Kürnach

Glückwunsch!: Kürnachs Ehrenbürgerin feiert 85. Geburtstag

Christine Demel
Foto: Gemeinde | Christine Demel

Wenn Christine Demel die aktuellen Berichte über Flüchtlinge liest und sieht, werden in ihr Erinnerungen wach. Erinnerungen an das Jahr 1946, als sie, ihre Geschwister und die Mutter „ganz unten waren, auf der Straße standen und nichts hatten“, wie sie sagt. Vertrieben nach dem Krieg aus dem Sudetenland, „hatte die Mutter Angst, dass wir verhungern würden auf der Reise“ – aber dann standen in Bad Königshofen im Grabfeld Menschen am Bahnsteig, „die uns Semmeln mit Butter und Wurst gegeben haben“. Der Glaube ans Gute kehrte zurück in Christine Demel, und gerade weil sich die Erinnerungen an die Tage auf der Straße so eingebrannt haben in ihr Gedächtnis, sagt sie heute: „In der Flüchtlingsdebatte bin ich eher auf der Seite von Angela Merkel als auf der von Horst Seehofer.“ Will heißen: Willkommen statt abgrenzen. „Es wird ein langsamer Prozess werden, aber Deutschland wird die Menschen integrieren können.“ So wie sie sich integriert hat damals in Kürnach, wo die ehemalige Rektorin seit über einem halben Jahrhundert lebt und wo sie an diesem Donnerstag, 1. Oktober, ihren 85. Geburtstag feiert.

Das Dorf, sagt sie, sei ihr zu einer zweiten Heimat geworden, und zum Dank, so kann man es sehen, hat sie dem Dorf seine Geschichte bewahrt. „Ohne Christine Demel wäre Kürnach nicht Kürnach“, sagt Bürgermeister Thomas Eberth. Die Jubilarin schrieb zwei Chroniken über das Dorf, ist Autorin zahlreicher weiterer Werke, war Rektorin, Forscherin und ist überzeugte Europäerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Zudem war die Mutter von vier Kindern, ihr Mann starb 1984 nach langer Krankheit, Mitbegründerin der Künstlergruppe „Steckenpferdreiter“. Zu ihrem 80. Geburtstag stiftete sie Kürnach ein Patriarchenkreuz am Haflersweg, und so ehrt die Gemeinde seine Ehrenbürgerin heute mit einem großen Empfang. Eberth lobt das Engagement von Demel: „Zahlreiche Veröffentlichungen, Ortstafeln, Kunstwerke, Trachten, das Ortswappen, das Tonrelief im Sitzungssaal der Gemeinde oder die Malereinen in der Höllberghalle gehen auf ihre Aktivität zurück.“ Auch Würzburg ist der detailverliebten Pädagogin lieb geworden, zwischen 1984 und 1998 war Demel als Dozentin im Bereich Kunstpädagogik an der Universität tätig.

In Kürnach begann sie 1961 als Lehrerin an der Grundschule, 1981 wurde sie Rektorin, und in einem offenen Brief an ihre Kürnacher schrieb Christine Demel zu ihrem runden Geburtstag, dass sie sich bedanke für „für ein Lächeln“, das sie oft bekomme, wenn sie ehemaligen Schülerinnen und Schülern begegnet.

Seit 1995 genießt Christine Demel ihren Ruhestand und den Garten, den sie „mein kleines Paradies“ nennt. Fleißig aber ist sie geblieben, widmet sich der Geschichte und den Geschichten, zuletzt verstärkt rund um das Sudetenland. „Seine erste Heimat kann man unmöglich vergessen“, sagt sie, „die Gerüche, den Geschmack der Speisen und die ersten Schritte eines Kindes, das die Welt erobern möchte, das alles kommt immer wieder hoch.“ Dreimal ist sie dort gewesen im Saazer Hopfenland, aus dem sie und ihre Familie einst vertrieben worden waren. Die Wunden, sie heilen. Und dass das so ist, daran hat Kürnach einen großen Anteil: „Hier wurde ich von den Menschen angenommen.“ ach/Foto: gemeinde

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