's Käuzle: Sitzheizung statt Kerzenschein

Wenn der erste Schnee fällt, kommen die Romantiker ins Schwärmen.
's Käuzle: Sitzheizung statt Kerzenschein
Foto: Käuzle

Nun ist es also doch passiert. Es hat geschneit. Zumindest bequemten sich eine Zeit lang so weiße wirbelnde Objekte aus dem Himmel herabzutrudeln und Ochsenfurt vorübergehend ein leicht winterlich-romantisches Ambiente zu verleihen. Da malt man sich doch gleich aus, wie das früher gewesen sein muss, in den spitzgiebeligen Häusern innerhalb der Stadtmauern, hinter deren Butzenscheiben der Kerzenschein golden flackerte. Und wo auf dem verschneiten Kopfsteinpflaster die Pferdeäpfel dampften ... halt, stopp! Romantik-Modus aus, aber ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf.

Kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, kann so etwas romantisch finden. Wer will seinen wohlverdienten Feierabend schon in einer Behausung verbringen, wo der einzig halbwegs warme Platz in der guten Stube, nämlich der vor dem Kachelofen, bereits von der Katze besetzt ist und die Alternative in einem dusteren höhlenartigen Küchen-Bunker besteht, wo munter beißender Qualm aus dem rußgeschwärzten Herd entströmt? Nicht mal, wenn man sich aufraffen konnte und auf eben jenem Herd eine große Pfanne heiß gemacht hat, die das eiskalte Bett von innen erwärmen soll, wird es richtig gemütlich. 

Und am nächsten Morgen warten weder eine warme Dusche noch ein flauschiges Handtuch, sondern ein Krug, in dem sich die Eisschicht auf dem Wasser mit etwas Glück mit nur wenig Gewalt durchdringen lässt, und ein brettharter Leinenlappen zum Abtrocknen. Wenn alles glatt gegangen ist, dann sind die im Schneematsch durchweichten, kratzigen wollenen Beinlinge nach einer Nacht über dem Kachelofen sogar getrocknet (und bei zu großer Hitze eingelaufen). Sie müssen jetzt nur noch Ihren missgelaunten Klepper dazu bewegen, den Stall zu verlassen, und schon können Sie zur Arbeit gehen. Toll, was?

Aber vermutlich ist das nur eine Frage der Perspektive. Der historische Ochsenfurter kannte es halt nicht anders. Der würde vermutlich lieber zwölf Stunden lang auf seinem Plumpsklo eingesperrt zubringen, als sich ans Steuer eines anderthalb Tonnen schweren Monstrums mit leuchtendem Armaturenbrett zu setzen, das auf schneeglatter Fahrbahn durch einen Kreisverkehr eiern soll. Vielleicht würde er es anders sehen, wenn er wüsste, dass das Monstrum über eine Sitzheizung verfügt - für mich ist das jedenfalls ein überzeugendes Argument. csc

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