HELMSTADT

Helmstadt setzt auf Wind und Sonne

Helmstadt setzt auf erneuerbare Energie: Ein blaues Solarband wird entlang der ausgebauten Autobahn beim Ortsteil Holzkirchhausen entstehen, wie in unserer Fotomontage oben zu sehen.
Foto: main-Spessart-Solar | Helmstadt setzt auf erneuerbare Energie: Ein blaues Solarband wird entlang der ausgebauten Autobahn beim Ortsteil Holzkirchhausen entstehen, wie in unserer Fotomontage oben zu sehen.

Wind und Sonne - auf diesen Energiemix setzen künftig auch die Helmstadter: So ist ein Waldwindpark auf dem Ameisenberg geplant sowie ein Bürgersolarpark entlang der A 3 zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen. „Schon länger dachten wir darüber nach, erneuerbare Energien auch hier in der Verwaltungsgemeinschaft zu nutzen“, so Bürgermeister Edgar Martin.

Zunächst überlegten die Helmstadter, auf den Gemeindegebäuden Photovoltaikanlagen anzubringen, jedoch waren viele Dächer dafür nicht geeignet. Deshalb sah sich die Gemeinde nach anderen Möglichkeiten um und stieß dabei auf die Firma ABO-Wind. Die plante bereits in Remlingen und Uettingen Windpark-Projekte und suchte nach weiteren brauchbaren Gebieten.

Die Entscheidung für den Windpark fiel in Übereinstimmung mit Gemeinderat und den Bürgern schnell. Zum einen sah man die ökologischen Vorteile: „Die regenerativen Energien sind ein entscheidender Schritt in Richtung Zukunft“, meint Bürgermeister Martin. Gerade die Atomkatastrophe von Fukushima zeigte, dass man sich mit Energie aus Wind und Sonne „auf dem richtigen Weg befindet.“

Der ökonomische Faktor ist natürlich auch nicht zu unterschätzen: Vier der fünf Anlagen stehen auf Gemeindegrund. Das heißt, dass die Pachtgebühren und die Gewerbesteuer, die an die Verwaltungsgemeinschaft gezahlt werden muss, direkt in die Kasse der Gemeinde fließen. „Das Geld bleibt im Ort“, stellt Martin klar.

Die Planungen, die seit 2009 laufen, standen aber kurzzeitig vor dem Aus. Die Umweltbehörde verweigerte die Genehmigung, da man die geschützten Rotmilane, eine Greifvogelart, gefährdet sah. Die Brutstellen seien zu nah an den Windrädern, weshalb es zu zahlreichen Schlagopfern käme. „Allerdings entbehrten diese Argumente jeglicher sachlicher Grundlage“, so Projektleiter Kristof Frank. „Die Naturschutzgutachten sprachen gegen diese Einwände.“ Dass die Behörde letztlich doch einlenkte, verdanken die Helmstädter Landrat Eberhard Nuß, der sich der Sache annahm.

Neben dem Naturschutzgutachten musste nachgewiesen werden, dass es zu keinen Belästigungen aufgrund von Schall oder Schattenwurf kommen konnte. Von der Ortsgrenze bis zu den Windrädern, die eine Gesamthöhe von 190 Metern erreichen, muss daher ein Mindestabstand von 1000 Metern gewährleistet sein. Die Kosten pro Anlage belaufen sich auf vier Millionen Euro. Die fünf Windräder haben eine Leistung von 12,5 Megawatt. Die Firma schätzt die Energieausbeute auf 30 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Der Windpark kann so 10 000 Haushalte mit Strom versorgen. Zum Vergleich: In der Verwaltungsgemeinschaft Helmstadt gibt es 3000 Haushalte. Im Mai 2012 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Um auch die Sonnenenergie effektiv zu nutzen, baut die Gemeinde eine Photovoltaik-Freiflächenanlage entlang der Autobahn zwischen Holzkirchhausen und Helmstadt. Über einen Kilometer erstrecken sich die 22 000 Photovoltaik-Module, die in der Spitze eine Leistung von 5540 Kilowatt erbringen. Der Solarpark darf von der Autobahn aus höchstens 110 Meter in die Landschaft hineinreichen. Ein solcher Solarpark kann nur auf vorbelasteten Gebieten, wie ehemalige Mülldeponien oder die direkte Umgebung von Autobahnen und Eisenbahnstrecken, errichtet werden. „Die 13 Grundstückseigentümer haben sofort zugestimmt“, so Geschäftsführer Bernd Büttner von der Firma Main-Spessart-Solar. Für 20 Jahre ist die Fläche gepachtet.

Zunächst wurde die Ertragslage der Sonnenstrahlen auf der elf Hektar großen Fläche getestet. Nachdem Fachleute die Einstrahlungswerte für sehr gut befanden, wurde Anfang Mai diesen Jahres der Bebauungsplan beschlossen und nach nur drei Monaten genehmigt. „Nicht in jeder Gemeinde läuft das so schnell“, lobt Büttner.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Bürger direkt davon profitieren können. 130 Bürger, hauptsächlich aus Helmstadt, investierten mit in das Projekt. Die Mindestbeteiligung eines Anlegers beträgt 5000 Euro. Wenn die Anlage im Dezember 2011 in Betrieb geht, fahren die Beteiligten eine Rendite von 7,5 Prozent ein bei einer Vergütung von 21,11 Cent pro Kilowattstunde.

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