Würzburg

Kein bisschen leise: Lea kommt nach Würzburg

Im Interview erklärt die Musikerin Lea, warum ihr Casting-Shows zu schnelllebig sind und wie sie mit ihrer Musik ihre Gefühle ausdrückt.
Die Deutsch-Pop-Sängerin Lea sitzt zum Interview im Café Cosmo in der Würzburger Innenstadt. Die Musikerin spielt am 27. März bei ihrer 'Zwischen meinen Zeilen'-Tour in der Würzburger Posthalle.
Foto: Patty Varasano | Die Deutsch-Pop-Sängerin Lea sitzt zum Interview im Café Cosmo in der Würzburger Innenstadt. Die Musikerin spielt am 27. März bei ihrer "Zwischen meinen Zeilen"-Tour in der Würzburger Posthalle.

Seit die Singer-Songwriterin Lea aus Hannover 2018 mit dem Sommerhit "Leiser" oben in den deutschen Charts landete, ist sie richtig gut im Geschäft. Aus Kassel stammend schreibt Lea-Marie Becker, wie sie mit bürgerlichen Namen heißt, mit 15 Jahren ihr erstes Lied und das wird auf YouTube gleich zum Hit. 2016 veröffentlichte sie ihr Debütalbum "Vakuum" und baut nun Schritt für Schritt –ganz im Gegensatz zum so schnelllebigen Musik-Geschäft – ihre Karriere langsam auf. Ab März tourt die 26-Jährige wieder quer durch Deutschland und macht am Mittwoch, 27. März, auch in der Posthalle in Würzburg Station. Wir haben sie vorab in der Domstadt zum Kaffee trinken getroffen. 

Wann hast du zum ersten Mal ein Lied von dir im Radio gehört?

Lea: Der Song "Leiser" lief im Radio bei NDR 2 als ich mit dem Auto auf dem Weg zu einer Studentenparty war. Das war einfach richtig cool! Dieser Song läuft ja immer noch sehr oft auf verschiedenen Sendern. Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl zu wissen, dass die Leute den Track so gern mögen, dass er häufig gespielt wird. 

In "Leiser" singst du über eine unglückliche Liebe - und glückliche Freundschaften. Das klingt sehr persönlich. Hast du das genauso erlebt?

Lea: Ich habe das Lied geschrieben, weil ich dieses Gefühl, mich über Wochen neben einem anderen Menschen von Tag zu Tag leiser zu fühlen, selbst erlebt habe. Dabei habe ich aber nicht gemerkt, wie mir die Beziehung immer mehr Kraft geraubt hat. Aber meine Freunde haben mir die Energie gegeben, weiterzuziehen. Ich wundere mich immer noch, dass der Kerl, der gemeint ist, es bis heute nicht gecheckt hat. Er hat mir sogar noch zum Song gratuliert.

Authentische und inspirierende Texte, in denen man sich wiederfindet und hier und da vielleicht auch einmal den Spiegel vorgehalten bekommt. Ist es das, was deine Musik auszeichnet? 

Lea: Die eigenen Gefühle sind ja die greifbarste Inspiration, die man haben kann. Ich schreibe in erster Linie, um meine Gedanken zu ordnen. Und wenn das anderen Leuten gefällt, ist es perfekt. Meine Songs, das bin auch ich. Anders könnte ich mir meine Musik nicht vorstellen.

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Deine Karriere hat mit einem YouTube Video ("Wo ist die Liebe hin") begonnen, das du im Alter von 15 Jahren eingestellt hast. Wie war das genau?

Lea: Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen und ich hatte auch ein paar Jahre Gesangsunterricht. So ab zwölf habe ich auch getextet und eigene kleine Lieder komponiert. Mit 15 habe ich meinen ersten richtigen Song geschrieben. Am nächsten Tag bin ich mit Freunden in den Musikraum der Schule, habe mich ans Klavier gesetzt und mein Lied gesungen. Eine Freundin hat das gefilmt, mit nur einer Einstellung. Wir haben nicht mal vorher geprobt. YouTube hat meinen Song nach einer Woche auf die Startseite gestellt. Ich weiß bis heute nicht, welcher Mensch oder welcher Algorithmus mich gefunden hat. Das Video hatte schon nach einer Nacht 45 000 Zugriffe. (Mittlerweile wurde es 2,8 Millionen Mal aufgerufen, Stand März 2019).

Die Klickzahlen stiegen dann immer weiter auf YouTube. Wann war für dich klar, dass du Musikerin werden willst?

Lea: Anfangs hatte ich noch kein konkretes größeres Ziel vor Augen. Ich habe mich natürlich immer über alle Kommentare oder Nachrichten von fremden Menschen gefreut, dass ihnen meine Musik viel bedeutet. Das ist natürlich wunderschön zu lesen. Wo meine Reise letzten Endes wirklich hin geht, darum habe ich mir nie Gedanken gemacht. Klar sind große Meilensteine wie der Labelvertrag oder die erste große Tour sehr einprägsam. Aber so richtig realisiert man das irgendwie wirklich erst, wenn der eigene Song im Radio gespielt wird.

Nach dem ersten Hit auf YouTube wurde dir von Fans geraten, an einer Casting-Show teilzunehmen. Warum hast du das nicht getan?

Lea: Die erste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" habe ich zwar geguckt, aber das war nichts für mich. In meinen Augen ist das viel zu schnelllebig, der Hype der Sendung ist viel zu schnell vorbei. Für mich ist Musik kein Wettbewerb, kein Vergleich, sondern viel mehr ein Ausdruck seiner selbst. Bei meiner Musik geht es um mich und um meine Gefühle. Es geht mir nicht darum, eine prominente Jury zu überzeugen. 

Sängerin Lea ist als Patin bei der Sendung 'Dein Song', zu sehen von Montag bis Donnerstag auf KiKA.
Foto: Melanie Grande, dpa | Sängerin Lea ist als Patin bei der Sendung "Dein Song", zu sehen von Montag bis Donnerstag auf KiKA.

Trotzdem bist du gerade Musikpatin bei der Casting-Show "Dein Song" auf KIKA. Was reizt dich an dieser Aufgabe?

Lea: Das Konzept dieser Casting-Show mag ich und sie richtet sich auch speziell an Kinder. Alle Kinder spielen selbst Instrumente und komponieren ihren eigenen Song. So habe ich es ja auch gemacht, daher ist mir das sehr sympathisch.

Du bist in Kassel aufgewachsen und vor Kurzem von Hannover nach Berlin gezogen. Wo ist für dich Heimat?

Lea: Heimat ist für mich an allen drei Orten. In Kassel bin ich aufgewachsen, man kennt hier natürlich fast jeden Platz und hat viele Verbindungen. Meine Eltern leben noch dort und ich komme oft nach Kassel. Hannover war für fünf Jahre meine Homebase, dort habe ich Sonderpädagogik und Musik studiert und viele Freunde kennengelernt. Durch den Plattenvertrag war ich schon vorher viel in Berlin und es macht jetzt vieles einfacher, dass ich nach Berlin-Neukölln gezogen bin. 

Du bist schon mit Mark Forster aufgetreten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Lea: Mark ist beim gleichen Label wie ich, bei Four Music, daher kennen wir uns sowieso. Bei der Echo-Gala 2016 habe ich ihn bei dem Song "Wir sind groß" als Background-Sängerin unterstützt. Das war das erste große TV-Erlebnis für mich. Meinen Song "Zu dir" hat Mark übrigens mitgeschrieben.

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Wie und wann schreibst du deine Songs?

Lea: Früher habe ich immer im Wohnzimmer bei uns zuhause, später in meinem WG-Zimmer meine Songs geschrieben. Mittlerweile schreibe ich viel mit Freunden zusammen. Texten ist viel schwieriger, als die Melodie zu finden. Im Deutschen wird jedes Wort auseinander genommen. Es geht mir beim Texten darum, ehrlich zu sich selbst zu sein und damit aufzuhören, sich zu vergleichen, mehr auf sich selbst zu achten.

Kann man von Musik heute noch leben?

Lea: Seit letztem Jahr lebe ich davon, aber ich hatte quasi auch zehn Jahre Vorbereitungszeit. Es war eine lange Zeit, in der ich Songs quasi ins Leere geschrieben habe. Streaming-Dienste wie Spotify sehe ich nicht so kritisch. Immer mehr Leute hören nicht das ganze Album, sondern nur eine Playlist. Daher ist es ganz wichtig dass man bei Spotify in den Playlists vertreten ist, zum Beispiel in der "Sommer"-Playlist oder "Top Hits Deutschland"- oder "Wach-auf"-Playlist. Es gibt da ganz viele verschiedene.

Du bist ab März auf Tour, kommst auch nach Würzburg. Was ist für dich das Besondere an den Liveauftritten?

Lea: Das Besondere ist, dass man die unmittelbare Reaktion der Leute auf die Musik mitbekommt. Wir spielen diesmal 19 Termine in 26 Tagen. Mittlerweile kommen Hunderte Leute zu meinen Shows. Das ist so ein tolles Gefühl, vor diesen Leuten live singen zu dürfen. Einen Live-Moment kann man nicht ersetzten, weil er so intensiv ist.

Karten für das Konzert von Lea am Mittwoch, 27. März, in der Posthalle in Würzburg gibt es unter (0931) 6001 6000.

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