Veitshöchheim

Neuer Lack für alten Panzer

Stolz auf die Arbeit eines Tages: Die beiden Panzer-Restauratoren, Stabsfeldwebel Andreas Klug (links) und Rainer Dürr vor dem Flugabwehrkanonenpanzer Gepard in der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann-Kaserne.
Foto: Bundeswehr, Oliver Schmidt | Stolz auf die Arbeit eines Tages: Die beiden Panzer-Restauratoren, Stabsfeldwebel Andreas Klug (links) und Rainer Dürr vor dem Flugabwehrkanonenpanzer Gepard in der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann-Kaserne.

Die Farbe platzte schon vom Stahl, der Lack war buchstäblich ab: In der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann Kaserne haben Wetter und Zeit an einem musealen Flakpanzer genagt – bis zwei ehemali-ge Flugabwehrkanoniere mit einer Lackpistole kamen und dem „Gepard“ einen neuen Tarnanstrich verpassten. Dies berichtet die Bundeswehr, 10. Panzerdivision Veitshöchheim, in einer Pressemitteilung.

Vorher – Nachher: Mit der neuen Farbe am Panzer sieht auch der Eingangsbereich des Probengebäudes des Heeresmusikkorps Veitshöchheim gleich ganz anders aus.
Foto: Bundeswehr, Oliver Schmidt | Vorher – Nachher: Mit der neuen Farbe am Panzer sieht auch der Eingangsbereich des Probengebäudes des Heeresmusikkorps Veitshöchheim gleich ganz anders aus.

Der alte Panzer stand schon eine Weile auf dem Sockel, die Farbe war rissig, platzte großflächig ab und legte den rostigen Stahl darunter frei. Die Rohre der Zwillingskanone reckte er noch abwehrfreudig gen Himmel, während im Hintergrund immer wieder Märsche zu hören waren, die der Wind vom Probensaal des Heeresmusikkorps Veitshöchheim herübertrug, so als spiele dieses einen Abgesang auf das längst ausgemusterte Fahrzeug.

Kleines Freilichtmuseum für Panzer

„Der Lack ist ab“, sagt man landläufig, wenn etwas schon so alt ist, dass der Lack sich buchstäblich löst. So war's auch beim Flugabwehrkanonenpanzer auf dem Gelände der Balthasar-Neumann-Kaserne, wo der Stab der 10. Panzerdivision beheimatet ist. Bis Stabsfeldwebel Andreas Klug mit einer Lackpistole kam, weil er den Anblick nicht mehr ertragen konnte: „Der schaut lausig aus“, dachte sich Klug.

Dabei ist der Flak-Panzer vom Typ „Gepard“ nicht der einzige alte Panzer auf dem Gelände: Ein alter M48, jener US-amerikanische Kampfpan-zer, mit dem die Bundeswehr in den 1960er-Jahren ausgerüstet wurde, steht in Wurfweite. Dazu kommen mehrere Modelle des deutschen „Leopard“, ein Hotchkiss-Schützenpanzer, eine Panzerhaubitze M119, ein Schützenpanzer „Marder“, ein Spähpanzer „Luchs“ – die ganze Kaserne ist inzwischen ein kleines Freilichtmuseum für Bundeswehr-Panzer. An keinem hatte der Zahn der Zeit aber so genagt wie am „Gepard“.

„Bestellt schonmal Farbe“

„Bestellt schon mal Farbe“, bat Klug den Materialtrupp der Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision. Sein Projekt: Dem Gepard wieder einen schönen Anstrich geben. Für Klug, der sonst als Spieß in der Betreuungsstelle der Bundeswehrfachschule in Veitshöchheim tätig ist, eine Herzensangelegenheit – kennt er doch das Fahrzeug noch aus Zeiten, als es in der Truppe im Einsatz war. Der 49-jährige Aschaffenburger diente einst als Truppen-Fernmeldefeldwebel im Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 in Hardheim im Odenwald.

Der Heeresflugabwehrtruppe bleibt er heute verbunden – als ehrenamtlicher Panzerschrauber im fränkischen Uffenheim, wo er mit Kameraden dafür sorgt, dass zwei Geparden des dortigen Museums für Zivil- und Wehrtechnik erhalten bleiben – sogar fahrfähig.

Ehemalige Hardheimer halten Geparden am Laufen

„Spaß an der Technik“, treibe die Enthusiasten in Uffenheim an, weiß Klug. Zur dynamischen Fahrzeugschau auf dem Freigelände kommen jeden Sommer Tausende Besucher. „Wenn der Motor eines Leoparden startet und die Besucher grinsen, dann macht uns das große Freude.“

2015 hatte Klug einen früheren Kameraden getroffen, der ihm Bilder des Museums im Internet zeigte. „Da gehen wir hin“, waren sich beide einig. So fand sich eine ganze Gruppe ehemaliger Hardheimer, die schließlich einen alten Gepard zerlegt, restauriert, zusammengesetzt und so wieder betriebsfähig gemacht hat.

Erst oliv, jetzt getarnt

Erfahrungen, die Klug nun für sein neues Projekt zugutekommen: Fünf-Liter-Eimer mit Lack in Grün, Braun und Schwarz, Kreppband und neue Hoheitsabzeichen erhielt Klug vom Materialtrupp, dazu einen Winkelschleifer. Die Lackierpistole brachte er von Zuhause mit.

Rainer Dürr aus Gaukönigshofen, ein früherer Hardheimer Flak-Panzerkommandant, der heute als Polizeibeamter dient, sagte sofort seine Unterstützung zu. Also begannen sie, das Moos vom Panzer zu kratzen und den alten olivgrünen Lack abzuschleifen. Der Gepard war einst in oliv-grün an die Bundeswehr ausgeliefert, später aber waren Tarnfarben üblich, weiß Klug.

1976 kam der Flakpanzer mit seiner 35-Millimeter-Zwillingskanone in die Truppe, um das älteres US-amerikanische Modell M42 Duster zu ersetzen. Aufgebaut auf dem Fahrwerk eines Leopard 1 sollte der Gepard im Gefecht der verbundenen Waffen die schnell beweglichen Panzer- und Panzergrenadiertruppen vor Angriffen von tieffliegenden Erdkampfflugzeugen und Hubschraubern schützen. Nach dem Ende des Kalten Kriegs schrumpfte die Heeresflugabwehrtruppe und wurde 2012 mit der Außerdienststellung der letzten Systeme schließlich aufgelöst.

Gepard stammt aus Traunstein

Warum das Exemplar in der Balthasar-Neumann-Kaserne olivgrün war, bleib zunächst rätselhaft. „Aber noch bevor ich den Lack abgeschliffen habe, merkte ich, dass er schon einmal in Tarnfarben gestrichen worden war.“ Ein Grund mehr, ihm wieder den Tarnanstrich zu verpassen. Fotos der Fahrzeuge im Uffenheimer Museum dienten als Vorlage für einen authentischen Anstrich.

Eine Herausforderung war lediglich der Reflektor des Suchradars auf dem Turm, „die hat ordentlich Farbe aufgesaugt, da hab' ich ein paarmal drüber streichen müssen“, berichtet Klug.

Auch das Kennzeichen passt: Der Panzer erhielt von der Zulassungsstelle der Bundeswehr seine alte Y-Nummer zurück. Das taktische Zeichen (rechts) weist ihn als Fahrzeug der 6. Kom-panie / Gebirgsflugabwehrregiment 8 in Traunstein aus. Mit dessen Auflösung 1997 kam der Panzer nach Sigmaringen.
Foto: Bundeswehr, Oliver Schmidt | Auch das Kennzeichen passt: Der Panzer erhielt von der Zulassungsstelle der Bundeswehr seine alte Y-Nummer zurück. Das taktische Zeichen (rechts) weist ihn als Fahrzeug der 6.

Der Gepard B2L, der seit 2014 in Veitshöchheim steht, trug einst das Kennzeichen Y-259 853, wurde von Krauss-Maffei in München hergestellt und gehörte der 6. Batterie des Gebirgsflugabwehrregiments (GebFlaRgt 8) in Traunstein. Irgendwann kam er als Sockelpanzer zum Flugabwehrregiment 10 nach Sigmaringen. Die Kameraden dort entschieden, ihn wieder in den olivgrünen Ursprungszustand zurückzuversetzen. Er verblieb dort neben anderen musealen Panzern in der Graf-Stauffenberg-Kaserne, bis der Stab der 10. Panzerdivision aufgelöst und in Veitshöchheim wieder neu aufgestellt wurde. Die neue Zehnte erbte auch die alten Panzer aus der geschlossenen Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen.

Gesprächsthema in der Kaserne

Das alte Kennzeichen des Geparden, fand Klug heraus, ist in der Bundeswehr nie wieder neu vergeben worden. Also beantragte er bei der Zentralen Militärkraftfahrtstelle, dem Panzer sein altes Kennzeichen wieder aufkleben zu dürfen. Das war dann der letzte Akt der Restaurierungsaktion.

Nach insgesamt 21 Arbeitsstunden glänzt der Gepard also wieder mit neuem Lack. Das war am nächsten Tag Gesprächsthema in der ganzen Balthasar-Neumann-Kaserne: „Schön gemacht, der sieht aus wie neu“, lobte der Standortälteste Brigadegeneral Michael Podzus und scherzte: „Man könnte ihn glatt als Neuwagen verkaufen.“

Ein Hingucker für Besucher

Die insgesamt zehn historischen Gefechtsfahrzeuge in der Balthasar-Neumann-Kaserne gehören zur militärhistorischen Sammlung der 10. Panzerdivision und sind oft ein Hingucker für Gäste, die die Kaserne besuchen, berichtet Oberstleutnant a.D. Wolfgang Hagedorn, Vorsitzender des Traditionsverbands 12. Panzerdivision.

Er hat es schon oft erlebt, dass Besucher ganz begeistert berichten: „Darauf bin ich mal ausgebildet worden“, oder: „Da saß mein Opa einmal drauf“. Die Fahrzeuge symbolisieren auch die Geschichte der früheren 12. Panzerdivision, ja der Bundeswehr im Allgemeinen, so Hagedorn. Deshalb hat Hagedorn im vergangenen Jahr Paten für die Pflege der Fahrzeuge gesucht. Einer davon ist Stabsfeldwebel Klug. „Ich finde es super, dass er sich so engagiert und den Gepard optisch wieder auf Vordermann gebracht hat“, sagt Hagedorn.

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