Würzburg

Machen Klimaanlagen die Straßenbahn in Würzburg attraktiver?

Würde frische Luft in der Straßenbahn mehr Besucher dazu bringen, im Sommer auf das Auto zu verzichten? Diese Frage hat den Mobilitätsausschuss der Stadt nun beschäftigt.
Lassen mehr Leute ihr Auto stehen, wenn die Straßenbahn im Sommer klimatisiert ist? Das diskutierte der Mobilitätsausschuss der Stadt am Dienstag.
Foto: Kathrin Königl | Lassen mehr Leute ihr Auto stehen, wenn die Straßenbahn im Sommer klimatisiert ist? Das diskutierte der Mobilitätsausschuss der Stadt am Dienstag.

"Die Würzburger Straßenbahnen brauchen Klimaanlagen, damit man sie in Zukunft überhaupt noch nutzen kann." So deutlich sprach sich Karin Miethaner-Vent von der Grünen-Stadtratsfraktion am Dienstagabend im Mobilitätsausschuss dafür aus, 18 neue Straßenbahnen mit Klimaanlagen auszustatten. "Alternativlos" nannte Wolfgang Roth (CSU) die Investition.

Wie sinnvoll ist eine Klimaanlage, wenn die Straßenbahn doch im Schnitt alle 300 Meter hält und warme Luft wieder durch die Türen hereinströmt? Darüber gab Bernd Karl von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) Auskunft: "Wir werden sicher keine Temperaturen wie in einem ICE erreichen können", sagte er. Das sei auch nicht das Ziel. "Wenn die Luft in der Bahn etwa fünf bis sieben Grad kälter als die Außentemperatur ist, ist das für die Fahrgäste schon ein Komfortgewinn."

Damit frischer Wind durch die Strabas weht, müsste die Stadt tief in die Tasche greifen: Über zwei Millionen Euro würden die Klimaanlagen zusätzlich kosten. Hinzu kämen jährlich Wartungs- und Energiekosten von rund 115 000 Euro.

Wie weit wird der Klimawandel voranschreiten?

Die Klimaanlagen würden im Jahr etwa so viel Strom verbrauchen, wie 100 Vier-Personen-Haushalte. Heinz Braun (ÖDP) beklagte daher, dass gar keine Alternativen zur Klimaanlagen betrachtet wurden – etwa Wärmepumpen. WVV-Vertreter Karl sagte dazu, keiner der Lieferanten, die sich auf die Ausschreibung der Stadt gemeldet hatten, hätte eine solche Alternative angeboten.

Auf Nachfrage dieser Redaktion erklärte Karl, man wisse ohnehin noch nicht, wie die Klimaanlagen tatsächlich aussehen werden. "Wir gehen davon aus, dass die Bahnen 2023 ausgeliefert werden. Bis dahin kann sich technisch noch viel tun." Fest stehe aber, dass als Kühlmittel CO2 verwendet werden wird. "Das ist umweltfreundlicher als die giftigen Kühlmittel, die aktuell verbaut werden", so Karl.

Patrick Friedl (Bündnis90/Die Grünen) brachte die Frage auf, ob die Stadt in noch leistungsfähigere Klimaanlagen investieren sollte, als aktuell geplant. "Wir wissen nicht, wie sehr sich das Klima in den kommenden 30 Jahren verändern wird." Nur mit klimatisierten Strabas sei der ÖPNV langfristig attraktiv.

Gutachten des Ausschusses fällt positiv aus

So lautete über alle Fraktionen hinweg der Tenor der Diskussion: Nur klimatisierte Straßenbahnen seien eine echte Konkurrenz zum Pkw. "Wenn wir neue Fahrzeuge kaufen, müssen die auf dem neuesten Stand sein. Da gehört eine Klimaanlage unbedingt dazu", so Heinrich Jüstel (SPD).

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Der Ausschuss sprach sich schließlich dafür aus, dass der Stadtrat am 14. November die Ausstattung der Straßenbahn mit Klimaanlagen befürworten sollte. Darüber freut sich die Würzburger Agenda 21. "Die Stadtpolitik hat damit einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu einem wirklich attraktiven, nachhaltigen ÖPNV auf der Höhe der Zeit gesetzt", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Im Vorfeld wies sie darauf hin, dass es wegen der steigenden Temperaturen im Sommer vor allem für ältere Menschen sogar lebensgefährlich sein könne, ohne Klimatisierung in Strabas zu planen.

Vandalismus bisher kein Problem

Zur Diskussion stand außerdem, ob die neuen Strabas WLAN und USB-Ladedosen bekommen sollen. "In der Straßenbahn ist eh schon jeder am Handy", wandte Heinz Braun ein. Er verstehe nicht, warum Fahrgäste, die nur kurze Strecken fahren, in der Straba ihr Gerät laden sollten. Christine Bötsch (CSU) erwiderte: "In ein paar Jahren werden wir wahrscheinlich Technologien nutzen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können." Sie halte WLAN und Ladevorrichtungen daher für unverzichtbar.

Lore Koerber-Becker (SPD) gab zu bedenken, dass die USB-Dosen mutwillig zerstört werden könnten. Bernd Karl nahm ihnen diese Sorge: "In den Bussen mit Ladevorrichtung, die wir zur Landesgartenschau und danach angeschafft haben, war das bisher nie ein Problem."

Schließlich einigte sich der Ausschuss, dem Stadtrat auch die Investition über knapp 500 000 Euro für WLAN und Ladebuchsen zu empfehlen. Der Stadtrat kann am 14. November über jede der drei Optionen einzeln entscheiden. Die FDP-Fraktion kündigte bereits in einer Pressemitteilung an, für alle drei Ausstattungsmerkmale stimmen zu wollen.

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