Würzburg

Jugendverbandsarbeit im Bistum in Gefahr

Erst hat die Diözese Würzburg personelle Kürzungen angekündigt, dann hieß es, niemand müsse Angst haben. Nun hat die Katholische Landjugendbewegung personelle Probleme.
Ein Blick auf die Innenstadt Würzburgs und auf die Westfassade des Doms. Der Sparkurs des Bistums Würzburg hat Auswirkungen auf die Arbeit des Katholischen Landjugendbewegung.
Foto: Patty Varasano | Ein Blick auf die Innenstadt Würzburgs und auf die Westfassade des Doms. Der Sparkurs des Bistums Würzburg hat Auswirkungen auf die Arbeit des Katholischen Landjugendbewegung.

Die katholische Kirche steht an Wendepunkten - und damit auch das Bistum Würzburg. Davon war in den vergangenen Monaten immer wieder die Rede. Das bezieht sich nicht nur auf die Aufarbeitung von sexueller Gewalt oder die Hinterfragung von Sexualmoral und Klerikalismus.  Die Kirche muss sich auch mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen auseinandersetzen - das finanzielle Fundament beziehungsweise die größte Einnahmequelle der 27 deutschen Bistümer.

Auch das Bistum Würzburg geht auf Sparkurs.  Maßnahmen greifen bereits, denn es gibt aktuell konkrete Auswirkungen bei der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Dort stehen personelle Kürzungen an. Laut einer Mitteilung des Jugendverbands, hätten die KLJB-Mitglieder bestürzt reagiert, als sie auf ihrer Frühjahrsversammlung von der scheidenden Diözesanlandjugendseelsorgerin Simone Büttner hörten, dass durch vakante und durch zwei nicht nachbesetzte Stellen deutliche Engpässe auftreten werden. Bereits ab Juli sei ein Drittel der bisherigen Arbeitsstunden nicht mehr zu bewältigen.

Situation für Jugendverbandsarbeit "unhaltbar"

Auch die nähere Zukunft sieht für die KLJB nicht rosig aus. Denn ab Februar 2020  gebe es, wenn die Sparmaßnahmen des Bistums anhalten, wegen befristeter Verträge nur noch eine Angestellte mit sechs Arbeitsstunden in der KLJB-Diözesanstelle zur Unterstützung der ehrenamtlichen Verbandsmitglieder. Diese Situation sei für die Jugendverbandsarbeit unhaltbar, schreibt Jugendbildungsreferentin Annika Lipp in ihrer Mitteilung.

Auf Nachfrage teilt Diözesanlandjugendseelsorgerin Büttner mit, dass Personalstellen sechs Monate lang nicht nachbesetzt werden, also "mindestens ein halbes Jahr vakant bleiben" - außer es würden dringende Gründe dagegen sprechen. Das betrifft die beiden pädagogischen Stellen und das Sekretariat. "Die geistliche Stelle bleibt, also meine Stelle", so Büttner, "sie wird nachbesetzt". Es gebe aber noch keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger.

Diözesanrat bezeichnet Jugendverbandsarbeit als "überlebensnotwendig"

Der Diözesanrat hat sich vor einer Woche auf seiner Frühjahrsvollversammlung für die Jugend(verbands)arbeit eindeutig positioniert. Es sei notwendig, die junge Generation als Zukunft der Kirche zu verstehen. Jugend(verbands)arbeit sei für die Kirche nicht optional, sondern überlebensnotwendig, hält das höchste Laiengremium im Bistum in seinem Beschluss fest.

Die KJLB hat derzeit rund 1200 Mitglieder. Der Diözesanverband setzt sich laut eigenen Angaben besonders in vier Bereichen ein: im Arbeitskreis "Land.Jugend.Kirche" zum Beispiel mit Fragen nach dem Glauben und der Spiritualität und Mitgestaltung der Kirche. Ein weiteres wichtiges Thema sei die Bildungsarbeit, Agrar und Ökologie sowie die "Eine-Welt- und Partnerschaftsarbeit". Darüber hinaus gibt es den "Glaubensflitzer", der seit 2011 in der ganzen Diözese unterwegs ist. Mitarbeiter von KJLB sowie von der Jugendarbeit der Diözese (kja) bereiten gemeinsam mit Jugendlichen Gottesdienste vor und feiern zusammen.

Die KLJB ist nicht in jedem der insgesamt 27 Bistümer vertreten. In Speyer beispielsweise, wo Bischof Franz Jung neun Jahre lang Generalvikar war, gibt es keinen KLJB-Diözesanverband, aber den übergeordneten Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Die Personalpolitik im Bistum Würzburg in Bezug auf die KLJB steht teilweise im Widerspruch zu jüngsten Äußerungen von Generalvikar Thomas Keßler. Zuerst hat sich Keßler bereits im November generell zur Personalentwicklung im Bistum geäußert. In einem Brief an alle Mitarbeiter wies er damals durchaus auf mittelfristige Kürzungen beim Personal hin. Im Februar beruhigte Keßler aber bei der Vorstellung des Haushaltsplans für das Jahr 2019, dass "keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter um ihren und seinen Arbeitsplatz Sorge haben muss", denn ohne engagierte Menschen könne der kirchliche Auftrag nicht erfüllt werden. Gleichzeitig wies Keßler erneut darauf hin, "dass wir umsteuern müssen" aufgrund von steigenden Tarifen und sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Die sorgenlose Zeit scheint sich also nur auf 2019 zu beziehen - und nicht auf die KLJB.

Studie über Zufriedenheit kirchlicher Mitarbeiter

Ein Aspekt innerhalb der kirchlichen Arbeitswelt wird aktuell besonders herausgestellt: die Zufriedenheit kirchlicher Mitarbeiter. Eine gleichnamige Studie lief seit 2015. In Auftrag gegeben hat sie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Am Donnerstag veröffentlichte die DBK Ergebnisse der vom Zentralinstitut Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt durchgeführten Befragung:  Die Beschäftigten der deutschen (Erz-)Bistümer haben demnach eine hohe Verbundenheit zu ihren Dienstgebern und sind überwiegend zufrieden mit den angebotenen Leitungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, heißt es.

Die Diözese Würzburg teilte dazu mit, dass sie als Arbeitgeber im bundesdeutschen Vergleich überdurchschnittlich gut abschneide. "Wir freuen uns, dass mit der Studie von wissenschaftlicher Seite der langjährige und konsequente Einsatz der Diözese Würzburg für eine familienfreundliche Gestaltung der Arbeitswelt ihrer Angestellten gewürdigt wird", so Generalvikar Keßler.

Ein Gesamtbild ergibt die Studie nicht. Das ZFG hat nicht in allen, sondern in 24 Bistümern die Mitarbeiter befragt.

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