's Käuzle: Der einsame Frosch soll sich verlieben

In Bolivien hatte Wasserfrosch Romeo seit zehn Jahren kein Date mehr. Doch jetzt kommt Julia aus den Tiefen des Nebelwaldes.
's Käuzle: Der einsame Frosch soll sich verlieben
Foto: Käuzle

Gibt es da nicht im Internet so eine Partnerbörse, auf der sich angeblich alle elf Minuten ein Single verliebt? Von so einer Frequenz kann Romeo nur träumen. Bei Romeo handelt es sich um einen Sehuencas-Wasserfrosch, der allein in einem Aquarium in einem Naturkundemuseum in Bolivien lebt. Seit zehn Jahren. Zehn Jahre Single, und nicht die geringste Aussicht auf amouröse Verstrickungen irgendeiner Art.

Denn Romeo gilt als einer von insgesamt höchstens einer Handvoll Sehuencas-Wasserfrösche, die noch unter der Sonne wandeln (beziehungsweise in Romeos Fall unter den Kunstlichtlampen seines Aquariums). Doch Romeo hatte Glück. Um sein Liebesleben anzukurbeln, hat man sich so richtig ins Zeug gelegt. Wissenschaftler haben die Nebelwälder Boliviens durchstreift -und doch tatsächlich ein junges Weibchen dort gefunden, das nun Romeos Herz erobern soll.

Der Schüchterne und der Wildfang

Wohl in der Hoffnung auf eine sich selbst erfüllende Prophezeiung haben die Wissenschaftler die junge Frosch-Dame Julia getauft - vielleicht eine etwas zu kurz gedachte Maßnahme, denn die von William Shakespeare erfundenen Namenspatrone Romeo und Julia schieden ja bekanntlich ziemlich früh dahin. Von den beiden Fröschen erwartet man ein längeres und vor allem produktiveres Erdenwallen. Sie sollen sich, so der Plan, sympathisch finden und für Nachwuchs sorgen. Für Romeo wäre es dann zwar nicht nach elf Minuten, immerhin aber nach beinahe elf Jahren auch so weit mit dem Verlieben.

Bleibt die bange Frage, ob in diesem Falle eins plus eins auch tatsächlich zwei ergibt. Romeo soll, so seine Betreuer, ein eher schüchternen Charakter sein. Der Wildfang Julia hingegen ist angeblich eine selbstbewusste Sportskanone, die stark ist und sehr schnell schwimmt. Aber Gegensätze können sich ja auch anziehen. Vielleicht ist Julia auf der Suche nach einem ausgleichenden Element in ihrem Leben.

Das Porträtfoto Romeos zeigt einen wohlgenährten, freundlichen Frosch mit gelbem Bauch und berückend grün und schwarz gemusterten Augen, der in sich zu ruhen scheint. Durchaus eine gute Partie. Julia wird ihn schon zu schätzen wissen. Und in Bälde wird Romeo gar nicht mehr wissen, was Einsamkeit ist. Wie viele Kaulquappen bekommt so ein Frosch im Durchschnitt? Jedenfalls genügend, um irgendwann einmal auch die Nebelwälder Boliviens wieder mit ihnen besiedeln zu können. Mama Julia wird sich freuen.

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