Unterpleichfeld

Mit Permakultur die Ernährung sichern und die Natur retten

„Boden bedecken, Bodenleben fördern, Humus aufbauen“, dieses Mantra wiederholte Stefan Schwarzer, physischer Geograph und Permakulturdesigner aus der Nähe von Schwäbisch-Hall, ganz bewusst so oft, dass es  den zahlreichen Besuchern seines Vortrags „Die Humusrevolution“ in Fleisch und Blut überging. Dazu hatte die Regionalgruppe Franken der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Initiative „Wir für Vielfalt“ und die Bund Naturschutz Ortsgruppe Kürnach-Prosselsheim eingeladen. Der Saal im 1. Stock von Eva´s Bistro in Unterpleichfeld war bis auf den letzten Platz belegt.

Gekonnt führte Stefan Schwarzer, der unter anderem auch für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen arbeitet, zu Beginn des Abends durch die Geschichte der Landwirtschaft und stellte den Werdegang des Menschen vom Jäger und Sammler zum Bauern dar, heißt es in einer Pressemitteilung. So könne man verstehen, dass bereits viele Kulturen vor unserer Zeit hochentwickelte Landwirtschaft betrieben, aber durch Raubbau und Unwissen sowohl Römer als auch Sumerer, Maya und Ägypter untergingen.

Der Vorteil der heutigen Kultur, die mit Nitratbelastung, Bodenerosion, Wasserknappheit und Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu kämpfen hat, sei das Wissen über diese Tragödien und die Möglichkeit, daraus zu lernen. Zudem gebe es Wege, die Landwirtschaft umzugestalten, um so wieder Boden aufzubauen, unsere Ernährung zu sichern und dabei auch noch das Klima zu verbessern.

„Das ist eine Win-win-win-Situation, wenn man den Prinzipien der aufbauenden Landwirtschaft folgt“, sagte Schwarzer. Er selbst praktiziert und propagiert dies (z.B. im jährlichen Symposium „Aufbauende Landwirtschaft“) schon seit Langem.

Die Bodenlebewesen füttern

Boden wird aufgebaut, verbessert und fruchtbarer gemacht durch Humus, so der Fachmann. Humus wiederum wird von Bakterien, Pilzen und anderen Kleinlebewesen im Boden aus abgestorbenem organischem Material produziert. „Um Humus aufzubauen, müssen die Bodenlebewesen gefüttert werden, zum Beispiel mit Ernteresten und Zwischenfrüchten, die auf dem Acker bleiben“, erläuterte Schwarzer. Außerdem sollte der Boden möglichst immer bedeckt bleiben und wenig bearbeitet werden.

Durch dieses Prinzip, das sich in der Landwirtschaft und im Gartenbau durch pfluglosen Ackerbau, Direktsaat, Mischkulturen, Agroforstsysteme (Baumreihen im Ackerland) und weitere Methoden der Permakultur verwirklichen lässt, werde die Natur und ihre aufbauende Kraft wieder mit einbezogen. So müssten Landwirte nicht mit synthetischem Dünger und chemischem Pflanzenschutz gegen sie arbeiten.

„Aufbauende Landwirtschaft bedeutet Nahrungsmittel zu produzieren und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen wieder aufzubauen, die Böden zu verbessern, CO2 aus der Atmosphäre zu holen, Wasser im Boden zurückzuhalten und Tieren Lebensraum zu bieten“, sagte Schwarzer.

Bauern teilweise skeptisch

In der anschließenden Diskussion kamen viele Fragen zur Praxis – sowohl von Hobby Gärtnern als auch von Landwirten. Den teilweise skeptischen Bauern empfahl Schwarzer den Vortrag von Acker- und Biogasbauer Michael Reber, der seinen 220-Hektar-Betrieb komplett auf diese Form der Bewirtschaftung umgestellt hat. Dieser Vortrag soll ein weiterer Baustein sein, um aufbauende (oder regenerative, wie man sie auch nennt) Landwirtschaft in der Region bekannt zu machen.

Vortrag von Biogasbauer Michael Reber am Donnerstag, 12. März, um 19 Uhr im Gemeindezentrum Niederwerrn. Veranstalter sind die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, Regionalgruppe Franken, die Initiative „Wir für Vielfalt“, die Öko-Modellregion Oberes Werntal und die Bioland Regionalgruppe Unterfranken.

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