Würzburg

Nachmachen ausdrücklich erwünscht

Halma e.V. stellt das Frühjahrsprogramm "Kultur für Menschen mit und ohne Demenz" vor und freut sich über Nachahmer, wie etwa das Kommunalunternehmen des Landkreises.
Werben für gemeinsame Kulturerlebnisse für Menschen mit und ohne Demenz (von links): Alexander Schraml, Sabine Seipp, Hülya Düber und Tobias Konrad.
Foto: Traudl Baumeister | Werben für gemeinsame Kulturerlebnisse für Menschen mit und ohne Demenz (von links): Alexander Schraml, Sabine Seipp, Hülya Düber und Tobias Konrad.

Ein Tabuthema ist Demenz nicht mehr. Aber so präsent der Begriff in der Öffentlichkeit ist, "Familien mit von Demenz Betroffenen sind nach wie vor oft schambehaftet, fühlen sich durch dessen verändertes Verhalten stigmatisiert", sagt Sabine Seipp, die Ansprechpartnerin von Halma e.V. (Hilfen für alte Menschen im Alltag) aus der Fachstelle für pflegende Angehörige in Würzburg. Angehörige ziehen sich daher mit dem erkrankten Menschen aus dem öffentlichen Leben zurück. Teilhabe am kulturellen Leben wird undenkbar. "Stellen Sie Sich nur mal vor, in einem klassischen Konzert besteht jemand darauf, permanent herumzulaufen."

Aber: "Gemeinsam mit einem dementen Partner oder lieben Angehörigen Kultur zu erleben zu wollen, ist ein Ausdruck des Wunsches nach Normalität", betont die Fachfrau. Gerade weil die Krankheit vom gesunden wie vom kranken Partner viel fordere, seien gemeinsame, unbeschwerte, sinnliche Erlebnisse, die Erinnerungen an Früher-Erlebtes wachrufen, so wertvoll.

Kulturelle Veranstaltungen für Menschen mit Demenz

Aus diesen Gedanken heraus, berichtet Seipp, habe Halma 2015 begonnen, kulturelle Veranstaltungen für Menschen mit Demenz zu entwickeln. In drei Jahren Erfahrung ist einiges entstanden und gewachsen, bekannt sei das Programm "Kultur für Menschen mit und ohne Demenz" aber noch zu wenig, so Seipp: "Unserer Erfahrung nach braucht es ungefahr fünf Jahre, bis sich ein solches Projekt durchsetzt." Langen Atem zu haben, sei Halma, aber auch der Stadt Würzburg wichtig, ergänzt die Halma-Vorsitzende, Bezirksrätin Hülya Düber, gleichzeitig auch Sozialreferentin der Stadt Würzburg. 

Dabei, ergänzt Seipp, verstehe sich Halma als Ideengeber und Ansprechpartner. "Wir wollen Netzwerker sein, Kulturschaffende sensibilisieren und über das Profil für demenzgerechte Veranstaltungen informieren." Nachzumachen, was gut funktioniere, sei nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Für 2020 sind weitere Termine in Höchberg und Rottendorf geplant

Diese Steilvorlage nutzt das Kommunalunternehmen (KU) des Landkreises, Betreiber zahlreicher Senioreneinrichtungen und deshalb mit dem Thema Demenz ebenfalls vertraut. KU-Geschäftsführer Alexander Schraml erzählt, dass ihn die Demenzkonzerte im Rahmen des Mozartfestes tief beeindruckt hätten.

2019 startet das KU unter dem Motto "Kulturbrücken im Landkreis Würzburg" eine eigene kleine Konzertreihe "für Demenzkranke, Angehörige und sonstige Kulturfreunde". "Wichtig war uns", berichtet KU-Pflegeberater Tobias Konrad, "dass die bespielten Bühnen gut erreichbar und barrierefrei sind." Für 2020 sind weitere Termine in Höchberg und Rottendorf geplant. Hintergrund der Reihe ist das seniorenpolitische Gesamtkonzept, das ausdrücklich gesellschaftliche Teilhabe sowie Angebote für besondere Zielgruppen fordert. "Schließlich geht das Bedürfnis nach Kultur mit der Diagnose Demenz nicht automaisch verloren."

Marie-Juchacz-Haus in der Zellerau als neue Spielstätte

Nicht zuletzt steigt der Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt Unterfranken im Jubiläumsjahr 2019 - die AWO feiert bundesweit 100-jähriges Jubiläum, die unterfränkische AWO 60-Jähriges -  in die Konzertszene für Menschen mit Demenz ein. "Wir freuen uns über die Kooperation mit dem Mozartfest, und dass mit dem Marie-Juchacz-Haus, dessen Namensgeberin die AWO-Gründerin ist, eine neue Spielstätte hinzukommt", so Dirk Baumann, Chef der Abteilung Kommunikation. Selbstverständliche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für alle gehöre schließlich zum Leitbild der AWO Unterfranken.

Das Halma-Programm in Kürze:
7.2., 15 Uhr: "Eine weiße Welt - winterliche Landschaften", Museum im Kulturspeicher; 7.3., 15 Uhr: "Wir wünschen uns den Frühling herbei", Stadtbücherei;
26.3., 15 Uhr: Tanzcafé, Seniorenstift Juliusspital;
3.4., 14 Uhr: Gottesdienst, Heiligkreuz;
10.4., 14.30 Uhr: "Musik liegt in der Luft", Hochschule für Musik;
5.5. bzw. 23.6., 15 Uhr: Mozartfest: "Wenn ich ein Vöglein wär‘", Exerzitienhaus Himmelspforten bzw. Marie-Juchacz-Haus;
7.5., 15 Uhr: "Musik mit Heike Mix", Halma e.V.;
"Mein kleiner grüner Kaktus", jeweils 15 Uhr: 19.5. Altes Rathaus Kürnach, 26.5. Alte Feuerwehr Gerbrunn, 2.6. Kulturkeller Zell und am 22.9. in der Seniorenwohnanlage am Hubland.
"Sport trotz(t) Demenz", Tel. (0931) 41 51 51;
Für alle Angebote ist kurzfristige Anmeldung möglich. Halma e.V. vermittelt außerdem geschulte, ehrenamtliche Kulturbegleiter für Konzert-, Theater oder Museumsbesuche, Tel. (0931) 20 78 14 20.
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