Würzburg

Müllheizkraftwerk soll flexibel bleiben

Zenit überschritten: Die beiden ältesten Verbrennungsöfen des Müllheizkraftwerkes haben eine Sanierung dringend nötig.
Foto: SILVIA GRALLA | Zenit überschritten: Die beiden ältesten Verbrennungsöfen des Müllheizkraftwerkes haben eine Sanierung dringend nötig.

Nach mehr als 30 Jahren Laufzeit haben die beiden ältesten Verbrennungsöfen des Würzburger Müllheizkraftwerks (MHKW) ihren Zenit überschritten. Teure Stillstandszeiten häufen sich, eine Sanierung ist dringend nötig. Ein Jahr lang hat sich der Zweckverband Abfallwirtschaft Zeit gegeben, um eine Lösung für die Zukunft zu finden.

Der erarbeitete Vorschlag, über den die Verbandsversammlung nun Anfang Dezember entscheiden will, sieht eine stufenweise Erneuerung der drei Ofenlinien ab dem Jahr 2019 vor.

Der Würzburger Kreistag ist vorgeprescht und will in der Sitzung am kommenden Montag, 23. November, ein Votum abgeben. Neben dem Landkreis Würzburg gehören der Landkreis Kitzingen und die Stadt Würzburg dem Zweckverband an. Sie müssen ebenfalls in ihren Gremien der Sanierung zustimmen.

Mit zwei kleineren und einer großen Ofenlinie kann das Würzburger MHKW pro Jahr 240 000 Tonnen Müll verbrennen. Zumindest theoretisch, denn seit die erste Ofenlinie aus dem Jahr 1984 zunehmend anfällig wird, häufen sich Stillstandszeiten. Nimmt man die geplanten Revisionen hinzu, dann waren im laufenden Jahr bisher zu keiner Zeit alle Ofenlinien gleichzeitig im Betrieb, sagt der Geschäftsleiter des Zweckverbands Abfallwirtschaft, Alexander Kutscher.

Verschiedene Varianten waren diskutiert worden, bis hin zum Bau einer neuen Großanlage, die die kleineren Öfen ersetzen soll. Dass die Leitung des Zweckverbands von dieser Möglichkeit absieht und stattdessen eine Erhaltung aller drei Ofenlinien vorschlägt, liegt an der einfacheren Finanzierbarkeit, vor allem aber an der höheren Flexibilität der bestehenden Anlage.

„Man kann auf lange Sicht keine Prognose abgeben, wie sich die politischen Vorgaben, die Technologie und das Mengenaufkommen entwickeln“, sagt Alexander Kutscher. Deshalb gehe es im ersten Sanierungsschritt darum, die Versorgungssicherheit mittelfristig sicherzustellen, um bei der Instandsetzung der weiteren Ofenlinien auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Der verlässliche Betrieb ist umso wichtiger geworden, seit im Würzburger Müllheizkraftwerk auch Haushaltsmüll aus mehreren Landkreisen in Mittelfranken und Baden-Württemberg verbrannt wird. 80 000 Tonnen sind das im Jahr, deren Beseitigung der Zweckverband garantieren muss, zusätzlich zu rund 65 000 Tonnen aus dem Verbandsgebiet. Die Verträge laufen noch bis Ende des nächsten Jahrzehnts.

In Zeiten sinkender Entsorgungspreise für Gewerbeabfälle hatten die sicheren Erlöse aus diesen Verträgen erheblich zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Würzburger MHKW beigetragen. In der Folge war der Preis für die Verbrennung von Siedlungsabfällen aus dem Verbandsgebiet von über 200 auf nunmehr 80 Euro pro Tonne gesunken.

Eine Reduzierung der Nennleistung auf die Mindestanforderung von 145 000 Tonnen pro Jahr halten Fachleute nicht für sinnvoll, weil dann während der turnusgemäßen Revision einzelner Öfen große Mengen Müll an andere Verbrennungsanlagen ausgelagert werden müssten.

„Man kann keine Prognose abgeben, wie sich die politischen Vorgaben, die Technologie und das Mengenaufkommen entwickeln.“
Alexander Kutscher Zweckverband Abfallwirtschaft

Hinzu kommt, dass die Beseitigung von nicht recycelbaren Gewerbeabfällen, die bis vor wenigen Jahren noch für wenig Geld auf Altdeponien untergebracht wurden, inzwischen attraktiv geworden ist, seit ein Deponieverbot gilt und der Gesetzgeber zweifelhafte Entsorgungswege ins Ausland geschlossen hat. Von Verbrennungspreisen weit über 80 Euro ist deshalb inzwischen branchenintern die Rede.

Vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsrats soll nach zweijähriger Vorbereitungsphase 2018 die Konstruktion für die Erneuerung der ersten Ofenlinie erfolgen und in den beiden Folgejahren die technische Umsetzung. Kostenschätzungen nennt der Zweckverband nicht. Gemessen an vergleichbaren Anlagen sei von einer Größenordnung um die 30 Millionen Euro auszugehen.

Die Zeit für eine solche Investition erachtet Geschäftsleiter Alexander Kutscher als günstig. Der Zweckverband verfüge über ausreichend Rücklagen, um die Erneuerung der Ofenlinie aus Eigenmitteln zu finanzieren. Weil die bestehende Anlage inzwischen weitgehend abgeschrieben ist, sei dies möglich, ohne dass die Verbrennungsgebühren für die Verbandsmitglieder angehoben werden müssen.

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