WÜRZBURG

Karl Adam: Abschied von einem unermüdlichen Helfer

Erinnerung: Das Bild aus dem Jahr 2008 zeigt Karl Adam vor dem Frist-Responder-Fahrzeug, mit dem er zu Unfällen ausrückte.Foto: A. Jungbauer
| Erinnerung: Das Bild aus dem Jahr 2008 zeigt Karl Adam vor dem Frist-Responder-Fahrzeug, mit dem er zu Unfällen ausrückte.Foto: A. Jungbauer

Er war als Helfer immer für andere da: für seine Familie, für die Feuerwehr, für seinen Stadtteil und als Kommunalpolitiker für Würzburg. Entsprechend groß ist die Betroffenheit über seinen Tod: In der Nacht auf Freitag ist Karl Adam gestorben, an Herzversagen.

Seit mehreren Jahren war er gezeichnet von der Parkinson-Krankheit, „Charly“ Adam ging offen damit um und ließ sich nicht unterkriegen. Erst vor wenigen Wochen feierte er zusammen mit der Familie seinen 60. Geburtstag. Adam hinterlässt seine Ehefrau Mechthild, seine Eltern, drei Kinder und vier Enkel. Wie beliebt Adam war, zeigen die vielen Beleidsbekundungen, vor allem auf der Facebook-Seite der Unterdürrbacher Feuerwehr.

Das Dürrbachtal, seine Heimat, kannte er wie seine Westentasche. In Unterdürrbach lebte und arbeitete er, wie auch der Großteil seiner Familie. Sein Lebensmotto frei nach Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Und Adam tat viel. Nicht nur für das Dürrbachtal, wo er viele Jahre den Bürgerverein Unterdürrbach führte. 1977 trat er als damals jüngster Kommandant in Bayern an die Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Unterdürrbach, im Februar 2011 übergab er nach 34 Jahren als dienstältester. Er hatte sich weit über Würzburg hinaus einen Namen gemacht.

Oft war er als Erster an der Unfallstelle: Seit zwölf Jahren steht das First-Responder-Fahrzeug der Unterdürrbacher Feuerwehr bei den Adams in der Garage – einer aus der Familie rückte aus, Tag oder Nacht, bei Not- und Unfällen im ganzen Dürrbachtal.

Als Vorsitzender des Unterdürrbacher Feuerwehrvereins blieb er bis zuletzt an Bord und machte sich vor allem für die Interessen der Senioren stark. Am eigenen Leib musste Adam erfahren, was es heißt, sich nicht mehr selbstständig überall hinbewegen zu können. Senioren, das war sein Ziel, sollten möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

„Charly“ Adam war eine Kämpfernatur. Er ließ nichts unversucht im Ringen mit seiner Krankheit. Und er ließ sich in seinem gesellschaftlichen Engagement nicht beirren, auch wenn es zu Enttäuschungen kam. Er konnte unbequem sein, wo er für seine Überzeugungen stand. Ende der 80er Jahre hatte er gemeinsam mit Jürgen Weber die Würzburger Liste begründet, kandidierte 1996 für den Stadtrat und rückte im Frühjahr 2000 für den verstorbenen Horst Weis in die WL-Fraktion nach.

Nur ein halbes Jahr später der Paukenschlag: Karl Adam verlässt die Würzburger Liste und wechselt samt Mandat zur CSU, für die er später die Fraktionsgeschäftsführung übernimmt. Ein Schritt, der ihm nicht nur Respekt einbringt. Manche fühlen sich durch den raschen Wechsel nach der Wahl „betrogen“.

13 Jahre macht er mit der CSU Kommunalpolitik im Würzburger Rathaus, ist Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Würzburg-West. Doch über die Jahre entfremdet er sich von der Partei und kehrt ihr im Juli 2013 wieder den Rücken – und zurück zur Würzburger Liste. In der Begründung, nachzulesen auf seiner Homepage, schwingt Verbitterung mit: „13 Jahre habe ich gebraucht, um festzustellen, dass es in der Politik, vor allem in der eigenen Partei, keine Freunde gibt. Jetzt kann ich noch mehr für den einzelnen Bürger tun.“

Die WL mit Ex-OB Jürgen Weber freute sich über den Rückkehrer, die CSU bedauerte sein Ausscheiden. Der Kontakt zu den Bürgern war ihm, so sagte er selbst, wichtiger als Empfänge oder Repräsentationsanlässe. Von Montag bis Freitag war er jeden Tag von 10 bis 11 Uhr in einer Bürgersprechstunde zu erreichen.

Im offenen Umgang mit seiner Parkinson-Erkrankung wollte Adam ein Beispiel geben – „nicht weil ich Mitleid will, sondern weil ich andere mit diesem Handicap ermutigen will, früh die Symptome abklären zu lassen und mit den heutigen Möglichkeiten ‘normal‘ zu leben“, sagte er vor einem Jahr im Main-Post-Gespräch. Zum Erstaunen Außenstehender trat er trotz Erkrankung und längerem Klinik-Aufenthalt im März erneut zur Stadtratswahl an – den Einzug verpasste er um einen Platz.

Auftanken beim Angeln

Kraft schöpfte Adam – bis 1990 Wetterdienst-Techniker, danach mit seiner Frau im eigenen Medienbüro und Verlag – bei seinem Lieblingshobby: der Angelfischerei. In Gößenheim (Lkr. Main-Spessart) hatte er zwei eigene Seen, hierhin zog er sich zurück, saß auch im Morgengrauen schon am Wasser. „Mindestens zwei Mal in der Woche“, erzählt Ehefrau Mechthild, sei man bis zuletzt beim Angeln gewesen, zuletzt am Sonntag vor seinem Tod. Beigesetzt wird Karl Adam am Freitag auf dem Friedhof in Unterdürrbach. Der Trauergottesdienst beginnt um 10.15 Uhr.

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