WÜRZBURG

Rekord: 80 000 Besucher beim Straßenmusikfestival

Mit geschätzten 80 000 Besuchern hat das 9. Straßenmusikfestival in Würzburg am Wochenende mehr Zuspruch erfahren als je zuvor. Bei perfektem Spätsommerwetter wurde die Innenstadt zum Klangteppich. Wie bunt das Programm und die Besucher waren, zeigen wir mit einem Streifzug in Text und Bildern.

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Hier mausert sich etwas. So könnte man es bescheiden formulieren und würde doch untertreiben. Das Internationale Straßenmusikfestival (Stramu) ist dabei, sich als weiterer großer Kulturevent in Würzburg zu etablieren. Mit geschätzten 80 000 Besuchern hat die Veranstaltung in der Innenstadt am Wochenende mehr Zuspruch erfahren als je zuvor in acht Jahren.

Kein Wunder, dass der stellvertretende Kulturamtsleiter Ole Kruse für die Stadt am Sonntagabend ein positives Fazit zog: „Wir sind hochzufrieden. Das exzellente Wetter hat uns geholfen, und das Programm hatte die richtige Mischung.“ Besonders freut ihn, dass Publikum von jung bis alt vertreten war, darunter viele Familien. Wenn man das Angebot verfolgt hat – neben viel Musik auch Jonglage, Zauberei, Akrobatik, Theater – will Kruse lieber von einem „Straßenkunstfestival“ sprechen. Es ist das größte bühnenfreie Festival Europas.

Ohne Bühnen und Basar auskommen zu wollen, ist das besondere Konzept des Stramu: Die Straße selbst ist die Bühne. Die einzelnen Musiker und Artisten begegnen ihrem Publikum unmittelbar und auf Augenhöhe. Der Eintritt ist frei, Philosophie der Straßenkünstler: „Gefällt's dir gut, wirf was in' Hut.“

An 22 Standorten in der Innenstadt traten sie auf. Die City war grob in Schauplätze für Sparten und Richtungen eingeteilt. Der Schenkhof stand im Zeichen des Ethno, und beim „Wunschlos Glücklich“ wurde die Flagge für Jazz und Pop gehisst, während Balkan- und Klezmer-Sound auf dem Sternplatz ein Zuhause hatte. Dass die Kategorisierung oft unmöglich schien, lag nicht nur an der Vielfalt der Künstler, sondern auch an der Brücken schlagende Kreativität so manches Artisten.

Als Besucher musste man viel Zeit mitbringen, um unter den 350 Künstlern aus aller Welt seinen Favoriten auszumachen – oder, wie es ein beeindruckter Besucher formulierte: „Wahnsinn – hier kann man keine 20 Meter laufen ohne etwas Neues zu entdecken!“

Die italienisch-deutsche Combo Analogue Birds etwa ließ sphärische Didgeridoo-Klänge vor einer treibenden, mit elektronischen Elementen angereicherten Drum-Kulisse wabern. Aus Wiesbaden waren Drumlet angereist, ein Schlagzeuger-Quartett, das ein wahres Beatgewitter entfachte. Nicht weniger temperamentvoll ging es bei Aqua y Vino zu. Das Würzburger Künstler-Ehepaar zelebrierte Flamenco sowohl in seinen musikalischen als auch tänzerischen Facetten. Wer es gediegener mochte, konnte vor Singer/Songwritern wie der Australierin Coby Grant oder dem Briten Rory Charles Platz nehmen und sich von deren Gitarrenspiel und Gesang einnehmen lassen. Und als Überraschungsgast durften die Würzburger Jimmy Kelly begrüßen, der mit seiner Band den Folk unters Volk brachte.

Doch auch abseits der Musik gab es viel zu bestaunen. Schon am Eröffnungstag ging es heiß her bei der artistischen Feuershow der ungarischen Firebirds und der mystischen Performance von David Rogers und David Hartmann. Als Hochstapler im besten Sinne erwiesen sich die spanisch-schwäbischen Artisten von PsiRC: Vor einer aufgetürmten Holzkisten-Kulisse, die als artistisches Element Teil der Show war, boten diese eine clowneske Darbietung zwischen Akrobatik, Breakdance und Capoeira. Und vor dem Rathaus trug die Feuershow- und Schaukampftruppe Frank und Frey erbitterte Schwertkämpfe aus, wobei auch der humoristische Aspekt nicht zu kurz kam.

Den Reiz des Stramu kann kaum einer so gut erklären wie Klaus der Geiger. „Freiheit und Freiheitlichkeit – das ist das Besondere an Straßenmusik. Es braucht keine Werbung oder sonst irgendwas. Du stellst dich hin und trittst auf, niemand ist angehalten zu bleiben, wenn es ihm nicht gefällt. Wenn man sich diese Freiheit bewahrt, kann man singen, was man will.“ Klaus der Geiger ist ein Pionier der Straßenmusikszene. Seit 40 Jahren ist der klassisch ausgebildete Musiker in aller Herren Länder unterwegs. Der anarchische Krawallbarde präsentierte Gassenhauer der besonderen Art. Neben Bordsteinballaden vom Straßenleben verhackstückte er Kinderlieder oder Hits wie den Opus-Klassiker „Live is Life“ zu schrägem Geigenblues und Streicherpunk. Selbst Glockengeläut von Neumünster konnten den unverstärkt auftretenden Kölner nicht aus der Fassung bringen: „Wir sind und bleiben Sieger.“

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Traumhaftes Wetter, tolle Stimmung: Unser Streifzug in Bildern zeigt die Vielfalt, die rund 350 Künstler und Musiker in die Innenstadt brachten.
Foto: Theresa Müller (5), Silvia Gralla (4) | Traumhaftes Wetter, tolle Stimmung: Unser Streifzug in Bildern zeigt die Vielfalt, die rund 350 Künstler und Musiker in die Innenstadt brachten.
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