Würzburg

Posthalle: Eine Halle für alle

Wo früher Päckchen und Briefe sortiert wurden, hat sich eine besondere Szene entwickelt. Außen hässlich-grauer Kasten, steckt die Halle am Bahnhof drinnen voller kreativer Zellen.

Wo früher Päckchen und Briefe sortiert wurden, hat sich eine besondere Szene entwickelt. Außen hässlich-grauer Kasten, steckt die Halle am Bahnhof drinnen voller kreativer Zellen.

Sogar im Fitnessstudio steht ein Schlagzeug. Auf einem Podest hinter den Stahlstangen für die Klimmzüge, neben einem übrig gebliebenen Christbäumchen. Vor den Stangen und Kugelhanteln, neben den Medizinbällen und 20-Kilo-Scheiben steht Piet Arlt und motiviert: „Schön hochziehen!“ Frisch ist's im großen Raum, doch beim „Workout of the Day“ rinnt der Schweiß. Unter den aufmerksamen Augen des „CrossFit“-Chefs arbeiten zehn Leute gegen die Schwerkraft.

Ein Schlagzeug steht auch ein paar Treppen, Gänge, Etagen weiter, im Tattoostudio „Black Goat“. Der „steife Finger“ Sascha Katke und „Trembler Butcher“ Sebastian Stützer setzen hier Körperteile mit tätowierten Kunstwerken in Szene. An den Wänden viel Gerahmtes, Jagdtrophäen, Skurrilitäten. Und wenn die Tätowiermaschinen nicht surren, gibt's hier ab und an zwischen Behandlungsstühlen und gemütlicher Ledercoach ein kleines Konzert.

Die Posthalle ist ein Mikrokosmos. Draußen trister Klotz, drinnen voller kahler Gänge, Betontreppen, verwirrenden Etagen, blüht hinter dicken Türen in kleinen Zellen das Leben. Die Posthalle – das ist nicht nur die 3000 Quadratmeter große Veranstaltungshalle, in der seit 2008  Rockkonzerte und Lesungen, Erotikmessen und Fashionflohmärkte stattfinden. Die Posthalle ist . . .  wie ein Stück anderswo, wie Großstadt.

„Man sieht sich, man kennt alle“, sagt Illustrator Philipp Katzenberger, der sich mit acht Kollegen und Freelancern die Miete im Atelier teilt, das mal die Werkstatt der Fachhochschule war, dann „Horst“ hieß und zu dem jetzt alle nur „Club“ oder einfach „Atelier“ sagen. Man sieht sich, man kennt sich. Die Leute vom Jugendtreff „Immerhin“ stehen bei der Kippenpause vor der Halle mit Leuten vom Fahrradladen zusammen. Und mit Musikern oder Fotografen, die hier ihre Proberäume oder Studios haben. Und der Typ von der Hundestaffel der Bundespolizei kommt auf ein Hallo vorbei.

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Im „Immerhin“, dem Laden, der vor sieben Jahren in die Posthalle umzog, sind Wasser und Tee immer noch kostenlos, Tütenbauen ist immer noch verboten. Und wenn einer unbedingt einen Abend mit psychodelischer Musik und Keyboardbegleitung machen will, wird der eben gemacht. Auf der Vorderseite des großen Komplexes, zum Ringpark hin, haben derweil drei Freundinnen mittleren Alters in der „LaserTag-Arena“ ihren Spaß und feuern einen Nachmittag lang mit Lichtstrahlen aufeinander. Und nebenan, in der dreidimensionalen Schwarzlichtwelt, spielen Minigolfer auf 18 interaktiven Bahnen.

Die Würzburger Beethovengruppe, die das Gelände am Hauptbahnhof vor einem Jahr gekauft hat, plant Wohnungen, Hotels, Büros, Geschäfte. Irgendwann wird dieser Kosmos hier wohl . . . aber erst einmal: „Schön hochziehen!“ Piet Arlt lässt seine Gruppe noch einmal kräftig schwitzen.

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