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Krämersgasse: Alter bleibt unklar

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Krämersgasse: Alter bleibt unklar

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    Weil Agnes Keß vom Landesamt für Denkmalpflege und ihr Helfer Felix Röhr in der Hauptstraße aus Sicherheitsgründen nicht tiefer als 1,25 Meter graben konnten, stießen sie nicht bis auf den Boden der alten Kellergewölbe vor.

    Dort wären wahrscheinlich Funde zu Tage gekommen, so Keß, die Rückschlüsse auf die Lebensweise der damaligen Bewohner gegeben hätten. Und sie hätten geholfen, die Kernfrage zu beantworten: Wann wurden die Häuser der Krämersgasse gebaut? Mit der Antwort werde man warten müssen, bis im Rahmen der Altstadt-Umgestaltung die Kirchenmauer saniert wird, sagte Hauptkonservator Dr. Michael Hoppe vom Landesamt gegenüber der MAIN-POST. Wie berichtet, waren die Grabungen in puncto Krämersgasse vorgezogen worden, um später in der Hauptstraße die Sanierung der Kanäle und Wasserleitungen nicht zu behindern.

    Diese Arbeiten wiederum sind Teil der umfangreichen Umgestaltung von Haupt- und Brückenstraße, die Ende 2007 abgeschlossen sein soll. Zwei Tage lang arbeiteten sich Agnes Keß und Felix Röhr in zwei Gruben mit Spachtel, Besen und Schaufel bis zu den Keller-Resten der Krämersgasse vor. "Es war zu erwarten, dass hier was kommt", beschrieb Grabungstechnikerin Keß die Funde. Ein Teil eines Gewölbekellers, Reste einer Außenwand sowie einige laut Keß historisch nicht bedeutende Scherben kamen ans Tageslicht. Die Archäologen nahmen gestern die Maße der Mauerreste, damit am Computer die gesamte Größe und genaue Lage der Häuserzeile ermittelt werden kann. Die Daten wandern dann nach Angaben von Hauptkonservator Hoppe ins Archiv des Landesdenkmalamtes. Die Gruben werden voraussichtlich am heutigen Freitag provisorisch wieder zugeschüttet. Laut Keß werden die Funde in einigen Wochen abgegraben, wenn an dieser Stelle die Kanäle und Wasserleitungen saniert werden.

    Dass die Gebäudereste verschwinden werden, sei aus archäologischer Sicht vertretbar. "Die Gewölbe sind keine Sensation für uns." Auch die kleinen Tierknochen und neuzeitlichen Scherben - wahrscheinlich von Kacheln oder Deckeln - sind für Keß uninteressant. Eine in anderen Städten umgesetzte Idee hält Keß im Fall der Krämersgasse für wenig sinnvoll: Die Gebäudereste unter einer begehbaren Glasplatte auszustellen, sei technisch viel zu aufwendig. Denn die Steine müssten ständig temperiert werden, "ansonsten zerbröseln sie mit der Zeit". Erfreulich war für die Grabungstechnikerin das große Interesse von Passanten. Viele hätten erzählt, dass sie in ihren Häusern in der Altstadt ähnliche Kellergewölbe hätten. Aber hin und wieder habe es Zweifler gegeben, die die Arbeit der Archäologen als Steuerverschwendung sahen.

    Im Blickpunkt
    Krämersgasse Etwa von der Engel-Apotheke bis mindestens zum Kriegerdenkmal stand bis 1878 eine schmale Häuserreihe, in denen die Bewohner auch Vieh hielten. Es muss eng, muffig und hygienisch zweifelhaft zugegangen sein. Die Sterblichkeitsrate war höher als in anderen Teilen der Altstadt. Nach zähen Verhandlungen mit den Eigentümern verfügte die Stadtverwaltung schließlich den kompletten Abriss.

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