Würzburg

Landhandel schafft Lagermöglichkeiten für Bio-Getreide

Erstmalig in der bald 90-jährigen Geschichte des Agrarhandel Eckert lagern dort rund 1200 Tonnen so genanntes Umstellungsgetreide. Bernhard Schwab vom  AELF Bamberg; Fachzentrum Ökolandbau (links) und Jochen Diener, Allianz-Projekt-Manager der Öko-Modellregion „Waldsassengau im Würzburger Westen“ (rechts) freuen sich mit Heinrich Eckert, Philipp Eckert, Karin Eckert und Peter Eckert.
Foto: Herbert Ehehalt | Erstmalig in der bald 90-jährigen Geschichte des Agrarhandel Eckert lagern dort rund 1200 Tonnen so genanntes Umstellungsgetreide.

„King of the Corn“ nennt sich der Agrarhandel Eckert in Remlingen und rechtfertigt diesen eigenen Anspruch insbesondere hinsichtlich der Getreide-Lagerung. Gemeinsam mit der als Öko-Modellregion anerkannten Allianz „Waldsassengau im Würzburger Westen“ machen die Kooperationspartner ihren ökologischen Ansprüchen nun alle Ehre. Erstmalig in der Geschichte des 1929 gegründeten Familienunternehmens Agrarhandel Eckert in Remlingen lagern dort nach der abgeschlossenen Getreideernte 1200 Tonnen so genanntes Bio-Umstellungsgetreide. Weniger diese Menge als deren Zustandekommen ist bemerkenswert.

Die als Öko-Modellregion anerkannte Allianz „Waldsassengau im Würzburger Westen“ umfasst die Gemeinden Altertheim, Eisingen, Greußenheim, Helmstadt, Hettstadt, Holzkirchen, Kist, Kleinrinderfeld, Neubrunn, Remlingen, Uettingen, Waldbrunn und Waldbüttelbrunn. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe in diesem Bereich orientieren sich weg von der konventionellen Landwirtschaft hin zum Öko-Landbau.

Herausforderung ist die Lagerung

Die Herausforderung dabei liegt nach Überzeugung von Bernhard Schwab, Fachberater beim Amt für Landwirtschaft und Forsten Bamberg, allerdings weniger in der Produktion oder Vermarktung der Erzeugnisse als vielmehr in deren Lagerung.

Erstmalig in der fast 90-jährigen Geschichte des Familienunternehmens stellte sich bei der diesjährigen Getreideernte der Agrarhandel Eckert in Remlingen dieser Herausforderung. Trotz der witterungsbedingten erschwerten Erntebedingungen ermöglichte das Familienunternehmen sowohl die Anlieferung von konventionellem, als auch auf Öko-Landbau-Basis angebautes Getreide.

Getrennte Lagerbereiche

Voraussetzung dafür war neben der Schaffung eigener, getrennter Lagerbereiche auch eine Zertifizierung des alteingesessenen Agrarhandels. Damit reagierte das Familienunternehmen auf die stetig steigende Zahl an Öko-Landbau-Betrieben innerhalb der als Öko-Modellregion anerkannten Allianz „Waldsassengau“.

Lediglich drei Betriebe aus dem Eckert-Kundenstamm lieferten auf Ök-Landbau-Basis in der Vergangenheit Getreide an. In diesem Jahr allerdings waren es weitere 15 Betriebe, die so genanntes Umstellungsgetreide anlieferten. Dabei handelt es sich um den Ertrag von landwirtschaftlichen Flächen, die in der Vergangenheit konventionell bewirtschaftet wurden.

„Zwei Jahre dauert die Umstellungsphase von konventionell beackerten Flächen, bis sie ab der dritten Ernte als Öko-Ertrag anerkannt werden“, erklärt Bernhard Schwab, Fachberater beim Amt für Landwirtschaft Bamberg.

„Sowohl beim Anbau und Dreschvorgang durch die Landwirte, der Ablieferung in der Schütt-Gosse, als auch bei der Lagerung gelten strenge Richtlinien, verbunden mit entsprechendem Mehraufwand. Dennoch darf so genanntes Umstellungsgetreide lediglich als Futtergetreide verwertet werden. Aber egal welche Verwertung: nach dem Dreschvorgang gilt Getreide als Lebensmittel und unterliegt deshalb dementsprechenden Richtlinien“, verdeutlicht Schwab. Bedingt durch die Umstellung erzielen Landwirte im Öko-Landbau in etwa nur den hälftigen Ertrag, sowie einen etwa zehn Prozent niedrigeren Erlös gegenüber konventionellem Anbau für die als Futtergetreide bewertete Ernte.

Ausgleichszahlungen

Einen finanziellen Ausgleich erhalten die landwirtschaftlichen Betriebe über das KULAP (bayerische Kulturlandschaftsprogramm). Mit dem KULAP gewährt der Freistaat bereits seit 1988 den Landwirten Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Um den gesellschaftlichen Herausforderungen Rechnung zu tragen, wurde das Programm noch gezielter auf Gewässer-, Boden- und Klimaschutz, auf Biodiversität und auf den Erhalt der Kulturlandschaft ausgerichtet.

Mit 350 Euro je Hektar bewirtschafteter Fläche werden landwirtschaftliche Betriebe in den beiden ersten Jahren gefördert. Ab dem dritten Jahr beläuft sich die staatliche Subvention dauerhaft auf 273 Euro je Hektar. Dennoch sieht Fachberater Bernhard Schwab mannigfache Gründe, gepaart mit wirtschaftlichen Überlegungen in Abwägung von Förderung, Ertrag und Erlös für die zunehmenden Betriebsumstellungen.

Einen wesentlichen Grund für den stetig steigenden Anteil am Öko-Landbau sieht Schwab in Betriebsübergaben an die jüngere Generation.

„Letztlich ist eine Umstellung aber für jeden Betrieb ein Rechenexempel. Nicht zu vergessen dabei sind vor allem auch weniger Auflagen hinsichtlich Düngeverordnungen und Pflanzenschutz, was sich als Kosteneinsparungen auswirkt“, meint Schwab.

Stärkung für Öko-Modellregion

Dankbar zeigt sich Projekt-Manager Jochen Diener gegenüber dem Agrarhandel Eckert, auf ökologische Neuausrichtungen von landwirtschaftlichen Betrieben innerhalb des „Waldsassengau“ reagiert zu haben. „Die nun vorhandenen Lagermöglichkeiten stärken die Öko-Modellregion „Waldsassengau im Würzburger Westen“, ist Diener überzeugt.

Zahlen zum Öko-Landbau

„Vergleichsweise starke Zuwachsraten“ sind nach den Beobachtungen von Fachberater Bernhard Schwab vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Frosten im Öko-Landbau in Unterfranken seit dem Jahr 2007 zu verzeichnen. In Unterfranken wirtschafteten im Jahr 2017 knapp 800 Betriebe nach den Kriterien des Öko-Landbaus. Innerhalb von neun Jahren stieg die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Unterfranken von 13 800 Hektar bis 2016 auf 288 800 Hektar. Alleine in den Jahren 2015 und 2016 war ein Flächenzuwachs im Öko-Landbau von 5500 Hektar zu verzeichnen. ehe
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