Aub

Roman Menth: Aub muss Kleinzentrum bleiben

Was der neue Bürgermeister dafür tun will, dass seine Stadt ein lebendiger und geschäftiger Ort bleibt.
Seit einem knappen halben Jahr ist Roman Menth Bürgermeister in Aub.
Foto: Gerhard Meißner | Seit einem knappen halben Jahr ist Roman Menth Bürgermeister in Aub.

Stattliche Bürgerhäuser säumen den Auber Marktplatz und zeugen von der Rolle, die die kleine Stadt über Jahrhunderte hinweg als lokales Handelszentrum im Ochsenfurter Gau gespielt hat. Als Kleinzentrum mit Geschäften und einer von Handwerk und Mittelstand geprägten Firmenlandschaft erfüllt Aub auch heute noch eine wichtige Versorgungsfunktion für das Umland. Diese Rolle zu bewahren und zu stärken nennt Bürgermeister Roman Menth als eines seiner wichtigsten Ziele. Seit einem knappen halben Jahr führt der 43-Jährige die Geschäfte im Auber Rathaus.

Nach der Schule hatte Menth zunächst Zimmermann gelernt. Nach der Lehre holte er sein Abitur nach, studierte Sozialpädagogik und brachte es im Würzburger Landratsamt 2019 bis zum Leiter des Amts für Jugend und Familie. Ungleich vielfältiger sind die Aufgaben, vor denen er nun in seinem knapp 1450 Einwohner zählenden Heimatstädtchen steht. "Nach 15 Jahren im Stadtrat habe ich gedacht, dass ich viel weiß", sagt er heute, "aber das war nur die Spitze des Eisbergs." 

Noch ist die Infrastruktur intakt

Die Infrastruktur der Stadt und ihrer beiden Ortsteile Baldersheim und Burgerroth sei noch immer intakt. Es gibt eine Schule, einen Kindergarten, angemessene medizinische Versorgung, ein Altenheim, Betriebe, die wohnortnahe Arbeitsplätze bieten, ein reges Vereins- und Kulturleben und eine bemerkenswerte Bereitschaft der Bürger, sich ehrenamtlich zu engagieren. Hinzu kommen touristische Anziehungspunkte wie das Spitalmuseum mit einer einzigartigen Dokumentation des mittelalterlichen Spitalwesen oder die Stadtpfarrkirche mit ihrer Kreuzigungsgruppe von Tilman Riemenschneider.

Doch Menth weiß, dass dieser Zustand nicht gottgegeben ist.  In der Altstadt stehen viele alte Gebäude leer. Die Gastronomie weist immer mehr Lücken auf. "Es ist wie ein Puzzle, bei dem immer mehr Bausteine fehlen", sagt er, "die wichtigste Aufgabe ist, es insgesamt stabil zu halten." In der Altersverteilung überwiegen die 40- bis 60-Jährigen. Es fehlt an jungen Familien. "Die Schule kann ich nur halten, wenn es genügend Kinder gibt", so Menth.

"Es ist wie ein Puzzle, bei dem immer mehr Bausteine fehlen; die wichtigste Aufgabe ist, es insgesamt stabil zu halten."
Roman Menth, Bürgermeister von Aub

Menth setzt deshalb auf die Innenentwicklung und hofft darauf, dem Mangel an günstigen Mietwohnungen und dem Überschuss an Leerständen in einem Atemzug begegnen zu können. Jüngstes Beispiel sind die beiden alten Gebäude in der Etzelstraße, die die Stadt gekauft hat, um sie mit hoher staatlicher Förderung in Wohnungen umzubauen.

Leerstand und Wohnungsmangel überwinden

Um das historische Gepräge möglichst schonend zu entwickeln, erarbeitete die Stadt ein kommunales Denkmalkonzept. "Das erleichtert den Zugang zu Fördermöglichkeiten und eine fachliche Begleitung", sagt der Bürgermeister. Vom dem sollen gerade private Eigentümer profitieren.

Doch ohne eine moderate Außenentwicklung, also die Ausweisung neuen Baulands, gehe es auch in Aub nicht. Mit "moderat" meint Roman Menth dabei vor allem das Schließen von Baulücken und die Abrundungen bestehender  Siedlungsgebiete ohne übermäßigen Flächenverbrauch. Dass Bedarf besteht, beweisen die Bauplätze, die zuletzt am Ortsrand von Baldersheim ausgewiesen wurden und die inzwischen bebaut seien.

Daneben stehen zahlreiche Pflichtaufgaben, die es zu lösen gilt. Angefangen vom Kindergarten, der saniert werden muss, bis zur erforderlichen Erneuerung der Kläranalage. Alternativ dazu denkt Menth über einen Anschluss an die Verbandskläranlage in Winterhausen nach. Dann stehen noch neue Feuerwehrhäuser in Baldersheim und Burgerroth auf der Agenda, die Sanierung der historischen Stadtmauer und als frommer Wunsch für die Zukunft eine Mehrzweckhalle. "Es ist eine spannende Aufgabe, das alles in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, ohne sich dabei finanziell zu übernehmen", meint der neue Bürgermeister. 

Ehrenamtlich nicht mehr zu machen

Im Unterschied zu seinen Vorgängern darf Roman Menth sein Amt hauptberuflich ausüben. Die Entscheidung hat der vorige Stadtrat getroffen, und sie sei unabdingbar gewesen. "Ehrenamtlich lässt sich dieser Job angesichts der vielen Aufgaben nicht mehr machen", sagt Menth, "ich ziehe täglich mehrmals den Hut vor Robert Melber, wie er es geschafft hat, Beruf und Amt unter einen Hut zu bringen."

"Ich wollte nicht Bürgermeister werden, weil ich weiß, was das für die Familie bedeuten kann."
Roman Menth, Bürgermeister von Aub

Dass er zur Wahl antreten würde, nachdem sein Vorgänger nach 18 Jahren seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit erklärt hatte, überraschte in Aub niemanden. Schließlich schien ihm das Politiker-Gen in die Wiege gelegt. Sein Vater Bernhard Menth war bis 1990 Bürgermeister, er selbst gehörte seit 15 Jahren dem Stadtrat an und ist vielfältig im Vereinsleben seiner Heimatstadt verankert. 

Umso erstaunlicher die Sicht von Roman Menth selbst: "Ich wollte nicht Bürgermeister werden, weil ich weiß, was das für die Familie bedeuten kann", erzählt er. Die Zustimmung seiner Frau und seiner drei Kinder sei deshalb die Voraussetzung für die Kandidatur gewesen. An die vielen Abende, an denen der erklärte Vereinsmeier früher schon nicht zu Hause war, hätten die sich schließlich schon gewöhnt. 

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