Würzburg

Landesanstalt für Gartenbau sucht wärmeresistente Bäume der Zukunft

Hier wird die „Fieberkurve“ an einem Baum ermittelt: Eine Forschergruppe an der LWG hat eine Silberlinde am Friedrich-Bergius-Ring „verkabelt“ und mit Temperatursensoren an Wurzel, Stamm, Krone und Blättern ausgestattet. Gemessen werden neben der Temperatur auch Windgeschwindigkeit und Strahlung.
Foto: Wilma Wolf | Hier wird die „Fieberkurve“ an einem Baum ermittelt: Eine Forschergruppe an der LWG hat eine Silberlinde am Friedrich-Bergius-Ring „verkabelt“ und mit Temperatursensoren an Wurzel, Stamm, ...

Wer ist der Beste im ganzen Land? Wissenschaftler an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim suchen den Stadtbaum der Zukunft. Und das sogar mit ungewöhnlichen Mitteln.

Der Klimawandel setzt den einheimischen Baumarten kräftig zu. Die Straßenbäume in den Städten leiden unter massivem Trockenstress und werden mehr und mehr aus dem Bild der Innenstädte verschwinden, erklärt Dr. Susanne Böll, Leiterin des Projektes „Stadtgrün 2021“ an der LWG. Hinzu kommt, dass einige Arten zunehmend von Krankheiten oder Schädlingen geschwächt werden oder sogar ganz absterben.

„Die Gattung Ahorn bricht uns überall weg“, sagt Böll. In fast allen Städten leide der Ahorn massiv unter Trockenstress und werde nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden, so die düstere Prognose. Ein Standort in der Stadt bedeute für die Bäume zunehmend Stress aufgrund von steigenden Temperaturen und längeren Trockenperioden. Deshalb kränkeln Linde, Ahorn, Platane, Esche und Kastanie. Manchmal fallen sie auch ganz aus.

Aus diesem Grund begann die LWG bereits im Jahr 2010 damit, 20 vielversprechende nicht heimische Baumarten auf ihre Eignung als Stadtbäume zu testen. Inzwischen sind es 30 Baumarten in sechs- bis achtfacher Wiederholung allein in Würzburg.

Insgesamt 660 zukunftsträchtige Bäume überwiegend aus dem (süd-)osteuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum wurden für den Versuch an drei Standorten in Bayern gepflanzt: in Würzburg mit seinem Weinbauklima mit überdurchschnittlich langen Trockenperioden, in Münchberg bei Hof mit hoher Frostgefährdung (Bayerisch Sibirien) und in Kempten mit einem gemäßigten, niederschlagsreichen Voralpenklima.

„Wir wollen rausfinden, welche Baumarten für welche Region in Bayern besonders gut geeignet sind oder eben gar nicht“, erläutert die Fachfrau. „Stadtgrün 2021“ nennt sich das Projekt. Bereits 2015 gab es erste Ergebnisse.

Nun liegen weitere, vielversprechende Daten vor. „Die Hainbuche und die Hopfenbuche aus Südosteuropa lieben Wärme und Hitze, denen geht es hier am besten“, erläutert Böll am Standort Friedrich-Bergius-Ring in Würzburg. Und auch die Silberlinde kommt gut klar, in jedem Fall besser als die heimische Linde.

Bereits im „Steppensommer“ von 2015 haben diese Arten ihre Feuertaufe bestanden. 31 Hitzetage mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius haben sie gut weggesteckt. „Während die heimischen Stadtbäume viel Laub ließen überzeugten die Testkandidaten mit saftigem Grün“, sagt die Wissenschaftlerin. Auch die Spätfröste des diesjährigen Frühjahrs haben sie unbeschadet überstanden.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Versuch, vor allem dass die Auswahl der gepflanzten Bäume offensichtlich nicht schlecht war“, meint sie. Zur „Best of“-Liste gehört aber auch die Zerreiche und die ungarische Eiche, die 2015 gar nicht gewässert werden musste. „Die stand da wie eine Eins“, so Böll.

Doch wie machen die Zukunftsbäume das eigentlich, dass sie mit der Trockenheit und Hitze besser umgehen können als andere? Das will die Forschergruppe an der LWG jetzt mit einem Pilotprojekt herausfinden. Dafür wurde eine Silberlinde am Friedrich-Bergius-Ring „verkabelt“ und mit Temperatursensoren an Wurzel, Stamm, Krone und Blättern ausgestattet. Gemessen werden neben der Temperatur auch Windgeschwindigkeit und Strahlung.

Diese „Fieberkurve“ soll den Wissenschaftlern Aufschluss darüber geben, wie sich der Baum bei Hitzewellen verhält. Im nächsten Jahr soll der Versuch auch mit einheimischen Baumarten gemacht werden, um zu sehen, was die einen können und die anderen nicht.

Von der Silberlinde kennt Böll schon mal einen genialen Mechanismus gegen Hitzestress: „Wenn es richtig heiß wird, dreht sie einfach ihre weiße Blattunterseite nach oben und reflektiert so das Sonnenlicht. Eine weiße Fläche wird nie so heiß wie eine dunkle.“

Etwa 6000 Euro kostet die Verkabelung der Silberlinde, rund 750 000 Euro sind bisher in das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“ geflossen. Bis 2021 soll es fortgeführt werden und vor allem Gartenämtern und Baumschulen Empfehlungen für Neupflanzungen an die Hand geben.

Und eines sei ganz wichtig: Die neuen Arten sind keine Exoten, sondern den Heimischen vom Aussehen sehr ähnlich. So beispielsweise der Amberbaum, der dem Ahorn ähnelt, sei für einen Laien von diesem kaum zu unterscheiden.

Weitere Infos unter www.lwg.bayern.de/landespflege/urbanes_gruen/ index.php

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