Würzburg

Mainfranken Theater: Neuer Vertrag für Trabusch wahrscheinlich

Bleibt Markus Trabusch auch nach 2021 Intendant am Würzburger Mainfranken Theater? Über diese Frage wurde wochenlang gestritten. Der Stadtrat traf nun eine klare Entscheidung.
Soll nun doch einen neuen Vertrag angeboten bekommen: Mainfranken Theater-Intendant Markus Trabusch.
Foto: Thomas Obermeier | Soll nun doch einen neuen Vertrag angeboten bekommen: Mainfranken Theater-Intendant Markus Trabusch.

Vier Wochen lang stand das Thema auf der Agenda, jetzt hat der Würzburger Stadtrat entschieden: Die Stadt wird nun doch mit Mainfranken Theater-Intendant Markus Trabusch über einen neuen Vertrag verhandeln. Trabusch (58) ist seit 2016 Intendant, sein aktueller Vertrag läuft am 31. August 2021 aus. Die Entscheidung traf der noch amtierende alte Stadtrat am Donnerstag nach stundenlanger Debatte und beinahe in letzter Minute: Die nicht öffentliche Sitzung lief bis nach 21 Uhr, drei Stunden später endete die Legislaturperiode. 

"Nach einer langen, ausführlichen Diskussion und Würdigung aller Argumente hat schließlich der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, mit Markus Trabusch über einen neuen Vertrag zu verhandeln", heißt es in einer knappen Stellungnahme der Stadt. "Diese Entscheidung gibt den über 200 Beschäftigten Klarheit, dass die Intendanz von Markus Trabusch am Mainfranken Theater Würzburg über 2021 hinaus fortgeführt wird", wird der fürs Mainfranken Theater zuständige Kulturreferent Achim Könneke zitiert. 

Neues Vertragsangebot mit Laufzeit von fünf Jahren

Wie zu erfahren war, hatten dem Stadtrat zwei Beschlussentwürfe vorgelegen. Ein Entwurf der Verwaltung hatte demnach auf eine komplette Neuausschreibung des Intendantenpostens abgezielt. Die Vorlage wurde jedoch mit 28 zu 22 Stimmen abgelehnt. Danach lag ein überfraktioneller Antrag auf dem Tisch, den neun Stadträte aus sechs Fraktionen unterzeichnet hatten. Das Ziel: Ein neues Vertragsangebot für Trabusch "mindestens zu den Bedingungen des laufenden Vertrages und für eine Laufzeit von fünf Jahren". Dafür sprachen sich 30 Ratsmitglieder aus, 20 waren dagegen. 

Mit der Entscheidung ist ein Beschluss des Stadtrats-Notausschusses vom 2. April vom Tisch. Damals hatte sich das 17-köpfige Gremium mit neun zu acht Stimmen denkbar knapp gegen einen Anschlussvertrag ausgesprochen, ein Ratsmitglied hatte zudem versehentlich gegen den Vertrag gestimmt. Darauf hatten 28 Ratsmitglieder eine erneute Verhandlung im Gesamtstadtrat beantragt.

Das Thema beschäftigt den Stadtrat bereits seit 2019

Bereits im Sommer 2019 war die Personalie ein Thema im Stadtrat gewesen. Zwei Jahre vor Ablauf des Fünf-Jahres-Vertrags mit dem Intendanten sollte das Gremium damals darüber entscheiden, ob der Vertrag von Markus Trabusch verlängert wird. Wochen zuvor hatten sich jedoch vermehrt Theatermitarbeiter über den Führungsstil und einen teils harschen Umgangston des Intendanten beschwert, zugleich gab es aber auch Unterstützungsbekundungen. 

Sowohl die Beschwerden als auch die Unterstützerbriefe landeten bei Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der damals in Personalunion auch Theaterreferent war. Schuchardt bildete sich ein Urteil – und ging zu Trabusch auf Distanz. Der Stadtrat entschied Anfang Juli jedoch, die Entscheidung über ein Vertragsangebot bis zum Ende der Legislaturperiode aufzuschieben. Die Zwischenzeit sollte genutzt werden, um mit Hilfe eines Coachs die Probleme am Theater zu klären.

Das Mainfranken Theater ist zurzeit eine große Baustelle: Zur Spielzeit 2022/23 soll es als Staatstheater wiedereröffnet werden. 
Foto: Torsten Schleicher | Das Mainfranken Theater ist zurzeit eine große Baustelle: Zur Spielzeit 2022/23 soll es als Staatstheater wiedereröffnet werden. 

Mit dem Beschluss vom Donnerstag steht fest, dass eine deutliche Mehrheit des Stadtrates nicht bereit war, der Position von OB Schuchardt und Kulturreferent Könneke zu folgen. Beide hatten Anfang April in einer dieser Redaktion übermittelten Stellungnahme scharfe Kritik an Trabusch geäußert und sich gegen einen Anschlussvertrag ausgesprochen. Ein solcher Vertrag sei ein Zeichen, "dass schlechte Führung toleriert wird. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung", so Schuchardt damals. Auch nach dem extern moderierten Klärungsverfahren sei die Prognose am Theater "nicht gut". 

Am Freitag sagte der OB, er sei froh, dass die Entscheidung nun auf breiterer Basis getroffen wurde. Den Beschluss selbst wollte Schuchardt nicht kommentieren: "Ich werte diese getroffene Entscheidung nicht." 

Markus Trabusch äußerte sich zur neuerlichen Entscheidung des Stadtrates zunächst nicht, da er seitens der Stadt noch keine Information dazu erhalten habe: "Ich kann nicht zu einer Pressemeldung Stellung nehmen. Das gebietet der Respekt vor dem Souverän – dem Stadtrat – und natürlich auch vor dem Amt des Oberbürgermeisters." 

Stärkeres Engagement des Kulturreferenten gefordert

Mit Blick auf die künftige Entwicklung am Theater äußerten sich indes Stadtratsmitglieder gegenüber der Redaktion. "Das ist jetzt mal eine Entscheidung, mit der alle planen können", so SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow. Nun müsse es gemeinsame Aufgabe der Stadt und des Intendanten sein, die Situation am Theater zu befrieden.

Eine "intensive Begleitung aus dem Rathaus" hält auch Sebastian Roth (Linke) für nötig, dieser Aufgabe müsse sich Kulturreferent Könneke stärker widmen. Ähnlich sieht das auch CSU-Fraktionschef Wolfgang Roth: "Das Ganze zu befrieden ist eine große Aufgabe, die vor dem Kulturreferenten liegt." Könneke müsse sich da "stärker einbringen". Laut OB Schuchardt wird Könneke auch die Vertragsverhandlungen mit Markus Trabusch führen.  

Die Doppelspitze des Mainfranken Theaters: Intendant Markus Trabusch (links) und Geschäftsführender Direktor Dirk Terwey. 
Foto: Johannes Kiefer | Die Doppelspitze des Mainfranken Theaters: Intendant Markus Trabusch (links) und Geschäftsführender Direktor Dirk Terwey. 

Mit Blick auf die Theater-Doppelspitze aus Intendant Markus Trabusch und dem Geschäftsführenden Direktor Dirk Terwey meint WL-Fraktionschef Jürgen Weber, dass "Webfehler" in der jetzigen Konstruktion beseitigt werden müssten. Bei Konflikten müsse "ein Schiedsrichter her". Das Verhältnis zwischen Trabusch und Terwey gilt seit Längerem als angespannt. 

Eher pessimistisch sieht FDP/Bürgerforum-Fraktionsvorsitzender Joachim Spatz die Lage nach der jetzigen Entscheidung. "Wir hätten gern eine neue Ausschreibung gehabt. Jetzt befürchte ich, dass uns das Thema weiterverfolgen wird, und das leider nicht positiver Weise." 

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