Aub

Goldenes Lamm in Aub: Warum die Wirte nach 30 Jahren aufhören

Das Goldenes Lamm in Aub sucht einen Eigentümer, weil es für die Wirte nach 30 Jahren Zeit ist das Geschäft abzugeben. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.
Der Gasthof Goldenes Lamm in Aub soll nach 30 Jahren verkauft werden. 
Foto: Alfred Gehring | Der Gasthof Goldenes Lamm in Aub soll nach 30 Jahren verkauft werden. 

Vor dreißig Jahren haben Christa und Bernd Gottschlich in Aub das Gasthaus "Goldenes Lamm" übernommen, am 1. Mai 1990 haben sie den Gasthof nach der Renovierung wieder eröffnet. In diesen Tagen könnten sie Jubiläum feiern – wenn da nicht das Virus und der damit verbundene Shutdown wäre.

Nach drei Jahrzehnten findet es das Gastwirtsehepaar aber auch an der Zeit, den Gasthof in jüngere Hände weiterzugeben, Zeit für einen Generationswechsel. Der Gasthof steht deshalb zum Verkauf. Eine aussichtsreiche Übernahme durch einen Interessenten ist an der aktuellen Situation, an der derzeitigen Zwangsschließung und der pessimistischen Zukunftsaussicht gescheitert. Dabei hatte der Notar den Vertrag bereits ausgearbeitet, als der Interessent doch noch absagte.

Renovierungsarbeiten wie vor 30 Jahren

"Es ist schon eine unglückliche Zeit für die Übergabe", stellte Bernd Gottschlich fest: "Dann machen wir eben weiter und renovieren." Wieder einmal geht es also ans Renovieren, wie damals, vor dreißig Jahren.

"Es ist schon eine unglückliche Zeit für die Übergabe. Dann machen wir eben weiter und renovieren."
Bernd Gottschlich, Inhaber des Goldenen Lamm in Aub

Die Arbeiten damals standen unter Zeitdruck, es sollte ja eröffnet werden. Als die ersten Übernachtungsgäste einzogen, mussten er selbst noch mit Hand anlegen und die Zimmer teilweise selbst noch putzen, erinnert sich Bernd Gottschlich.

Christa und Bernd Gottschlich in ihrer Gaststätte in Aub:
Foto: Alfred Gehring | Christa und Bernd Gottschlich in ihrer Gaststätte in Aub:

In den dreißig Jahren haben sie stets versucht, für die Stadt Aub zu wirken, die Stadtteile zusammenzuführen, das Städtchen attraktiv mit zu gestalten und Aub in der großen Welt eine Position zu geben. Ein Stück weit sehen sie das als gelungen, denn ihre Gäste kamen teilweise von weit her nach Aub. Stammgäste aus Holland, Skandinavien und sogar aus Amerika kamen, lernten Franken kennen und kommen teilweise noch immer regelmäßig.

Buchungen vor Corona erneut gestiegen

Eine wichtige wirtschaftliche Säule des Hauses ist von Anfang an der Beherbergungsbetrieb. Die Gäste loben den familiären Umgang im Hause und genießen die historische Umgebung, den Flair des Hauses. Auch in diesem Jahr war das Haus sehr gefragt, die Zahl der Buchungen war erneut gestiegen, bevor sich das Virus auf der ganzen Welt ausbreitete. "Wir werden jetzt also selbst weitermachen, nach dem gescheiterten Verkauf", blickt Bernd Gottschlich in die Zukunft.

Die aktuelle zwangsläufige Schließung erleben die Gottschlichs als Zeit als Entschleunigung, eine Zeit zum Ausräumen und Entrümpeln. Schließlich haben beide ihren 70. Geburtstag bereits hinter sich. Auch sind sie weiter darum bemüht, einen Käufer für das Anwesen zu finden. Den würden sie sogar noch eine Zeit lang mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eines ist aber sicher: "Abgegeben wird das Haus nur in verantwortungsbewusste Hände."

Seit 1493, seit nunmehr 527 Jahren werden hier Gäste bewirtet, finden Reisende Unterkunft für die Nacht. Unter Philipp von Weinsberg, Sohn von Konrad IX von Weinsberg, wurde damals der Gasthof als Gästehaus für den Amtssitz erbaut. Damals "wurde die reale Bierbrauerei und taferngerechtsame Schenkstatt zum Lam in Aub errichtet",
Im Jahr 1521 ging der Besitz, nachdem die Manneslinie der Weinsberger ausgestorben war, für 48.300 Gulden an den Fürstbischof von Würzburg über. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Gaststätte immer wieder den "Possesor", also den Besitzer. Im Jahr 1822 ging der Besitz für 3.866 Gulden an Joseph Lochner über. Die Familie Lochner ist heute noch in Aub ansässig.
Im Jahr 1881 erwarb mit Dr. Anton Hülzberger ein Arzt das Anwesen. Im ersten Stock des Hauses richtete sich dieser eine Arztpraxis ein. Im Jahr 1907 ging das Anwesen für 39.000 Reichsmark an Leonhard Bauer, einen Flaschenbierhändler aus Frankfurt am Main. Damals galt das Goldene Lamm als führendes Gasthaus der Region.
Im Jahr 1938 kamen Friedrich Heppel und Karolina Wellhöfer das Goldene Lamm, die die Gaststätte Jahrzehnte lang betrieben. Im Dezember 1989 schließlich wurden die derzeitigen Besitzer, Christa und Bernd Gottschlich, Eigentümer des Hauses. Nach umfangreicher Renovierung wurde die Gaststätte zum 1. Mai 1990 wiedereröffnet.
Das seltene Jubiläum, das 500-jährige Bestehen des Gasthofes, feierte die Wirtsfamilie Gottschlich mit ihren vier Kindern und ihren Gästen im Jahr 1993.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Aub
Alfred Gehring
Denkmalschutz
Familien
Gaststätten und Restaurants
Häuser
Indianer
Kinder und Jugendliche
Ortsteil
Söhne
Traditionen
Weinberge
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (2)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!