Würzburg

Lehre statt Leere: Wann geht es wieder zurück in die Hörsäle?

Eigentlich sind an Bayerns Hochschulen wieder Präsenz-Veranstaltungen erlaubt. Aber die Praxis mit Masken und Abstandsgebot sieht anders aus. Man hofft auf das Wintersemester.
Das Auditorium Maximum (Audimax), der zentrale Hörsaal der neuen Universität in Würzburg: Mit Abstand und Maske kann er zumindest teilweise wieder belegt werden.
Foto: Esther Knemeyer Pereira | Das Auditorium Maximum (Audimax), der zentrale Hörsaal der neuen Universität in Würzburg: Mit Abstand und Maske kann er zumindest teilweise wieder belegt werden.

Die niedrigen Corona-Inzidenzen machen es möglich: Seit dieser Woche ist an Bayerns Hochschulen wieder Präsenzbetrieb möglich. Theoretisch zumindest. Die jüngste Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung hat den Weg dafür frei gemacht, und Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) verkündet: "Wir ermöglichen den Einstieg in die Rückkehr auf den Campus." Doch das ist in der Praxis deutlicher vertrackter, als die politische Ankündigung klingt.

Mehr Präsenz, aber nicht weniger digital

Der Minister selbst weist auf die Einschränkungen hin: Entschieden werde an den Hochschulen vor Ort, Abstandsgebot und Maskenpflicht bleiben. Es braucht also schon große Räume für kleinere Gruppen, um überhaupt an Präsenzunterricht zu denken. Außerdem soll keine Studentin und kein Student dazu kurzfristig genötigt werden. Es handele sich um freiwillige Zusatzangebote, "das Sommersemester ist weiterhin digital studierbar".

Darauf hatten sich die Studierenden eingestellt, nicht wenige sind gar nicht am Studienort, sondern wegen der Pandemie notgedrungen wieder zu ihren Eltern gezogen. Sie könnten also gar nicht von heute auf morgen in den Hörsaal zurückkehren. "Vielen ist nichts anderes übrig geblieben", sagt Ingo Heide, Vorsitzender der Sprecherinnen- und Sprecherrats der Uni Würzburg.

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Studierende hätten ihre Nebenjobs verloren, die staatliche Überbrückungshilfe habe die Finanzlöcher nicht ausgeglichen. Dass man nun die Türen Richtung Präsenzbetrieb wieder öffnet, findet Jura-Student Heide grundsätzlich zwar gut. Man wünsche sich eine Rückkehr und den direkten Kontakt, aber: "Das Wichtigste für die Studierenden ist Planbarkeit." Stattdessen beobachtet er ein "Hineinstolpern in Öffnungen".

Studierende hoffen auf mehr Lernplätze an der Uni

Heide warnt vor einer Benachteiligung Einzelner, die gar keine Möglichkeit zur Teilnahme an Präsenzveranstaltungen haben – oder wegen persönlicher Gesundheitsgefahren noch nicht dazu bereit sind. "Da habe ich an Lösungsvorschlägen aus dem Ministerium noch nichts gehört."

Ingo Heide ist aktuell Vorsitzender des Sprecherinnen- und Sprecherrates der Uni Würzburg. 
Foto: Veronika Zirbs | Ingo Heide ist aktuell Vorsitzender des Sprecherinnen- und Sprecherrates der Uni Würzburg. 

Für die 28 000 Studierenden an der Julius-Maximilians-Universität kaum weniger wichtig als Vorlesungen und Seminare: Lernplätze an der Uni, wo sie sich konzentriert auf die kommende Klausurphase vorbereiten können. Denn die Wohnsituation daheim in der Familie oder in der Enge von Studentenzimmern sei oft schwierig. Ingo Heide hofft auf die Schaffung weiterer Lernplätze über die Universitätsbibliothek hinaus.

In Würzburgs Uni-Leitung weiß man um die Probleme – und ist für den Sommer noch zurückhaltend. Auf Anfrage heißt es aus der Pressestelle: "Aufgrund der fortgeschrittenen Planungen des Semesters und der Begrenzungen vor allem durch die Raumgrößen wird vermutlich nur eine überschaubare Anzahl von Angeboten realistisch sein." Auch deshalb, weil man bei Präsenzveranstaltungen allen Studierenden gleichzeitig die Online-Teilnahme ermöglichen müsse.

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Trotzdem will die Uni prüfen, wieweit kurzfristig noch ergänzende Einheiten machbar sind. Sie sollen sich vor allem an Erst- und Zweit- sowie die Abschlusssemester richten. Die Uni-Dozierenden wurden gebeten, für diese Studierenden so viel Präsenz wie möglich anzubieten. Es gehe dabei um Austausch, Vernetzung und Diskurs.

Zeitlich ist das Sommersemester überschaubar. Die Vorlesungen an der Uni enden am 16. Juli, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) bereits eine Woche früher. Auch an der FH ist ein kurzfristiges Umschalten auf Präsenzbetrieb organisatorisch nicht machbar. Dies scheitere schon an der Hörsaal-Kapazität, sagt Präsident Robert Grebner. Sie schrumpfe durch das Abstandsgebot auf ein Viertel.

Viele internationale Studierende an der FHWS sind gar nicht im Land

Und ein Großteil der mehr als 1800 internationalen Studierenden aus über 100 Ländern nähmen derzeit von ihrer Heimat aus an den Digitalvorlesungen teil und dürften teilweise gar nicht einreisen. Dennoch sollen alle FHWS-Dozierenden gemeinsam mit ihren Studierenden abwägen, ob ein Umschalten in den Präsenzbetrieb für die nächsten Wochen noch praktikabel ist.

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Und für das kommende Wintersemester? Minister Sibler spricht bei den aktuellen Öffnungen von einer "Brücke in das Wintersemester", der Präsenzbetrieb solle nach Möglichkeit wieder die Regel sein. Die Hochschulen selbst sind da vorsichtig, richten sich auf ein weiteres "Hybrid-Semester" ein - also mit einer Mischung aus Präsenz und Digitalstudium.

Allerdings, so heißt es aus der Uni, solle der Präsenzanteil deutlich erhöht werden. Das wünschen sich auch die Studierenden, hoffen auf mehr Begegnung und Austausch mit den Kommilitonen. "Psychisch und emotional", sagt Sprecher Ingo Heide, "haben die letzten drei Semester gezehrt."

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