Würzburg

Grabungen am Franziskanerkloster: Glücksfall für Archäologen

Ausgrabungen im Franziskanerkloster       -  Bei den Ausgrabungen im Hof des Franziskaner-Klosters wurden zahlreiche sehr gut erhaltene Keramiken gefunden.
Foto: Daniel Peter | Bei den Ausgrabungen im Hof des Franziskaner-Klosters wurden zahlreiche sehr gut erhaltene Keramiken gefunden.

Würzburgs alte Gemäuer interessieren die Leute. Beim Tag des offenen Denkmals waren einige Hundert Einheimische und Touristen auf den Beinen, um „Macht und Pracht“ - so lautete diesmal das Motto - der alten Stadt sehen. Manchem und manchmal war das Interesse zu groß. So berichteten beispielsweise Teilnehmer der Führung durch den Hofgarten, die Stimmgewalt des Biologen Joachim Raftopoulo habe nicht gereicht, um alle Wissbegierige zu erreichen.

Das Publikum besuchte Würzburger Machtzentren - Kirchen, Justizpalast und Rathaus, beschaute und erahnte frühere Prachtentfaltung - unter anderem standen Neubau- und Hofstraße auf dem Programm, die sind gar nicht mehr prächtig - und beschäftigte sich mit Auswüchsen der Macht: der sogenannten Hexenverfolgung.

Am tiefsten in die Stadtgeschichte hinein führte der Archäologe Frank Feuerhahn im Kloster der Franziskaner-Minoriten, der „minderen Brüder“. Das, gelegen zwischen Neubaustraße und Franziskanerplatz, Schönthalstraße und Franziskanergasse, gibt ein beträchtliches Stück seines Klostergartens und seinen Parkplatz her, damit das benachbarte Hotel Rebstock sich erweitern kann. Das Kloster, eines von 19 in der Stadt, steht nach über 760 Jahren vor einer Zäsur.

Gründe sind die stetig abnehmende Zahl der Brüder und die Sicherung des Kloster-Unterhalts. Mit der monatlichen Pacht, die das Rebstock im Rahmen eines Erbpacht-Vertrages zahlt, finanziert das Kloster den Erhalt seiner Gebäude.

Keramiken im Topzustand

Für die Archäologen, sagt der Grabungsleiter Frank Feuerhahn, ist es ein Glücksfall, dass da, wo das Rebstock ab November baut, jahrhundertelang nichts passiert ist. Die Grabungsfirma, die hier, bezahlt vom Hotel, zugange ist, gräbt sich bis zu drei Meter tief in die Frühzeit der Stadtgeschichte. Dass sie so tief gräbt, hat viel mit dem Main zu tun. Die alten Würzburger hatten die Stadt nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe wachsen lassen, um sich vor seinem Hochwasser zu schützen.

Würzburgs Macht und Pracht waren katholisch, die Stadt war Zentrum eines geistlichen Staats mit dem Bischof als weltlichem Oberhaupt. Hermann von Lobdeburg, der 37. Bischof von Würzburg (Friedhelm Hofmann, der aktuelle, ist der 88.) hatte den Franziskanern keine Brache vermacht, damit sie ab 1249 ihr Kloster darauf setzen.

Die Grabungen brachten laut Feuerhahn zutage, dass hier, an der Kante Neubaustraße/Franziskanergasse, ab 1100 Bürgerhäuser standen. Sie wurden abgerissen, die Steine für den Klosterbau verwendet. Zum Teil sind aber Mauern stehen geblieben; die Archäologen fanden bis zu 1,70 Meter hohe im Erdreich. Die Konturen der Häuser können sie an Farbschichten erkennen. Mörtel etwa, meist der letzte Rest, der vom alten Gemäuer übrig ist, ist blau.

Offenbar mochten die Brüder das Geschirr aus den Bürgerhäusern nicht. Anders ist nicht zu erklären, warum sie Keramiken im Topzustand in einer Grube entsorgten. Eine „absolute Ausnahme“ sei das, berichtete Feuerhahn, 15 vollständige Gefäße hätten die Archäologen geboren, Unmengen von Scherben dazu.

Grabungsfunde werden geteilt

Aber die Funde aus den frühen Bürgerhäusern sind nicht die ältesten. Vorher schon standen hier laut Feuerhahn Holzhäuser. Da war die Neubaustraße Stadtrand. Wo heute die Bäume stehen, stand im Jahr 1000 die Stadtmauer, davor war ein Graben gezogen. Würzburg hatte damals die Gestalt eines Bischofshutes. Die Grenze verlief entlang der heutigen Neubaustraße, Balthasar-Neumann-Promenade, Theaterstraße und Juliuspromenade.

Rund 3000 Einwohner zählte die Stadt. Ihre große Mehrheit drängte sich auf zwei Drittel der Fläche. Ein Drittel, rund um den Dom, sicher vor dem Hochwasser, war von einem guten Dutzend Domherren bewohnt.

Dass zu jener Zeit Holzhäuser auf dem künftigen Hotel-Areal standen, erkennen die Archäologen aus braunen Verfärbungen im Erdreich. Das Holz selbst hat sich längst aufgelöst.

Die Kosten für die archäologischen Grabungen muss das Hotel tragen. Die Funde gehören zur Hälfte dem Hotel und zur Hälfte den Franziskanern, die Eigentümer des Grundes bleiben. Der Erbpachtvertrag zwischen Hotel und Kloster läuft in 99 Jahren aus.

Ausgrabungen im Franziskanerkloster       -  Archäologe Frank Feuerhahn erklärt beim Tag des offenen Denkmals im Franziskaner-Kreuzgang die Ergebnisse der Ausgrabungen.Daniel –
Foto: Foto: | Archäologe Frank Feuerhahn erklärt beim Tag des offenen Denkmals im Franziskaner-Kreuzgang die Ergebnisse der Ausgrabungen.Daniel –
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