Würzburg

„Jehuda hat oft von Würzburg erzählt“

Hana Amichai sprach als Ehrengast bei der Eröffnung zu „Würzburg liest ein Buch“ über die Lyrik und den Roman ihres Mannes, sowie über die Beziehung zu seiner Heimat Würzburg.
Foto: Thomas Obermeier | Hana Amichai sprach als Ehrengast bei der Eröffnung zu „Würzburg liest ein Buch“ über die Lyrik und den Roman ihres Mannes, sowie über die Beziehung zu seiner Heimat Würzburg.

Nach der offiziellen Eröffnung der Leseaktion „Würzburg liest ein Buch“ stand Hana Amichai dieser Redaktion für ein Gespräch zur Verfügung. Sie beantwortete bereitwillig Fragen zu ihrem 2002 verstorbenem Ehemann, seinen Werken und seiner Beziehung zu Würzburg.

Frage: Was war Ihre Reaktion, als Sie von „Würzburg liest ein Buch“ gehört haben?

Hana Amichai: Es war sehr schön für mich davon zu hören. Das hat mich wirklich emotional berührt, zu wissen, dass Würzburg Jehuda nicht vergessen hat und dass er gewissermaßen in den Herzen und Köpfen der Würzburger weiterlebt. Ich bin glücklich und dankbar, dass mein Mann hier nicht nur akzeptiert, sondern sogar geehrt wird.

Wie ist die Resonanz auf Jehuda Amichai in Israel?

Amichai: Jehuda ist sehr bekannt in Israel. Sein Roman „Nicht von jetzt, nicht von hier“ wurde auch in Israel veröffentlicht und ist dort allgemein bekannt. Jehuda wird allerdings eher mit Lyrik assoziiert. Der Roman fand in Israel leider weniger Anerkennung als seine Gedichte. „Nicht von hier, nicht von jetzt“ fand entweder große Zustimmung bei den Lesern oder aber es wurde abgelehnt, weil es zu seltsam war.

Und was lesen Sie lieber von ihrem Mann? Roman oder Lyrik?

Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Es gibt zahllose Gedichte von Jehuda, aber nur einen Roman. Dadurch, dass der Roman eher wenig Zustimmung fand, wurde mein Mann demotiviert einen zweiten zu schreiben. Ich persönlich, habe mich jedoch sehr an dem Buch erfreut. Allerdings ist und bleibt er für seine Lyrik bekannt.

Sie würden also sagen, dass Jehuda Amichai noch immer eine große Präsenz in Israel hat?

Definitiv. Nicht nur in Israel, sondern an vielen Orten der Welt. Auch in Ländern, wo man es nicht erwarten würde. Erst vor kurzem wurde etwas in Burma veröffentlicht, dann in Russland und Portugal. Und natürlich in Würzburg. Ich meine sehen Sie sich die Mühe an, die man sich hier für ihn gemacht hat. Er ist noch immer überall stark präsent, was nicht üblich für einen Lyriker ist, der vor 17 Jahren gestorben ist.

Und haben sie zu seinen Lebzeiten mit ihm über Würzburg gesprochen?

Ja, sehr oft sogar. Ich war sogar schon ein paar Mal hier. Jehuda hat erst mir und dann unseren Kindern die Orte gezeigt, an denen er früher gelebt hat und in Israel hat er oft von Würzburg erzählt. Natürlich hat er Deutschland verlassen, als er gerade elf Jahre alt war, allerdings konnte er sich noch an vieles erinnern. Ich denke man erinnert sich doch immer an den Ort seiner Kindheit. Darüber haben wir oft geredet und er behielt immer einen Draht zu seiner zweiten Heimat Würzburg.

Zweite Heimat bedeutet, dass die andere Heimat Israel ist?

Natürlich. Jehuda war zwar Migrant in Israel, allerdings war es für ihn die Migration in ein zweites Heimatland. Wenn Jehuda und seine Familie in Deutschland gebetet haben, beteten sie in Richtung Jerusalem. Es war also kein neuer oder gar fremder Ort, sondern ein Zuhause in das sie einreisten.

Lässt sich die Situation für Sie also nicht mit den Flüchtlingen, die nach Deutschland einwandern, vergleichen?

Eher nicht, nein. Natürlich fliehen auch heutzutage viele vor dem Krieg in ein anderes Land und müssen sich dort neu assimilieren. Allerdings ist das eine andere Situation, als sie es für Jehuda damals war. Diese Menschen kommen in ein ihnen völlig fremdes Land. Deutschland zum Beispiel ist ein schönes Land, aber sie müssen es erst noch kennen lernen. Die Sprache, die Kultur. Das ist doch noch was anderes als bei den Amichais damals.

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