Ochsenfurt

Margarete Bause spricht mit Ochsenfurter Flüchtlingshelfern

Die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (links) und die Fraktionsvorsitzende im Landtag Margarete Bause (beide Die Grünen) besuchten in Ochsenfurt Mitglieder des Helferkreises für Flüchtlinge. CLAUDIA SCHUHMANN
Foto: Foto: | Die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (links) und die Fraktionsvorsitzende im Landtag Margarete Bause (beide Die Grünen) besuchten in Ochsenfurt Mitglieder des Helferkreises für Flüchtlinge. CLAUDIA SCHUHMANN

Das Axt-Attentat eines jungen Flüchtlings in einem Regionalzug bei Würzburg beschäftigt die Menschen nach wie vor. Auch Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag. Sie wollte wissen, welche Spuren die Bluttat bei den Menschen in Ochsenfurt hinterlassen hat. Insbesondere bei jenen, die sich dort für Flüchtlinge einsetzen. Denn in Ochsenfurt hatte der Täter eine Zeit lang gewohnt.

„Ich bin sehr positiv beeindruckt“, sagte Bause nach den Gesprächen mit den Bürgermeistern von Ochsenfurt und Gaukönigshofen, mit Gemeinderatsmitgliedern und ehrenamtlichen Helfern beim anschließenden Pressetermin. Die Gespräche selbst hatten ohne Pressevertreter stattgefunden.

Den beiden Landtagsabgeordneten hatten die Helfer erzählt, wie sehr sie die Bluttat mitgenommen hat. Und sie berichteten von Reaktionen Dritter, die sie daraufhin erreichten.

Es habe durchaus Hassmails gegeben, sagte Bause. Der Umgang damit aber beeindruckt sie. „Alle sagten: Jetzt erst recht wollen wir uns einsetzen für Flüchtlinge und für Integration“, so Bause. Es stimme sie hoffnungsvoll, dass sich die Zivilgesellschaft nicht entmutigen und vor allem nicht spalten lasse. Das perfide Kalkül von Rechten wie auch von Islamisten gehe zum Glück nicht auf.

Die negativen Zuschriften seien zudem sehr schnell verklungen, ergänzte Kerstin Celina. Statt dessen habe viel Zuspruch die Ehrenamtlichen erreicht. „Dieser Zuspruch hatte immer einen Namen und ein Gesicht, während die negativen Mails anonym waren.“ Die Situation in Ochsenfurt nehmen beide Frauen als ausgesprochen positiv wahr. Das gelte übrigens auch für Gaukönigshofen.

Vorbildlicher Umgang

In diesen Gemeinden sei auf kommunaler Ebene mit der schwierigen Situation nach dem Attentat vorbildlich umgegangen worden, lobte Kerstin Celina. Statt sich im Parteienstreit aufzureiben, hätten alle an einem Strang gezogen. „Stadtrat und Bürgermeister waren immer Ansprechpartner und agierten einig.“ Trotzdem haben die beiden Landtagsabgeordneten mitbekommen, dass sich die Helfer mehr Unterstützung von Seiten des Staates wünschen.

Undurchsichtige Verfahren erschwerten die Integration der Flüchtlinge, sagte Margarete Bause. Wo man Geld für die Kaution bei der Wohnungssuche herbekommt, unter welchen Voraussetzungen eine Arbeitsstelle angetreten werden kann – all das können die Flüchtlinge nicht wissen, und selbst die Ehrenamtlichen müssen sich diese Informationen mühsam selbst beschaffen.

Dazu komme, dass das, was mit „ihren“ Flüchtlingen geschieht, an den Helfern nicht spurlos vorbei gehe. Wenn etwa eine Abschiebung drohe, nehme das auch die Ehrenamtlichen stark mit, die oft intensive Beziehungen zu den Geflüchteten aufgebaut hätten, so Bause. Das Gleiche passiere, wenn Flüchtlinge in anderen Unterkünfte verlegt würden: Die gewachsenen Beziehungen vor Ort, an den Schulen und manchmal auch am endlich gefundenen Arbeitsplatz, alles gehe wieder verloren.

Und auch das bekommen die Helfer bei ihrer Arbeit tagtäglich zu spüren: Wie die Ungleichbehandlung der Flüchtlinge zu Spannungen untereinander führt. Das, sagte Kerstin Celina, erschwere die Integration unnötig. Ein Deutschkurs etwa werde nur solchen Flüchtlingen angeboten, die eine gute Bleibeperspektive hätten. Aktuell sind das die Menschen aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Denn bei ihnen liegt die Anerkennungsquote bei über 50 Prozent.

Vertrauen bei den Bürgern

Dass sie sich so engagiert um die Flüchtlinge bemühen, bringt den Helfern auch bei den alteingesessenen Bürgern Vertrauen ein. Man schätzt ihre Kompetenz und hört auf ihren Rat, hat Kerstin Celina erfahren. So seien etwa nach dem Attentat besorgte Eltern auf die Ehrenamtlichen zugegangen und hätten Fragen nach der Sicherheit gestellt. Da seien echte Befürchtungen zur Sprache gekommen, keine pauschalen Vorwürfe.

So etwas, sagte Margarete Bause, sei auch wichtig. „Wenn man Befürchtungen hat, muss man offen reden können.“ Die Fraktionsvorsitzende kann jetzt mit einem guten Gefühl ihren Urlaub antreten. Denn Ochsenfurt, so glaubt sie, kann mit schwierigen Situationen umgehen.

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