Eisingen

Powerfrau gesucht: Eisinger Wirtin sucht Teilhaberin

Den "Fränkischen Garten" schmeißt Rentnerin Anita Günder im Alleingang. Vor einem Jahr hat sie die Kneipe ihrer Eltern neu eröffnet. Es läuft besser als gedacht.
Wirtin Anita Günder beim Eindecken. Die Rentnerin bewirtet den Fränkischen Garten in Eisingen alleine.
Foto: Thomas Obermeier | Wirtin Anita Günder beim Eindecken. Die Rentnerin bewirtet den Fränkischen Garten in Eisingen alleine.

Anita Günder lässt sich nicht gerne fotografieren, "das muss ich nicht haben", sagt die Wirtin heute, wie auch schon zur Neu-Eröffnung ihrer Gastwirtschaft vor rund einem Jahr. Umso überraschender ist das Erscheinungsbild der 69-jährigen Rentnerin. Sie entspricht nicht dem Klischee der gemächlichen, rüstigen Seniorin. Günder ist eine agile Frau mit gefärbten Haar und dezentem Make-up. Über ihrer Röhrenjeans trägt sie einen silbernen Oversize-Pulli, dazu Stiefeletten. 

Anita Günder ist eine Powerfrau, ein "Arbeitstier", wie sie von sich sagt. Stillsitzen ist nicht ihr Ding. Von Mittwoch bis Sonntag steht die 69-Jährige in der Küche und hinter dem Tresen. Alleine. Und nebenbei bedient sie noch die Gäste. Von 14 Uhr bis Sperrstunde kocht sie à la carte. Ganz ohne Vorbereitung gehe es aber nicht, "ich mache ja schließlich alles frisch", sagt sie.  

Seit rund einem Jahr betreibt sie die ehemalige Gastwirtschaft ihrer Eltern. Obwohl sie nie eine eigene Kneipe betreiben wollte, hat sie es nicht bereut: "Ich bin abends manchmal ganz schön fertig, aber beschweren darf ich mich nicht. Ich habe mehr erreicht als ich geglaubt habe. Ich dachte es läuft wie bei meinen Eltern zum Schluss, dass nur gelegentlich Gäste kommen."

Ich dachte es läuft wie bei meinen Eltern zum Schluss, dass nur gelegentlich Gäste kommen."
Wirtin Anita Günder 

Doch es läuft besser. Im Sommer nach dem Corona-Lockdown boomte das Geschäft: "Als ich wieder aufgemacht habe sind alle auf einmal gekommen. Das war wie ein neues Lebensgefühl." Die große Terrasse auf der Straßenseite zieht Radfahrer und Wanderer an. In den kalten Monaten wird der Fränkische Garten zur Weinstube. Ihr Konzept geht auf, auch weil sie sich spezialisiert hat. Statt den üblichen Weinen bietet sie nur die Kabinett- und Spätleseweine einer fränkischen Winzergenossenschaft an. 

Gäste kommen, um zu bleiben

Günders Geheimrezept: Frische Hausmannskost im nostalgischen Ambiente. Als "rustikal und idyllisch" bezeichnet sie ihre Gaststube. Die alte Bank hat sie aufwändig restaurieren lassen, ebenso die gedrechselten Holzstühle. In den ersten Monaten waren viele Gäste einfach neugierig, "die wollten wissen, wie die Tochter der ehemaligen Dorfwirte es macht", sagt die Wirtin. Heute hat sie Stammgäste. Das freut sie besonders, denn die Kneipenkultur hat sich verändert.

"Früher sind die Leute um sieben Uhr in die Wirtschaft gegangen. Haben gegessen, sich mit Nachbarn getroffen und bis zur Sperrstunde getrunken. Heute kommen die Leute zum Essen und gehen nach zwei Stunden wieder." Im Fränkischen Garten ist das anders: "Hier muss keiner essen und gleich wieder gehen. Hier kann man sich auch aufhalten." 

"Hier muss keiner essen und gleich wieder gehen. Hier kann man sich auch aufhalten."
Wirtin Anita Günder

Powerfrau sucht Powerfrau

Ob sie wie geplant noch weitere fünf Jahre durchhält, weiß sie nicht. Der Sommer war erfolgreich, aber anstrengend. "Die Laufstrecken zur Terrasse habe ich unterschätzt", gesteht sich die Wirtin ein. Der Biergarten im hinteren Teil des Grundstücks bleibt zunächst geschlossen, "das schaffe ich nicht mehr. Den kann jemand anderes bewirten." Sie ist froh, nur Hobby-Gastronomin zu sein, "wenn ich davon leben müsste, hätte ich das niemals gemacht, dafür bin ich zu alt."

Bis vor drei Jahren hatte sie als Rentnerin noch ein "wunderbares Lotterleben", war viel unterwegs und auf Reisen. Das möchte sie zum Teil wieder zurück: "Wenn ich nur an drei Tagen arbeiten könnte, wäre das optimal. Ich mache es gerne, aber es ist zeitintensiv."

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Auf Ebay-Kleinanzeigen hat sie deswegen eine Anzeige geschaltet: "Weiberwirtschaft, Frauen-Power, Teilhaberin gesucht!" Am liebsten wäre Günder eine langfristige Geschäftspartnerin, doch die Suche zieht sich: "Ich dachte, ich würde schnell eine Geschäftsführerin finden, die den Laden alleine schmeißen kann und ich spiele Chefin. Das war ich aus meinem früheren Job gewohnt", sagt Günder lachend. "Jetzt bin ich das Mädchen für alles. Aber ich mache es gerne, wenn auch lieber für die Hälfte der Zeit."

Zum Schluss lässt sich die kamerascheue Wirtin doch noch zu einem Foto überreden, "aber nur mit Maske!" 

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