Karl-Heinz Utschig: Neue Aufgaben am Geldautomaten

würzburg "Ich verlasse die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs GmbH nicht, ich trete nur in eine andere Phase ein", sagt ein Mann, der sich 20 Jahre seines Lebens um die Belange des städtischen Konzerns gekümmert hat. Karl-Heinz Utschig geht zum 1. Januar in den Ruhestand, aber erst, wenn er den Jahreswechsel noch organisiert hat. Schließlich soll kein Würzburger ohne Gas, Wasser oder Strom dastehen.
Was macht ein Mensch, der bisher acht bis zehn Stunden im Job verbracht hat, der nur die klassische Arbeitsteilung kennt: Mann schafft an, stellt den Job an die erste Stelle und Frau organisiert das Leben. "Ich habe keine Angst davor", sagt der technische Chef des Konzerns. Allerdings muss er sich ein wenig umstellen. In einem entspannten Gespräch in seinem WVV-Büro gibt er zu: "Ich habe noch nie Geld an einem Bankautomaten gezogen, das hat immer meine Frau erledigt. Jetzt werde ich das wohl mal probieren müssen."

Eine Sache muss sich Utschig nicht erst angewöhnen: das Ausschlafen. "Eigentlich bin ich Nacht-Mensch und Langschläfer. Ich werde es regelrecht genießen, nicht aufstehen zu müssen. Ich werde ab Januar erst um 11 Uhr frühstücken." Und wenn der 62-Jährige das Gelände der WVV verlässt, will er erstmal ein paar Wochen "rumgammeln". Dann kommt vielleicht ein kleiner Wellness-Urlaub mit seiner Frau. Sein größtes Hobby, Golf, will Utschig auch intensivieren.

Im Laufe der Plauderei lässt sich der WVV-Geschäftsführer immer mehr Liebhabereien entlocken. Da ist sein Faible für Schottland und zum erlesenen Malt-Whisky und eine geheime Sehnsucht nach der Antike, die bis in die Studienzeit zurückreicht. Utschig will sich in die Mythen und Geschichten einlesen ("bisher habe ich nur Fachliteratur gelesen") und dann mit seiner Gattin nach Griechenland fahren, auf Homers Spuren vielleicht.

Den Einstieg in die WVV vergisst Utschig nicht: er war CSU-Fraktionschef im Rathaus und Mitinhaber eines Ingenieurbüros mit 15 Leuten. Und dann kam das Angebot, in die Spitze des Konzerns einzusteigen. So wurde er zusammen mit Herbert Wolf (SPD) und Dr. Franz Gerstner Chef über 1200 Mitarbeiter.

Kollege Wolf ist ein eigenes Thema: Viele Menschen behaupten, Utschig stand immer im Schatten des kaufmännischen Geschäftsführers. Utschig beschreibt das Verhältnis heute so: "Herbert Wolf hat sein Geltungsbedürfnis ausgelebt. Das hat mich manchmal gestört. Ich brauche aber keine Tribüne bei der Arbeit, ich bin groß genug."

Es gab aber vor einigen Jahren einen klaren Bruch im Verhältnis der Beiden. "Wolf versuchte mich mit Hilfe einiger Arbeitnehmervertreter aus der Spitze heraus zu drängen. Ich sollte zwar noch Geschäftsführer bleiben, aber mein Kollege wollte ausschließlicher Sprecher des Konzernes werden." Mit Beistand des damaligen OBs Jürgen Weber wurde das Vorhaben abgeschmettert.

Utschig hat seinen Job gerne gemacht. "Es war eine spannende Zeit." An was erinnert er sich am liebsten? "Unsere Strabas schalten sich den Weg über die Ampeln selbst frei. Nirgends sonst in der Republik wurde das in der Kompromisslosigkeit Anfang der 90er Jahre so eingeführt". Das Thema Wasser hat den WVV-Chef besonders beschäftigt. So wurden viele Flächen zur Sicherheit der Trinkwasserversorgung renaturiert.

Aber es gibt auch Wermutstropfen. Utschig: "Ich hätte gerne die Straßenbahn nach Versbach und Lengfeld gebaut". Träume, deren Realisierung womöglich nicht mal in die Dienstzeit der neuen WVV-Chefs fallen.




Zur Person

Karl-Heinz Utschig
Der scheidende WVV-Chef wurde
am 18. Februar 1943 in Eger ge-
boren. Seit er zehn Jahre alt ist,
lebt er in Würzburg. Nach dem
Studium Bauingenieurswesen war
er Teilhaber eines Ingenieurbüros.
Von 1978 bis 1985 saß er für die
CSU im Stadtrat, drei Jahre davon
als Fraktionschef. Utschig ist ver-
heiratet und hat drei Kinder.

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