Röttingen

Nach 112 Jahren: In Röttingen schließt der Gasthof "Zur Alm"

Eine Silvesterparty gibt es noch, dann gehen im traditionsreichen Gasthof "Zur Alm" die Lichter aus. Dabei hatten in dem Lokal einst auch Prominente getafelt.
Joseph und Annemarie Yasmin, geborene Kimmelmann, bleibt nur noch der Dank an die Gäste für die schönen Jahre, die sie mit ihren Eltern und Geschwistern in der Alm begrüßen durften.
Foto: Markhard Brunecker | Joseph und Annemarie Yasmin, geborene Kimmelmann, bleibt nur noch der Dank an die Gäste für die schönen Jahre, die sie mit ihren Eltern und Geschwistern in der Alm begrüßen durften.

Mit Beginn des neuen Jahres gibt es auf der Alm "koa Sünd‘" mehr. Gemeint ist damit der weit über die Grenzen Röttingens hinaus bekannte Gasthof "Zur Alm" der Familie Kimmelmann, der mit der Silvesterparty nach 112 Jahren schließt.

Damit verschwindet in dem Festspielstädtchen eine weitere traditionsreiche Familiengastwirtschaft, deren Geschichte 1907 begann. Dem damaligen Bierbrauer Martin Kimmelmann trieb das Heimweh aus der Schweiz zurück nach Röttingen. Hier kaufte er das Anwesen Gasthaus "Zur Post" und taufte es in Anlehnung an seine Schweizer Zeit in "Zur Alm" um.

Der Wirt griff gern zum Schifferklavier

Ab 1934 arbeitete Sohn Otto, der in Würzburg das Metzgerhandwerk gelernt hat, im elterlichen Hof mit, den er nach der Hochzeit 1942 auch übernahm. Seine Markenzeichen war neben dem fränkischen Humor der Gesang, der von einem Schifferklavier begleitet wurde. Dies war für Gäste aus Nah und Fern ein guter Grund "nauf die Alm zu gehn".

Ende einer 112-jährigen Familientradition: An Silvester schließt das unter dem singenden Wirt Otto Kimmelmann bekannt gewordene Röttinger "Gasthaus zur Alm".
Foto: Familie Yasmin | Ende einer 112-jährigen Familientradition: An Silvester schließt das unter dem singenden Wirt Otto Kimmelmann bekannt gewordene Röttinger "Gasthaus zur Alm".

"Nauf" war schon richtig, liegt sie doch in der Obergasse/Herrnstraße im Norden Röttingens, unweit von der Burg Brattenstein, dem heutigen Spielort der Festspiele. Durch die Bekanntheit des einladenden Gasthauses und die Nähe zur Burg Brattenstein mit der Bühne der Festspiele Röttingen, pilgerten stets viele Gäste zur Alm zu echt fränkischem Essen. Zu den Besuchern zählten neben Politprominenz wie Landtagspräsidentin Barbara Stamm oder Postminister Wolfgang Bötsch auch Schauspieler wie Klaus Maria Brandauer und Sohn Christian sowie Veit Relin mit Ehefrau Maria Schell.

Das Gasthaus war immer auch Treffpunkt der Röttinger Vereine

Das Gasthaus war für die Röttinger auch immer Mittelpunkt für Familienfeste, Geselligkeit und Heimat für die Vereine. So war es viele Jahre das Vereinslokal für den TSV Röttingen, die Stadtkapelle Röttingen und den Modellsportclub. Als Gauvolksfestwirt machte sich der Otto, wie er überall liebevoll genannt wurde, in über 25 Jahren von 1949 bis 1975 einen Namen. Aus der Gastwirtehe mit Emma sind drei Töchter und drei Söhne hervorgegangen, die im Lokal mit aufwuchsen und oft mithalfen.

Sohn Peter übernahm das Gasthaus 1980 und renovierte es erneut. Der neue Inhaber hatte sich zuvor  in der Welt umgesehen und in großen namhaften Häusern gekocht. Da es ihn Anfang der 1990er Jahre wieder zurück in die weite Welt lockte, verpachtete er das Lokal rund sechs Jahre lang. Doch dies war nicht von Erfolg gekrönt, verglichen die Gäste den Pächter doch immer mit den Kimmelmanns.

Das Gasthaus hat eine lange Tradition. Auf dem Bild: In der Mitte Martin Kimmelmann, links Tochter Regina und Sohn Otto, rechts Tochter Rosa und Schwiegersohn Toni Bumm. Ganz rechts ist Schwiegersohn Otto Albert zu sehen.
Foto: Familie Yasmin | Das Gasthaus hat eine lange Tradition. Auf dem Bild: In der Mitte Martin Kimmelmann, links Tochter Regina und Sohn Otto, rechts Tochter Rosa und Schwiegersohn Toni Bumm.

Daher übernahm zum 1. Januar 1999 Schwester Annemarie mit Ehemann Joseph Yasmin das Lokal wieder. Sie erweiterten das Angebot um sieben Fremdenzimmer. Geführt wurde der Gasthof in erster Linie von Joseph Yasmin, arbeitete doch Ehefrau Annemarie 43 Jahre lang als Bezirksleiterin bei einer Metzgerei für Feinkost in München.

Spontanes Ständchen zum Abschied

Nachdem die Nachricht der Schließung in Röttingen schnell die Runde machte, nahm die Stadtkappelle Röttingen ein Kirchenfest zum Anlass, sich mit einem Ständchen und Tanz bei dem Gastwirtehepaar zu bedanken. Den Eheleuten standen die Tränen in den Augen, hätten sie doch gerne den alt eingesessenen Gasthof weitergeführt.

Nun bleibt den beiden nur, sich bei den Gästen für ihre langjährige Treue zu danken. Da der anerkannte Erholungsort Röttingen nicht mit Beherbergungsmöglichkeiten gesegnet ist, soll das Bettenangebot weitergeführt werden. Doch im fortgeschrittenen Alter war es für sie Zeit zum Aufhören, um das Rentnerdasein so richtig genießen zu können. Sohn René und die drei Enkelkinder, die in München leben, hatten keine Ambitionen, die Familientradition weiterzuführen

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