Würzburg

Kinderpalliativteam in neuen Räumen

Sie ummanteln die ganze Familie: Die Krankenschwestern und Ärzte des Kinderpalliativteams kümmern sich mittlerweile um 25 Kinder und ihre Familien. Darunter auch der 18 Monate alte Theo Boffo und seine Mutter Melanie Turenne.
Foto: Angie Wolf | Sie ummanteln die ganze Familie: Die Krankenschwestern und Ärzte des Kinderpalliativteams kümmern sich mittlerweile um 25 Kinder und ihre Familien.

Beim Kinderpalliativteam der Malteser in Würzburg kehrt endlich Ruhe ein. Dazu gehört nicht nur, dass die Krankenkassen eingelenkt haben und nun bereit sind, die kostendeckende Finanzierung zu übernehmen. Auch der Einzug unter das Dach der Malteser Regionalleitung für Bayern und Thüringen am Würzburger Heuchelhof festigt die unterfrankenweite Arbeit des Kinderpalliativteams. Am Freitag wurden der neue Stützpunkt und die Mitarbeiter von Domkapitular Clemens Bieber gesegnet.


Sie kümmern sich um Kinder und Jugendliche, die keine Chance mehr auf Heilung haben. Um junge Menschen, die umsorgt sterben sollen. Zuhause, im Kreis der Familie. Das Kinderpalliativteam der Malteser betreut und versorgt vom Würzburger Heuchelhof aus aktuell 25 Familien in Unterfranken, deren Kinder unheilbar krank sind. Vier Ärzte, fünf Krankenschwestern, eine Sozialpädagogin und ein Seelsorger sind rund um die Uhr für Patienten und ihr Umfeld da.

Erste Gespräche im Mai 2014

In den neuen Räumen werden die Mitarbeiter wohl die wenigste Zeit verbringen. Hier wird überwiegend die Bürokratie erledigt. Das Palliativteam ist viel unterwegs. Auch in Teilen Baden-Württembergs, die an Bayern grenzen, kümmern sich die Kinderärzte und Krankenschwestern um Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Erkrankungen. Kinderärztin Elke Schellenberger leitet das Projekt, über das zum ersten Mal an einem runden Tisch im Klinikum Aschaffenburg gesprochen wurde. Das war am 7. Mai 2014.

Es folgten regelmäßige Treffen, der Entschluss unterfrankenweit tätig zu sein und Verhandlungen mit möglichen Trägern. „Das war schwierig und hat sich hingezogen“, blickte Elke Schellenberger auf die Anfangszeit zurück. Während in allen anderen bayerischen Regierungsbezirken Kinderpalliativteams an Kinderkliniken angeschlossen sind, hat sich diese Möglichkeit in Unterfranken nicht ergeben. Professor Paul-Gerhardt Schlegel, Leiter der Onkologie an der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg, schlug dann die Malteser als Träger vor.

Neuland für die Malteser

„Für die Hilfsorganisation war das absolutes Neuland. Deutschlandweit gibt es kein Kinderpalliativteam, das von den Maltesern getragen wird“, schilderte Schellenberger die Situation. Im Dezember 2015 sagten die Malteser schließlich zu, im Oktober 2016 übernahm Elke Schellenberger die Projektleitung. Von nun an galt es, einen ordentlichen Grundstock für den Start zusammen zu bekommen. Mit der Landtagspräsidentin Barbara Stamm gewannen die Malteser eine Mitstreiterin, die das Kinderpalliativteam zu ihrer „Herzensangelegenheit“ machte, so Schellenberger. Große Summen kamen zusammen. Unter anderem 210 000 Euro von der Caritasstiftung der Diözese, 240 000 Euro durch die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks.

Doch Familien und ihre schwer kranken Kinder mussten immer noch auf die Versorgung durch das Palliativteam warten. „Durch die schwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen wurde der Start immer weiter nach hinten verschoben“, so Elke Schellenberger. „Es war eine Berg- und Talfahrt.“ Bei den Verantwortlichen kehrte Skepsis ein. Als dann am 1. Oktober die Entscheidung fiel, endlich zu beginnen, gab es immer noch keinen Vertrag mit den Kassen. Der kam erst durch öffentlichen Druck kurz vor Weihnachten zur Erleichterung aller zustande. „Barbara Stamm war uns in dieser Zeit eine große Stütze“, bedankte sich Elke Schellenberger im Namen der Malteser bei der Landtagspräsidentin.

„Ich war oft wütend“, erwiderte Barbara Stamm in ihrem Grußwort und forderte, dass die Politik sich wieder mehr Verantwortlichkeiten zurück holt. „Denn die Menschen kommen zu denen, die sie gewählt haben.“ Professor Schlegel sprach die Krankenkassen an. Drei Milliarden Euro sollen sich als finanzielle Reserve im Gesundheitsfonds befinden. „Wenn Sie davon einen signifikant kleinen Beitrag in das Kinderpalliativteam investieren, dann haben Sie gut investiert.“

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