Würzburg

Kommentar: Exzellente Forschung gibt's nicht nur in München!

Würzburg wird weiterer Standort des nationalen Tumorzentrums. Das ist eine gute Nachricht für Krebspatienten – und ein Fingerzeig für die bayerische Wissenschaftspolitik.
Würzburg wird Standort des Nationalen Tumorzentrums, Dresden ist es schon. Hier wurde in dieser Woche der Neubau eröffnet, im Bild eine technische Assistentin bei der Arbeit im Labor.
Foto: Sebastian Kahnert, dpa | Würzburg wird Standort des Nationalen Tumorzentrums, Dresden ist es schon. Hier wurde in dieser Woche der Neubau eröffnet, im Bild eine technische Assistentin bei der Arbeit im Labor.

Mit Superlativen sollte man sparsam sein, sonst bleiben sie keine. Doch bei dem, was in dieser Woche Bundesforschungsministerin Anja Karliczek für Würzburg verkündet hat, braucht es keine Zurückhaltung. Durch die Wahl zum neuen Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) haben Universität und Uniklinik ein dickes Ausrufezeichen gesetzt – für die Forschung in Würzburg und Patienten in der ganzen Region.

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Diese bekommen noch mehr als bisher Zugang zu neuesten Therapien und Medikamenten im Kampf gegen die Geißel Krebs. Fast jeder zweite Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einem Tumor, jährlich werden rund 6800 neue Krebsfälle allein in Unterfranken gemeldet. Da tut es gut, ausgewiesene Experten in der Nähe zu wissen.

Künftig ist Würzburg einer von bundesweit sechs NCT-Standorten – und der Zuschlag kommt nicht von ungefähr. Die Uniklinik hat in zwei Jahrzehnten die Krebsforschung beharrlich weiterentwickelt, exzellente Ärzte und Forscher an den Main geholt und die Infrastruktur ausgebaut. Es passt ins Bild, dass das bayerische Landesamt für Gesundheit (LGL) gerade eine neue Stiftungsprofessur für eine bessere Krebstherapie einrichtet – an der Universität Würzburg.

Prof. Hermann Einsele.
Foto: Johannes Kiefer | Prof. Hermann Einsele.

Denke man nur zurück an die Gründung des Stammzell-Transplantationszentrums, das nicht zuletzt einem großen bürgerschaftlichen Engagement zu verdanken war. Mit Hermann Einsele kam damals ein Krebsforscher aus Tübingen nach Würzburg, der sich als Glücksfall erweisen sollte. Nicht nur, weil der Hämatologe eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist. Sondern weil er in Würzburg ein Netzwerk geschaffen hat, in das sich ambitionierte Mediziner ebenso einbringen wie Selbsthilfegruppen.

Raus aus dem Elfenbeinturm, ran ans Patientenbett

Weil das, was sie tun, wissenschaftlich hochkomplex ist, machen die Forscher nicht unbedingt Schlagzeilen in der breiten Öffentlichkeit. In Fachkreisen wohl. Es war ein international hochrangiges Expertengremium, das die Leistungen und Perspektiven der Onkologie in Würzburg jetzt anerkannt hat. Sich indes nicht im Elfenbeinturm verschanzen, sondern immer die Patienten im Blick haben – das war die Devise für den Wettbewerb und für Würzburg ein Schlüssel zum Erfolg.

Die Entscheidung bedeutet für die Uniklinik: 13 Millionen Euro jährlich vom Bund für das neue Krebszentrum, dazu weitere ein bis zwei Millionen und ein eigenes Gebäude vom Freistaat. Das ist echte Exzellenz-Förderung und bringt mehr Geld, als die Universität mit ihrem Quantenphysik-Cluster in der vergangenen Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern einwerben konnte.

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Miserabel hatte Bayern in diesem bundesweiten Wettbewerb abgeschnitten, lediglich die beiden dominanten Münchner Unis konnten als Exzellenz-Universitäten punkten. Doch jetzt, bei der Standortwahl für das nationale Krebszentrum, hatten sie das Nachsehen in der Runde  der acht Bewerber.

Freistaat muss wissenschaftliche Spitze auch in Nordbayern fördern

Insofern ist die Entscheidung für Würzburg auch ein Fingerzeig Richtung Landeshauptstadt und Staatsregierung: Wenn Weichen rechtzeitig gestellt (und finanziert) werden, schafft wissenschaftliche Exzellenz auch andernorts in Bayern den Durchbruch – vor allem, wenn Hochschulen zusammenarbeiten: Würzburg hat für das Tumorzentrum die Unikliniken Erlangen, Regensburg und Augsburg als Partner ins Boot geholt.

Das war nicht uneigennützig, weil Größe für klinische Studien wichtig ist. Das Kooperationsmodell konnte aber auch deshalb überzeugen, weil es die besten Experten verschiedener Gebiete zusammenbringt – wie schon im Bayerischen Krebsforschungszentrum, gegründet ebenfalls unter Würzburger Federführung. Die Botschaft dieser Woche lautet: Nicht Einzelkämpfertum führt zum Erfolg, sondern Netzwerken und Bündeln von Kompetenz. Und davon gibt es reichlich in Nordbayern!

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