WÜRZBURG

Nautiland: Sauna statt Kinder?

Stammgäste: Seit über zehn Jahren kommen Klara Winter und Tamara Wächter ins Nautiland. Sie freuen sich schon auf das neue Bad – wenn es endlich kommt –, sind aber traurig, wenn sie während des Umbaus auf ihren Badetag am Mittwoch verzichten müssen.NORBERT SCHWARZOTT
Foto: Foto: | Stammgäste: Seit über zehn Jahren kommen Klara Winter und Tamara Wächter ins Nautiland. Sie freuen sich schon auf das neue Bad – wenn es endlich kommt –, sind aber traurig, wenn sie während des Umbaus auf ...

Um die Zukunft des Nautiland-Bades geht es an diesem Donnerstag – wieder einmal – im Stadtrat. Jürgen Athmer, Geschäftsführer der noch jungen WVV-Tochter Bäder GmbH, stellt eine Planungsversion zum Umbau und zur Generalsanierung des technisch veralteten Bades vor. Gegen das Konzept, das vor allem den Neubau eines Saunabereiches sowie den Wegfall des 1000 Quadratmeter großen Nichtschwimmerbeckens im Außenbereich vorsieht, gibt es Widerstand: Während das Aktionsbündnis „Nautiland“ die Sanierungspläne, bei denen auch die Belange der Vereine und des Schulschwimmens berücksichtigt seien, begrüßt, will die CSU das familienfreundliche Nichtschwimmerbecken im Freien nicht aufgeben.

„Man muss sich im Klaren sein, dass das was kostet, nicht zuletzt im Unterhalt.“
Bäder-Chef Jürgen Athmer zum Nichtschwimmerbecken

„Das ist unsere Hauptbotschaft“, erklärt Wolfgang Roth, CSU-Fraktionsvize und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bäder GmbH. Dieser entscheidet letztlich, in welchem Umfang die seit Jahren geplante Runderneuerung ausfällt. Der Aufsichtsrat ist ein verlängerter Arm des Stadtrates mit OB Georg Rosenthal als Vorsitzendem und den Stadträten Wolfgang Roth, Emanuele la Rosa (beide CSU), Gisela Pfannes (SPD), Matthias Pilz (Grüne) und Thomas Schrenk (Bürgerforum) als weitere Mitglieder.

Vor der Sommerpause bekamen die Aufsichtsräte die aktuelle Planung präsentiert – und befanden diese laut Athmer für gut. „Wir haben dazu seinerzeit nicht Stellung genommen“, betont dagegen Wolfgang Roth. Er kritisiert in diesem Zusammenhang, dass man ebenfalls angedachte Neubaupläne „nicht zu Gesicht bekommen“ habe. Diese Alternative kostet laut Bäderchef Athmer „mindestens 25 Millionen“ und wurde deshalb intern verworfen. Die Kosten der aktuellen Planung, bei der die Hülle des Nautiland weitgehend erhalten bleibt, sind auf mehr als 15,5 Millionen Euro, laut Athmer aber unter einer 20 Millionen kalkuliert.

Wie teuer das Ganze wird, hängt nicht zuletzt von den Freischwimmbecken ab. Der Bäderchef hält das Nichtschwimmerbecken wegen relativ geringer Nutzung für verzichtbar, aber prinzipiell für möglich: „Man muss sich nur im Klaren sein, dass das was kostet, nicht zuletzt im Unterhalt.“ Dessen sich auch die CSU und Roth bewusst: „Aber mehr Familienfreundlichkeit und ein attraktiverer Badebetrieb im Sommer sind es Wert, mehr Geld in die Hand zu Hand nehmen.“ Das Nichtschwimmerbecken im Außenbereich könne zudem kleiner als bislang ausfallen.

Verkleinert wird laut aktuellem Konzept, das Athmer zusammen mit dem Generalplaner, der Fritz Planung GmbH erstellte, das Frei-Sportbecken von acht auf vier Bahnen. Dieses neue Becken kostet lautet Roth rund 600 000 Euro, wie teuer ein neues Nichtschwimmerbecken käme, wisse er nicht. Von Athmer sind keine Zahlen zu erfahren.

Der Bäderchef betont gegenüber der Main-Post, dass die Planung, die er im Stadtrat vorstellt, „eine Gesprächsgrundlage“ sei, die keine Entscheidung vorwegnehme. Danach folge nach den bisherigen Bürgerwerkstätten eine weitere Bürgerinformationsversammlung, bei der Vorschläge und Anregungen für das Nautiland-Konzept gemacht werden können. Wenn die Detailplanung bis Jahresende steht, könnte laut Athmer die Sanierung im Sommer 2014 beginnen. Rund eineinhalb Jahre müsste dann der Badebetrieb ruhen.

Das neue Konzept sieht, wie bereits im Juli berichtet, neben der Halbierung der Wasserfläche – aktuell sind das 2200 Quadratmeter – durch den Verzicht aufs Nichtschwimmerbecken im Freien auch den Wegfall des energiefressenden Wärmebeckens im Außenbereich vor. Das Erlebnisbecken unter der Glaskuppel macht dem neuen Saunabereich Platz und entsteht in der Nachbarschaft der Sport- und Nichtschwimmerbecken in der Halle. Das Becken für Kleinkinder zieht um. Eine große Rutsche soll es wieder geben.

Diese Pläne hat Athmer jüngst der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU vorgestellt. Dabei, so berichtet Wolfgang Roth, habe Christian Schuchardt, Kämmerer und OB-Kandidat der Union die Marschroute deutlich gemacht: Priorität habe das Hallenbad, dann komme das Freibad und erst am Ende der Überlegungen stehe der neue Saunabereich. Dieser habe sich dem Platzbedarf des Freibades unterzuordnen.

Badbesuch wird zum 1. Oktober teurer

Die Eintrittspreise für die städtischen Bäder Nautiland und Sandermare werden ab 1. Oktober erhöht. Im Nautiland müssen Jugendliche und Erwachsene pro Besuch zwischen 20 und 30 Cent mehr zahlen, im Sandermare Kinder 10 und Erwachsene 20 Cent mehr. In der Sandermare-Sauna klettern die Preise je nach Tarif um 40 bis 80 Cent. Unverändert bleiben im kommenden Jahr die Preise für Dallenberg-Freibad.

Als Begründung für die erste Preiserhöhung nach elf Jahren nennt die Bäder GmbH der WVV die gestiegenen Unterhaltungs- und Energiekosten. Diese stiegen im Nautiland in den vergangenen zehn Jahren um rund 29 Prozent von 2,08 Millionen im Jahr 2002 auf 2,68 Millionen Euro im Jahr 2012. Im Sandermare beträgt die Steigerung rund 23 Prozent. Der Badebetrieb kostete 2002 noch 741 000 Euro, 2012 bereits 913 000 Euro.

Im vergangenen Jahr kamen 156 145 Besucher ins Sandermare und 267 979 ins Nautiland. Im Sandermare wird in diesem Jahr mit etwa 10 000 Besucher weniger gerechnet, im Nautiland dagegen mit etwa 3000 Badegästen mehr. Die Betriebskosten der städtischen Bäder beliefen sich im vergangenen Jahr auf fast 2,7 Millionen Euro. Die städtischen Bäder machten in 2012 insgesamt ein Defizit von rund zwei Millionen Euro. Die Besucher des Nautiland, knapp 268 000 waren es vergangenes Jahr, kommen zu 40 Prozent aus dem Landkreis, zu zwölf Prozent aus der Zellerau und zu 48 Prozent aus der Stadt.

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