Oberpleichfeld

Hält die Bahn bald in Oberpleichfeld?

Die Züge fahren derzeit noch an Oberpleichfeld vorbei. Bei der Unterführung am Sportheim (Foto) könnte ein Haltepunkt auf beiden Seiten relativ einfach eingerichtet werden.
Foto: Irene Konrad | Die Züge fahren derzeit noch an Oberpleichfeld vorbei. Bei der Unterführung am Sportheim (Foto) könnte ein Haltepunkt auf beiden Seiten relativ einfach eingerichtet werden.

Im Juli hat der neue ULO-Gemeinderat Benedikt Pfister eine E-Mail ins Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr nach München geschickt. Er hatte gelesen, dass der Öffentliche Nahverkehr vermehrt auf die Schienen verlegt, sowie das Schienennetz weiter wachsen und modernisiert werden soll. Deshalb wollte er erfahren, ob in Oberpleichfeld die Einrichtung einer Bahnhaltestelle möglich ist.

Auf diese E-Mail hat Gemeinderat Pfister Anfang September 2020 eine Antwort bekommen. Und zwar nicht nur lapidar mit ein paar Sätzen auf elektronischem Weg. Sondern mit einem dreiseitigen Brief von Sven-Christian Schuster, dem stellvertretenden Leiter des Referates "Schieneninfrastruktur, Eisenbahnwesen". Dieses Schreiben wurde im Gemeinderat besprochen.

Staatsministerin Kerstin Schreyer bedanke sich für die Anfrage und habe das zuständige Fachreferat gebeten, den Oberpleichfeldern zu antworten, schrieb der stellvertretende Referatsleiter Schuster. Der Freistaat Bayern hat mit über 6000 Kilometern und mehr als 1000 Bahnhöfen das umfangreichste Bahnnetz aller deutschen Bundesländer. Für die Einrichtung von neuen Bahnstationen gibt es einheitlich festgelegte Voraussetzungen.

Dazu zählen die Willensbekundungen der betroffenen Gemeinde und des Landkreises gegenüber dem Freistaat. Nötig sind die fahrplantechnische Machbarkeit und eine mindestens stündliche Bedienung mit bestehenden Zügen. Bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit müssen mindestens 100 Ein- und Aussteiger pro Tag prognostiziert und die Integration des neuen Bahnhalts an den ÖPNV vertraglich geregelt sein.

Zu den Voraussetzungen zählen auch die barrierefreie Gestaltung, die Integration des Bahnhalts in das öffentliche Straßen- und Wegenetz, die Anpassung des Schülerverkehrs mit der Verlagerung vom Bus auf die Bahn, genügend Parkplätze, eine Kostenschätzung und die gesicherte Finanzierung.

Ministeriumsmitarbeiter Schuster kann "derzeit leider nicht einen neuen Haltepunkt in Oberpleichfeld in Aussicht stellen". Das liegt seiner Meinung nach vor allem daran, dass Oberpleichfeld mit seinen gut 1100 Einwohnern zu klein ist und dass die Bahnhöfe in Bergtheim und Seligenstadt zu nah sind.

Ob unter diesen Umständen ein "ausreichendes Fahrgastpotential" erreicht werden könne? Außerdem würden auf der RB-Linie Würzburg-Bamberg keinerlei Fahrzeitreserven für die Bedienung einer zusätzlichen Station möglich sein. Sonst würden "wichtige Systemanschlüsse verloren gehen".

Für einige Gemeinderäte war mit dem Antwortschreiben die Sache Bahnhaltestelle klar: Es geht nicht! Andere Ratsmitglieder sahen es nicht so aussichtslos. Beim Sportheim wäre eine Haltestelle doch ideal. Die Infrastruktur mit Straßen und Parkplätzen ist da und dank der Unterführung zur Kompostieranlage sei in beide Richtungen der Ein- und Ausstieg möglich. Es solle ja kein Bahnhof gebaut, sondern nur eine kleine Haltestelle eingerichtet werden.

"Ich glaube, dass die Schüler und Pendler diese Haltestelle nutzen würden", will Gemeinderat Pfister nicht so schnell aufgeben. Er könne "doch mal eine Anfrage machen, ab wann die Haltestelle wirtschaftlich wäre". Und was die Dorfbevölkerung von einer Bahnhaltestelle hält, das wäre doch interessant zu wissen.

Dass die Oberpleichfelder keinen Bahnhof haben, ist tatsächlich immer wieder Gesprächsstoff im Dorf. Als das Eisenbahnprojekt vor 175 Jahren geplant wurde, war Oberpleichfeld neben Rottendorf als Bahnhofsstandort angelegt. 1852 fiel die Entscheidung, anstelle der geplanten Station in Oberpleichfeld einen Bahnhof in Seligenstadt zu bauen. Damit sollte das Mainschleifengebiet um Volkach erschlossen werden.

Am 1. Juli 1854 wurde die Bahnlinie Würzburg-Bamberg eröffnet. In der Chronik von Friedrich Ebert steht, dass der damalige Ortsvorsteher Valtin Faulhaber wie viele Bauern im Dorf nicht nur die Vorteile einer Bahnstation gesehen hatte. Die Angst vor "allerlei Gesindel" war da. In vielen Familien würde heute noch erzählt, dass die Vorfahren befürchteten, dass mit einem Bahnhof "bloß Gschwaddl" nach Oberpleichfeld kommen würde.

Der Gemeinderat wird die Wirtschaftlichkeit einer Haltestelle im Ort nicht verfolgen. Benedikt Pfister will sich trotzdem bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft schlau machen. "Fragen kostet nichts", hofft er auf weitere Informationen über die Möglichkeit einer Bahnhaltestelle in Oberpleichfeld.

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