Würzburg

Konzert in St. Johannis: Sphärische Klänge mit dem Windsbacher Knabenchor

Im Rahmen der Bachtage trat der Windsbacher Knabenchor am Mittwoch in der St. Johanniskirche in Würzburg auf.
Foto: Silvia Gralla | Im Rahmen der Bachtage trat der Windsbacher Knabenchor am Mittwoch in der St. Johanniskirche in Würzburg auf.

Vorweihnachtliche a-cappella-Musik, vorgetragen vom Windsbacher Knabenchor, und Orgelstücke des kraftvoll und entschlossen aufspielenden Kirchenmusikers Tyron Kretzschmar fügten sich gefällig in das diesjährige Programm der Würzburger Bachtage ein. Die circa fünfzig Knaben und jungen Männer in ihren schwarzen Chorhemden mit den weißen Kragen standen nicht wie gewohnt auf Tuchfühlung, konnten Impuls, Ton, Atem ihres Nebenmanns nicht spüren. Doch auch mit Corona-Abstand boten sie ein bemerkenswertes Programm internationaler Komponisten an.

Über die Klarheit des Chorklangs gibt es nichts Neues zu sagen, gehören die jungen Sänger doch zu den national und international renommierten Knabenchören. Chorleiter Martin Lehmann malt ihnen förmlich die Geschichten vor, die sie in Musik umsetzen. Mit Mimik, flatternden Fingern, Körpersprache entlockt er den Knaben, den jungen Männern Gänsehaut-Momente, expressive Augenblicke und sphärische Klänge.

Der Windsbacher Knabenchor Konzert begeisterte in Würzburg sein Publikum.
Foto: Silvia Gralla | Der Windsbacher Knabenchor Konzert begeisterte in Würzburg sein Publikum.

Die achtstimmige Motette "Lux Aurumque" des 1970 geborenen Amerikaners Eric Withacre schwebt wie Engelsgesang, trotzdem kommt das leiseste Pianissimo noch voller Power. Da strahlt und jubelt das "Halleluja" des "O Magnum Mysterium", ebenfalls eine Mottete für achtstimmigen Chor des 1949 geborenen Spaniers Javier Gusto.

Erzählung von der Erschaffung der Welt

Das Gedicht "Ich lebe mein Leben" von Rainer Maria Rilke hat der in Litauen geborene Vytautas Miskinis (geboren 1954) vertont. Den jungen Sängern gelingt eine sich in Wellen bewegende Tonfolge, innig, sich steigernd und in der Frage gipfelnd: "Bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang".

Mit vier Männerstimmen baut sich "The Creation" von Willy Richter (1903 - 1940) auf, eine spannend vorgetragene Erzählung von der Erschaffung der Welt, in der am Ende nicht nur das Licht strahlt, sondern auch die jungen Tenöre und Bässe.

Der Schwede Jan Sandström (geboren 1954) hat das Adventslied "Es ist ein Rot entsprungen" für zwei Chöre zu zwölf Stimmen geschaffen, die die Melodie summen oder von der Empore am hinteren Ende des Kirchenschiffs in Worte modellieren. Für das geistliche Volkslied "Maria durch ein Dornwald ging" hat Günter Raphael (1903 - 1960) eine Version für fünfstimmigen Chor geschaffen. Dirigent Lehmann lässt einzelne Strophen von einem berührenden Sopran- und einem Tenorsolo singen, die, wie so viel an diesem Abend, mitten ins Herz gehen.

Nach neunzig beglückenden Minuten brandet in der nach Corona-Vorgaben besetzten und in einer kleinen Pause durchgelüfteten St. Johanniskirche herzlicher und lang anhaltender Applaus auf.

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