Würzburg

Hauptsache Wein ist im Glas

Während die Teilnehmer des Rotwein-Workshops zu Hause an den Computer-Monitoren saßen, führten Sebastian Fürst, Christophe Lacaille, Christoph Walter und Herman Mengler (von links) vor zwei laufenden Kameras durch die Veranstaltung.
Foto: Mauritz/Bezirk Unterfranken
| Während die Teilnehmer des Rotwein-Workshops zu Hause an den Computer-Monitoren saßen, führten Sebastian Fürst, Christophe Lacaille, Christoph Walter und Herman Mengler (von links) vor zwei laufenden Kameras durch ...

Auch bei einer Online-Weinprobe muss man nicht zwangsläufig auf dem Trockenen sitzen. Das schreibt der Bezirk UNterfranken in einer Pressemitteilung. Alles nur eine Frage der perfekten Planung, sagte sich die Weinfachberatung beim Bezirk Unterfranken, als sie ihren Rotwein-Workshop vorbereitete. Und so verkosteten vier Experten gemeinsam mit 37 Winzern zwei Stunden lang insgesamt 13 verschiedene Spätburgunder. Der Corona-Pandemie geschuldet natürlich virtuell an den Bildschirmen zu Hause – nur die Weine waren höchst reell. Die hatte nämlich die Weinfachberatung in den Tagen zuvor in kleine Fläschchen abgefüllt, sorgfältig in Kartons verpackt und per Post den Seminarteilnehmern zugeschickt.

Drei ausgesuchte Rotwein-Experten hatte Weinfachberater Herman Mengler (Bezirk Unterfranken) in den Großen Sitzungssaal des Bezirksgebäudes geladen, um mit ihnen gemeinsam die Weine zu verkosten und deren Entstehung zu besprechen: Sebastian Fürst vom Weingut Rudolf Fürst, Christoph Walter vom Weingut Josef Walter (beide Bürgstadt) und Christophe Lacaille aus dem französischen Burgund, der aus seiner Heimat ein paar ganz besondere Flaschen Spätburgunder mitgebracht hatte, die wohl in Unterfranken gar nicht zu bekommen wären.

Aber statt den Workshop-Teilnehmern direkt in die Augen zu sehen, blickten die vier Fach-männer – durch große Glasscheiben streng voneinander getrennt – in die Objektive zweier laufender Kameras. Währenddessen konnten es sich die Teilnehmer, die selber ausschließlich Rotwein ausbauen, zu Hause vor ihren Computer-Monitoren bequem machen. Ganz besonders dürften diesen Luxus vier Winzer vom Bodensee genossen haben, die sich auf diese Weise eine rund dreistündige Anfahrt nach Würzburg hatten ersparen können.

Dank der großen Leinwand im Sitzungssaal hatten die Teilnehmer jederzeit die Möglichkeit, sich ins Geschehen vor Ort einzuschalten. Trotzdem blieb es innerhalb der vier Wände für eine Weinprobe ungewöhnlich still: kein vernehmliches Schlürfen aus vierzig Mündern und auch kein Gläserklappern, wenn die nächste Probe eingeschenkt wird. Weinfachberater Mengler war im Anschluss an die Veranstaltung dennoch hochzufrieden. Auch technisch sei es eine „absolut gute Sache“ gewesen, freute er sich über das positive Feedback.

Der Rotwein-Workshop, der als erster von insgesamt drei Veranstaltungen zum Thema Spät-burgunder konzipiert war, hätte eigentlich als Präsenz-Seminar stattgefunden, gäbe es Corona nicht. Die Angelegenheit war aber für Mengler viel zu wichtig, als dass er sie wegen der Pandemie einfach so hätte verschieben wollen. Der Fachberater beobachtet nämlich derzeit einen Paradigmenwechsel beim An- und Ausbau von Spätburgunder: Immer frühere Lese, immer kürzere Maischestandzeiten, deutlich stabilere Säuregehalte! „So wie damals vor 25 Jahren, als der Rotweinanbau auch in Unterfranken stark anstieg, weil viele glaubten, man dürfe das Feld nicht nur den italienischen und französischen Winzern überlassen, müs-sen wir heute nachjustieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Mengler. Jetzt gelte es herauszufinden, wo der unterfränkische Weinbau in Sachen Rotwein stehe.

„Spätburgunder ist eine prestigeträchtige Rebsorte und wächst weltweit in eher kühleren Klimaregionen und auf gut durchlässigen kalkhaltigen Böden“, so Mengler weiter.  So gesehen, sei Franken prädestiniert für „Pinot Noir“, wie die Sorte in Frankreich heißt: „Aber, wenn Pinot, dann feinsten und besten mit klaren Herkunftscharakter!“, so die Überzeugung Menglers. Und an die Adresse der unterfränkischen Winzerinnen und Winzer fordert der Fachberater: „Wir müssen bei unseren Spätburgundern präziser und mutiger werden!“

Im kommenden Sommer soll das zweite Kapitel des Rotwein-Workshops aufgeschlagen wer-den, bei dem es dann um die Fragen des Weinbaus und der Önologie gehen wird. Das große Finale steht im Herbst 2021 auf Menglers To-do-Liste – ob dann erneut als Online- oder aber als Präsenzveranstaltung wird sich zeigen. "Am Ende hat das Corona-Virus das letzte Wort", so der Bezirk in seiner Pressemitteilung.

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