's Käuzle: Adventlicher Kerzen-Streit

Vorweihnachtliche Traditionen sind Auslegungssache. Zur besinnlichen Gesamtatmosphäre tragen sie daher nicht immer bei.
's Käuzle: Adventlicher Kerzen-Streit
Foto: Käuzle

Wieder einmal habe ich mich vergebens auf die angeblich besinnliche Vorweihnachtszeit gefreut. Besinnlich - dass ich nicht lache! An jeder Ecke lauern Auseinandersetzungen und ideologische Dispute. Mit dem Adventskranz geht es schon los, wie Sie der nun folgenden Schilderung aus meinen vier Wänden entnehmen können. Also: Am ersten Advent herrschen noch Frieden und Eintracht an unserem vorweihnachtlich geschmückten Frühstückstisch, wo friedlich die erste Kerze vor sich hinflackert.

Damit ist es am nächsten Morgen allerdings vorbei. "Du hast ja eine andere Kerze angezündet!" Fassungslos starrt meine bessere Hälfte auf den Adventskranz. Dort habe ich, um ein gleichmäßiges Abbrennen der vier Kerzen zu gewährleisten, diesmal einen anderen Docht entzündet. Großer Fehler. Man zündet nicht an seinem Adventskranz die Kerzen abwechselnd an. Nein. Das ist unromantisch und läuft der Symbolik des Adventskranzes total zuwider.

LED kontra Glühbirne

Man hat stattdessen tatenlos zuzusehen, wie sich die erste Kerze einem zerfließenden Stummel entgegen kokelt, während die vierte ihre Arbeit erst am letzten Advent aufnimmt und in fast noch neuwertigem Zustand den Heiligen Abend erlebt. Solche Bräuche sind nichts für Pragmatiker. Da muss man still vor sich hin leiden. Oder man bricht eine Grundsatzdiskussion vom Zaun, ob es denn sein muss, zwei Tage vor dem vierten Advent der Adventskerzenindustrie Geld in den Rachen zu werfen, indem man noch einmal eine Ersatzkerze kauft. Im Sinne vorweihnachtlicher Besinnlichkeit kann ich davon aber nur abraten.

Die nächste Auseinandersetzung steht dann bei der Weihnachtsbaumbeleuchtung an. Und wieder prallen praktisches Denken und romantische Verklärung frontal aufeinander - nur diesmal unter umgekehrten Vorzeichen. "Wir nehmen eine LED-Lichterkette", sagt meine bessere Hälfte. "Die verbraucht viel weniger Strom." Ich protestiere: "LEDs schauen grauslig aus. Lass uns die schöne, alte mit dem warmen Licht nehmen, und pfeif' auf den Strom." Letztes Jahr hatten wir übrigens einen komplett unansehnlichen Kompromiss aus zwei Lichterketten: einer hässlichen mit LEDs und einer schönen mit Glühbirnchen.

Einigkeit herrscht immerhin über die Beschaffenheit des Weihnachtsbaums. Es darf sich ruhig um ein Mängelexemplar mit krummem Rückgrat und ungleichmäßigen Ästen handeln. Ein wenig Individualität kann so einem Baum nicht schaden. Wichtig ist aber, dass er auch nackt noch gut ausschaut. Denn was die Verweildauer von Weihnachtsbäumen in unserem Wohnzimmer angeht, haben wir schon längst unsere eigene Tradition entwickelt: Bleibt der Baum bis Ostern steh'n, kann's gleich bis Pfingsten weitergeh'n. csc

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