeinträchtigt durch die zu erwartenden Schalenreste vermutlich die Funktionstüchtigkeit der Rollen. Vorausgesetzt, man trifft die vor den Rollen platzierten Nüsse überhaupt auf Anhieb.

Von der Aasgeier-Methode wird abgeraten

Idee Nummer zwei: die Aasgeier-Methode. Man wirft die Nüsse aus dem Fenster und erhofft sich vom plötzlichen Kontakt mit dem Straßenpflaster ein Aufplatzen der Nussschalen (abgeguckt beim Bartgeier, der die Knochen toter Tiere in große Höhen trägt und von dort aus auf Felsen fallen lässt, damit er die Bruchstücke besser vertilgen kann). Für uns in der Ochsenfurter Altstadt leider keine praktikable Lösung. Erstens macht man sich durch das Nuss-Bombardement keine Freunde unter den Passanten, zweitens werden die Tauben die Nusskerne entwendet haben, bis wir die drei Stockwerke nach unten gespurtet sind.

Die unaufgeregteste Variante besteht schlicht und ergreifend in Geduld. Man nehme sich ein Beutelchen mit Walnüssen mit nach Hause, bringe den dort in der Küchenschublade lagernden Nussknacker zum Einsatz und vertilge die Nüsse in aller Ruhe.

Glosse: Wie die Bierflasche zum Nussknacker mutiert
Foto: Käuzle
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