Gramschatz

Naturfrevel im Ochsengrund und auf der Brandwiese

Für den Flurschaden, den ein Autofahrer mutwillig im Naherholungsgebiet angerichtet hat, fehlt Naturschützern jegliches Verständnis.
Tiefe Spuren hat ein unbekannter Autofahrer auf der Wiese im Ochsengrund hinterlassen. 
Foto: Annette Schmiedl | Tiefe Spuren hat ein unbekannter Autofahrer auf der Wiese im Ochsengrund hinterlassen. 

Weit mehr Wiesenflächen im Gramschatzer Wald als bisher angenommen wurden in den vergangenen Tagen vorsätzlich ramponiert. Ein unbekannter Autofahrer hinterließ am 12. oder 13. Februar nicht nur auf der "südlichen Brandwiese" bei Hilpertshausen tiefe Fahrzeugspuren. Nach Bekanntwerden dieses Frevels auf einem Privatgrundstück meldeten die Bayerische Staatsforsten ebenfalls massive Beschädigungen auf dem nördlichen Teil der Brandwiese sowie auf der Wiese im Ochsengrund zwischen Gramschatz und Güntersleben.

Alle drei Wiesenflächen liegen im Gramschatzer Wald. Die gesamte Brandwiese ist ein geschützter Landschaftsbestandteil mit einer Größe von rund 5,3 Hektar. Von den Verwüstungen betroffen sind rund 2500 Quadratmeter im Privatbesitz (wir berichteten) und rund 4500 Quadratmeter im Staatsbesitz. Zudem seien nach einer Schätzung der Forstverwaltung im Ochsengrund mindestens 5000 Quadratmeter Wiese regelrecht "durchpflügt" worden. Das Naherholungsgebiet Ochsengrund schlängelt sich neben dem Dürrbach an der Ortsverbindungsstraße zwischen Gramschatz und Güntersleben entlang.

"Bei einem Großteil der Wiesen handelt es sich um gesetzlich geschützte Grünlandbiotope."
Untere Naturschutzbehörde

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, die Polizeiinspektion Würzburg-Land und die Geschädigten vermuten, dass auf allen drei Wiesenflächen derselbe Verursacher unterwegs war. Dafür sprächen die Tatzeit, die Ortskenntnis, die Reifenspuren sowie die Fahrweise. "Durch das Fahren und Driften auf den als artenreiches extensives Grünland genutzten Wiesen wurden Kreise und Achter in die Bodendecke gefurcht", teilt die Untere Naturschutzbehörde mit. Als "unverantwortlich" und "ökologischen Schwachsinn" bezeichnet Forstbetriebsleiter Christoph Riegert die Tat, nachdem ihn Revierförster Thomas Thron über den Naturfrevel informiert hatte. Ebenso wie der Privateigentümer hat er Anzeige erstattet.  

Hoher ökologischer Schaden

Mag der rein finanzielle Schaden mit rund 1000 Euro noch überschaubar sein, so schätzt die Naturschutzbehörde den ökologischen Schaden umso höher ein. "Bei einem Großteil der Wiesen handelt es sich um gesetzlich geschützte Grünlandbiotope", beschreibt die Behörde den Wert der Flächen. Auf der Brandwiese gebe es artenreiches Extensiv-Grünland, Nasswiesen mit binsenreichen und ausdauernden Seggenpflanzen sowie feuchte Hochstaudenfluren.

Die Biotope beheimaten eine Reihe gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählen die "Blaugrüne Mosaikjungfer", eine Edellibelle, oder der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, eine seltene Schmetterlingsart. Bei der Aktion haben vermutlich die Boden befindlichen Überwinterungsstadien der seltenen Insekten Schaden genommen, so die Naturschützer.

Die Regeneration dauert Jahre

Bis sich die besonders tief zerfurchten Stellen wieder vollständig regeneriert haben, werden vermutlich einige Jahre vergehen. Mit den Wiesenbewirtschaftern und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten will sich die Naturschutzbehörde nun absprechen, wie die Erholung der Vegetation möglicherweise durch Einebnen oder Nachsaat beschleunigt werden kann. 

Der Arnsteiner Forstbetriebsleiter Riegert geht davon aus, dass die Schäden von einem versierten Fahrer eines Geländewagens oder einer Geländelimousine mit Allrandantrieb verursacht wurden. Offensichtlich habe der Verursacher aber beim Überfahren der zwei Dämme und des mit großen Steinen ausgestatteten Grillplatzes das verschneite Gelände unterschätzt. Zumindest an einer Stelle muss das Fahrzeug aufgesessen sein. "Ich bin nur froh, dass der Unterboden des Fahrzeugs dabei nicht aufgerissen und Öl ausgelaufen ist", sagt Riegert. Ein Ölschaden wäre noch viel schlimmer gewesen. 

Polizei hofft auf Zeugenhinweise

Für den Naturfrevel fehlt dem Forstbetriebsleiter jegliches Verständnis. Leider nehme die Achtung vor der Natur und vor fremdem Eigentum immer mehr ab, beklagt er. Gemeinsam mit seiner Frau und Revierförster Thron will er versuchen, in seiner Freizeit zumindest die Grasnarbe wieder herzustellen. Die Polizei hofft bei ihren Ermittlungen auf Zeugenhinweise. 

Hinweise an die Polizeiinspektion Würzburg-Land unter Tel. (09 31) 457-16 30.

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