Würzburg

Grippe erreicht Unterfranken

Grippeschutz für Schwangere: Nach Vierfachimpfstoff fragen       -  Jetzt kommt die Grippe nach Unterfranken. Wer noch nicht geimpft ist, kann das noch nachholen. Klar ist dabei aber, dass der Vierfach-Impfstoff gegen die derzeit dominanten Grippeviren besser schützt als der Dreifach–Impfstoff. Das Problem: Den Vierfach-Impfstoff bezahlen die Kassen nur „in medizinisch begründeten Fällen“.
Foto: Caroline Seidel, dpa | Jetzt kommt die Grippe nach Unterfranken. Wer noch nicht geimpft ist, kann das noch nachholen. Klar ist dabei aber, dass der Vierfach-Impfstoff gegen die derzeit dominanten Grippeviren besser schützt als der ...

Die Grippe kommt nach Unterfranken. „Sie schwappt gerade jetzt von Mittelfranken rüber zu uns“, sagt der Giebelstädter Hausarzt Dr. Christian Pfeiffer. Der Mediziner bezieht sich dabei auf den Grippeatlas des Robert-Koch-Instituts, in dem die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland dokumentiert ist. Dass die Grippe gerade Unterfranken einnimmt, sieht Pfeiffer aber nicht nur im Grippeatlas, sondern auch in seinem Wartezimmer: Zunehmend sitzen dort Grippe-Patienten – mit Husten und plötzlich aufgetretenem hohen Fieber.

Grippe zeigt sich beim Rachenabstrich

„Jetzt kommt sie, die Grippe“, bestätigt auch der Leiter des Gesundheitsamtes Bad Kissingen, Dr. Ingo Baumgart. Seine Aussage kann er mit Zahlen aus seinem Zuständigkeitsbereich belegen: „Bis zum 25. Januar hatten wir insgesamt 22 gemeldete Grippefälle. Jetzt ist binnen einer Woche die Zahl auf rund 50 Fälle angestiegen.

“ Baumgart zufolge handelt es sich bei den amtlichen Grippe-Fallzahlen grundsätzlich nur um die „Spitze des Eisbergs“. Denn Grippe sei zwar eine meldepflichtige Erkrankung; aber zur Meldung komme es ja nur, wenn die Hausärzte bei Untersuchungen möglicher Grippekranker Rachenabstriche nähmen und diese analysieren ließen – und das tun nicht alle Ärzte. In ganz Bayern sind laut den Daten des Landesgesundheitsamtes in Erlangen in dieser Grippesaison 2006 Krankheitsfälle dokumentiert – 665 Meldungen gingen erst in der letzten Woche ein. Auch bayernweit dürften die tatsächlichen Erkrankungszahlen weit höher sein als die gemeldeten.

Wirksamkeit der Grippeimpfung gering

Dass unter den Grippepatienten, die jetzt in die unterfränkischen Hausarztpraxen drängen, auch Grippe-Geimpfte sind, ist in dieser Saison besonders wahrscheinlich. Denn der handelsübliche Dreifach-Grippeimpfstoff wirkt heuer deutlich schlechter als in vergangenen Jahren. „Heuer bietet er nur nur einen zu 30 Prozent wirksamen Schutz“, berichtet der Giebelstädter Mediziner Pfeiffer. Normalerweise sei die Wirksamkeit deutlich höher.

Vierfach-Impfstoff wirkt auch gegen Viren der Yamagata-Linie

Was ist der Grund, dass der aktuelle Dreifach-Impfstoff in dieser Saison schwächelt? Laut dem Robert-Koch-Institut wirkt der aktuelle Dreifach-Impfstoff nicht gegen Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie – aber genau diese speziellen Grippeviren sind derzeit in Deutschland dominant und konnten in mehr als der Hälfte der bisher nachgewiesenen deutschen Influenzafälle identifiziert werden. Im Gegensatz zum aktuell wenig passgenauen Dreifach-Impfstoff enthält der ebenfalls verfügbare Vierfach-Impfstoff Antigene gegen die Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie. Das Problem dabei: Geimpft wurde in unterfränkischen Hausarztpraxen überwiegend mit dem Dreifach-Impfstoff. Denn nur für diesen übernehmen üblicherweise die Kassen die Kostenerstattung.

Das ist insofern bemerkenswert, als Experten schon seit längerem den Vierfach-Impfstoff als Mittel der Wahl bezeichnen. So bestätigt etwa Professor Ulrich Vogel, Krankenhaushygieniker der Universitätsklinik Würzburg, dass die Klinik allen ihren Beschäftigten eine jährliche Grippeimpfung anbiete. Dabei „verwenden unsere Betriebsärzte seit mehreren Jahren ausschließlich die Vierfach-Impfung“.

Die Mediziner an der Uniklinik fühlten sich dabei, so Vogel, durch die Änderung der Grippeimpfungsempfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts bestätigt. Diese Kommission rät nämlich zur Vierfach-Impfung.

Kassen bezahlen Vierfach-Impfstoff nicht regulär

Den Empfehlungen der Impfkommission zum Trotz bezahlen die bayerischen Krankenkassen die Vierfach-Grippeimpfung aber auch in dieser Saison nicht regulär. Eine entsprechende Anfrage dieser Redaktion beantwortete etwa die Bayern-AOK mit der Formulierung, dass nur in „medizinisch begründeten Fällen“ der Arzt den Vierfachimpfstoff „auf Kassenrezept verordnen“ könne.

„Hände oft waschen und nicht in Gesichtsnähe bringen“

Was also tun? „Mit dem Hausarzt sprechen, ob er zur Nachimpfung rät“, sagt der Giebelstädter Mediziner Pfeifer. Er selbst halte Nachimpfungen in der Regel nicht für sinnvoll und nur bei Hochrisiko-Patienten für angezeigt. Für alle normal Grippe-Gefährdeten gelte: „Hände oft waschen, möglichst die Hände nicht in Gesichtsnähe bringen und gut auf sich achten.“

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