Würzburg

Pflichtzölibat bleibt: Enttäuschung in der Region über Papst

Das Papst-Schreiben zur Amazonas-Synode wurde mit Spannung erwartet. Fällt der Pflichtzölibat? Besteht für Frauen Hoffnung auf Gleichberechtigung? Stimmen aus der Region.
Englische Ausgabe des Lehrschreibens 'Querida Amazonia' (Geliebtes Amazonien) zur Amazonas-Bischofssynode: Papst Franziskus stellt darin keine Öffnung der katholischen Kirche gegenüber verheirateten Priestern in Aussicht.
Foto: Gregorio Borgia, dpa | Englische Ausgabe des Lehrschreibens "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) zur Amazonas-Bischofssynode: Papst Franziskus stellt darin keine Öffnung der katholischen Kirche gegenüber verheirateten Priestern in ...

Keine Lockerung des Pflichtzölibats, keine Priesterweihe für Frauen: Enttäuscht reagiert der Würzburger Theologe Wunibald Müller auf das am Mittwoch veröffentlichte Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode, die im Oktober in Rom stattfand.

In "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) sei die Empfehlung, bewährte verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, "leider ausgeblieben", so Müller. Hätte Franziskus sie ausgesprochen, wäre "endgültig der Damm gebrochen worden". Der ehemalige Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach (Lkr. Kitzingen) ist sich sicher: "Die längst fällige Aufhebung des Pflichtzölibats" werde etwas länger dauern, "doch sie wird stattfinden."

Unakzeptabel ist für Müller, "was der Papst zur Rolle der Frauen sagt, denen weiterhin der Zugang zu den Weiheämtern verweigert wird". In der "Kirche der Zukunft" wird seiner Meinung nach die Männerherrschaft durch ein Netzwerk abgelöst, bei dem Männer und Frauen gleichberechtigt mitwirken.

Der Würzburger Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller ist enttäuscht, dass Papst Franziskus in seinem Schreiben zur Amazonas-Synode keine Aufhebung des Pflichtzölibats in Aussicht stellte.
Foto: Patty Varasano | Der Würzburger Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller ist enttäuscht, dass Papst Franziskus in seinem Schreiben zur Amazonas-Synode keine Aufhebung des Pflichtzölibats in Aussicht stellte.

"Wir sind Kirche" ist sehr enttäuscht

Bambergs Erzbischof Ludwig Schick sieht im Papst-Schreiben eine "Bestätigung und Freude". Es "unterstreicht die Katholizität der Kirche, in der alle für alle Verantwortung tragen, damit sich das Reich Gottes der Gerechtigkeit, des Friedens, der Liebe und Freude überall ausbreitet", so Schick in einer Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur.

Magnus Lux, der unterfränkische Sprecher der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche", und sein Kollege Christian Weisner weisen darauf hin, dass das Schreiben "zunächst einmal für die im Amazonas lebenden Menschen und Völker von großer Bedeutung ist". Der Papst benenne die sozialen, kulturellen und ökologischen Probleme und zeige "aus dem Glauben und der christlichen Verantwortung sich ergebende Hoffnungsvisionen auf".

Magnus Lux aus Schonungen (Lkr. Schweinfurt) ist einer der Bundessprecher der Kirchenvolksbewegung 'Wir sind Kirche'.
Foto: Pat Christ | Magnus Lux aus Schonungen (Lkr. Schweinfurt) ist einer der Bundessprecher der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche".

In Bezug auf Europa und die in Deutschland begonnenen kirchlichen Reformen durch den Synodalen Weg sei es jedoch "sehr enttäuschend", dass der Papst keinerlei Öffnung für verheiratete Priester und keine Weihe von Frauen in Aussicht stellt.

Würzburgs Bischof Franz Jung ist momentan in Bonn und vertritt dort die Bischöfe im Verbandsrat des Verbands der Diözesen Deutschlands. Für eine Stellungsnahme war er am Mittwoch nicht zu erreichen. Er werde sich an diesem Donnerstag zum Schreiben äußern, teilte Bistumssprecher Bernhard Schweßinger auf Nachfrage mit.

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