Bütthard

In Bütthard steht ein Koffer gegen das Vergessen

Bürgermeister Peter Ernst und Benita Stolz enthüllten auf dem Büttharder Marktplatz einen Koffer gegen das Vergessen  und zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger.
Foto: Hannelore Grimm | Bürgermeister Peter Ernst und Benita Stolz enthüllten auf dem Büttharder Marktplatz einen Koffer gegen das Vergessen und zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger.

Den Koffer, der neuerdings unübersehbar auf dem Marktplatz in der Dorfmitte steht, hat dort niemand vergessen. Vielmehr steht das Gepäckstück gegen das Vergessen an die Menschen, die während der NS-Zeit in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden. Er erinnert besonders an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, die Bütthard verlassen mussten und ihr Leben verloren haben.

"Sie waren Menschen wie du und ich, Nachbarn und Freunde. Sie sind Teil unserer Geschichte." Mit diesen Worten erinnerte Bürgermeister Peter Ernst an die Menschen, die, wie er sagte, durch den NS-Staat diskriminiert, entwürdigt und entrechtet, in Sammeltransporten deportiert und in Lagern ermordet wurden.

Laut seinen Worten ist es der falsche Weg das Geschehene zu verleugnen und zu vergessen. Besonders in einer Zeit, in der Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Ausländerhass immer hemmungsloser und offener gelebt werden, sei es moralische Pflicht mahnend an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung und an das Geschehene zu erinnern. Aus diesem Grund, so der Bürgermeister, beteiligt sich Bütthard als ehemalige jüdische Kultusgemeinde an dem Denkmal "DenkOrt Deportationen".

Koffer steht gegenüber dem Haus von Max und Mina Frank

Von den Gepäckstücken bleibt eins in der jeweiligen Gemeinde und das zweite findet seinen Platz auf dem zentralen Denkmal am Würzburger Hauptbahnhof. Die Koffer wie der, der in Bütthard gegenüber des Hauses steht in dem die Überlebenden des Lagers Theresienstadt, Max und Mina Frank, gewohnt haben, wurde von Sarah Schäfer, Schülerin der Holzbildhauerschule Bischofsheim (Lkr. Rhön-Grabfeld), gestaltet.

Das grobe, rissige Eichenholz steht, laut dem Bürgermeister, symbolisch für das Herausreißen der Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung. Der Tragegriff aus Stacheldraht versinnbildlicht den schmerzhaften Leidensweg, den diese Menschen gehen mussten.

Bevor der Bürgermeister mit der Vorsitzenden des Würzburger Vereins "DenkOrt Deportationen" und Initiatorin für die Entstehung des Denkmals, Benita Stolz, den Koffer enthüllte, hielt Pfarrer Georg Hartmann einen Wortgottesdienst. In der berührenden Feierstunde, dem die Musikkapelle Frankonia Bütthard unter der Leitung von Alfred Kemmer eine besondere Note gab, hob der Geistliche die Bedeutung des Erinnerns hervor.

Das Ehepaar Frank überlebte die Shoa

Mit einem kurzen Bericht, der aus einem Flugblatt der Bewegung der Weißen Rose stammt, und in dem es heißt "in Koffern und Rucksäcken schleppten sie ihre Habseligkeiten mit, die man ihnen gelassen hatte" holte Georg Hartmann die unselige Vergangenheit auf den sonnenbeschienenen Büttharder Marktplatz zurück.

Mehr über die Deportationen und ihre schrecklichen Auswirkungen erfuhren die Zuhörer von Benita Stolz. Ihren Ausführungen nach wurden 2069 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus 109 unterfränkischen Gemeinden deportiert. Zu den 63 Personen, die die Shoa überlebten, zählte das Büttharder Ehepaar Frank.

Eine neben dem Koffer angebrachte Plakette informiert in Kurzfassung über die lange Tradition, die jüdische Mitbürger in der Marktgemeinde hatten. Bereits 1588 wird das Haus des Juden Salomon erwähnt. Weitere jüdische Einwohner kamen im Laufe der Jahrhunderte hinzu, so das 1820 maximal 13 jüdische Familien das Wohnrecht im Dorf hatten. Die Familienvorstände übten vorrangig den Handel mit Vieh und anderen Waren aus.

Zwei Familien wurden Opfer der Judenverfolgung

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert zurück von zunächst von rund 60 bis auf 21 im Jahre 1910. Die jüdische Gemeinde hatte neben der Synagoge, einem Gemeindehaus mit einer Religionsschule und Wohnungen auch ein rituelles Bad. Die Toten aus Bütthard wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim bestattet. Im Jahr 1933 lebten noch zehn jüdische Mitbürger in Bütthard, das damals 758 Einwohner zählte.

Nachdem im Oktober 1937 die Gemeinde offiziell aufgelöst worden war und einige jüdische Personen verzogen oder emigriert waren, wurden die beiden letzten Familien Opfer der Judenverfolgung. In der Pogromnacht im November 1938 drangen SA- und SS-Männer aus Ochsenfurt und Umgebung in die Wohnungen ein und richteten ein Werk der Verwüstung an.

Während ein Ehepaar im Jahr darauf nach Holland emigrierte, lebten Max und Mina Frank weiterhin in Bütthard bevor sie 1942 über Würzburg in das Vernichtungslager Theresienstadt verschleppt wurden. Das Ehepaar überlebte das Ghetto und kehrte 1945 zurück nach Bütthard bevor es später nach Amerika ausgewandert ist.

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