Würzburg

Kunst im Zeichen der Freiheit

Die Graffiti-Künstler (von links) Andreas Pistner (Monkey), Christoph Ulherr (Kapuze) und Andreas Demko (31graffix) sind an der Wand der Mittelschule Zellerau zugange. Im Mittelpunkt ihres Kunstwerks soll eine hölzerne Jungenfigur a la Pinocchio stehen.
Foto: Theresa Müller | Die Graffiti-Künstler (von links) Andreas Pistner (Monkey), Christoph Ulherr (Kapuze) und Andreas Demko (31graffix) sind an der Wand der Mittelschule Zellerau zugange.

Wow, das ist echt ganz schön hoch! 15 Meter fährt die Hebebühne an der Wand der Zellerauer Mittelschule nach oben. „Seitenverkleidungen gibt es nicht, man schaut zwangsläufig runter“, sagt Andreas Demko, einer von 16 Künstlerinnen und Künstlern, die am 4. Streetart- und Graffitikünstlerfest StreetMeet teilnehmen. Noch bis Sonntag werden in der Zellerau Wandflächen bemalt. Die Fassade an der Mittelschule ist mit 150 Quadratmetern eine der größten.

Drei Künstler an der Schulwand

Drei Graffiti-Künstler sind an der Schulwand zugange: Andreas Demko, Christoph Ulherr und Andreas Pistner. Seit 20 Jahren malt das Trio zusammen. Das Konzept für ihr bisher höchstes Wandkunstwerk entstand während der vergangenen zwei Monate. „Inhaltlich sollte es sowohl zur Schule als auch zum benachbarten Theater am Neunerplatz passen“, erklärt Demko. Im Mittelpunkt steht eine hölzerne Jungenfigur a la Pinocchio. In der Hand hält die Marionette einen geometrisch konstruierten Baum – so, wie ihn typischerweise Andreas Pistner malt.


Christoph Ulherr ist in erster Linie für den Schriftzug verantwortlich. „Wir sind geboren, um frei zu sein“, wird am Sonntag auf der Mauer prangen. Ein Spruch von Rio Reiser, den die Schüler durchaus politisch verstehen dürfen, so Ulherr: „Denn wir sind für die Freiheit.“ Er selbst, gibt er zu, habe sich in der Schule nie sonderlich frei gefühlt. Wahrscheinlich wählte er deswegen die Kunst als privaten und beruflichen Lebensinhalt. An dem von der Stadt Würzburg unterstützten StreetMeet nimmt Ulherr teil, weil auch diese Veranstaltung den Geist der Freiheit atmet: „Es gibt keine Vorgaben, wie wir die Wände bemalen sollen.“

Alles andere wäre auch Auftragskunst. Und würde Tausende Euro kosten. Für ihre einwöchige Arbeit in Hitze und schwindelnder Höhe erhalten die Teilnehmer am StreetMeet nichts. Im Gegenteil. Das Organisationsteam, dem Christoph Ulherr angehört, hatte heuer nicht wenig Mühe, Gelder für das Festival einzuwerben. 2015 war das noch leichter, weil der Verein „Kunst im öffentlichen Raum“ hinter dem StreetMeet stand. Doch der ist inzwischen aufgelöst. So fiel eine gemeinnützige Organisation weg, die Spenden akquirieren konnte.

Dafür, dass sie keinen Cent verdienen, hängen sich die Streetartisten unglaublich ins Zeug. Eine 150 Quadratmeter große Wand zu bemalen, bestätigt das Trio von der Zellerauer Mittelschule, stellt eine echte Herausforderung dar. „Wir testen an dieser Fassade unsere Grenzen“, erklärt Andreas Demko, der mit seinen beiden Graffiti-Kollegen normalerweise auf Leitern malt.

Dass es sehr schwierig ist, eine Fassade zu bemalen, kann jeder nachempfinden, der schon mal ein richtig großes Bild fabriziert hat. Um zu sehen, ob alle Proportionen stimmen, tritt man von Zeit zu Zeit vom Gemälde zurück. Aus der Distanz heraus wird sichtbar, wo korrigiert werden muss. „Das können wir natürlich nicht tun“, so Ulherr. Das Trio malt dicht an der Wand, jeder hat einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtkunstwerk vor sich. Abwechselnd fahren die Künstler zwischendurch nach unten, um sich vom Boden aus Regieanweisungen zu geben.

Nach Feierabend tauschen sie sich mit ihren Kollegen aus. Wobei das StreetMeet heuer nicht ganz so international ist wie in den vergangenen Jahren. „Leider musste ein Teilnehmer aus Italien absagen“, bedauert Ulherr. Dafür sind nach wie vor zwei Franzosen mit von der Partie. Dass der Großteil der Künstler diesmal aus Würzburg kommt, findet der 36-Jährige nicht nachteilig. Gerade auch die lokalen Künstler schätzten die Chance, über das StreetMeet einmal großflächig malen zu können: „Das haben wir nicht jeden Tag.“

SkF verschönert Fassade

Für Herbert Fröhlich, Leiter der Erziehungsberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in der Zellerau, ist das StreetMeet eine hervorragende Gelegenheit, die oft beschmierte Fassade des SkF-Gebäudes in der Frankfurter Straße zu verschönern. Eine Geisha wird bis Sonntag unterhalb der einst von Norbert Böll gemalten Sonnenuhr zu sehen sein. Den Entwurf, gibt Fröhlich zu, habe er sich zeigen lassen. Nicht, um den Künstlern die Freiheit zu nehmen. Sondern um zu schauen, ob das neue Kunstwerk auch wirklich halbwegs zum alten passt.

StreetArt-Künstlerin Tigapigs malt an einer Fassade im Moscheeweg.
| StreetArt-Künstlerin Tigapigs malt an einer Fassade im Moscheeweg.
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